Bernard Tomic

Strafe gegen Tomic bleibt: „Keinen Hinweis auf Besserung“

Während Anna Tatishvili mit ihrem Einspruch Erfolg hatte, muss Bernard Tomic auf sein gesamtes Preisgeld in Wimbledon verzichten. Das Grand-Slam-Board kritisierte den Australier in heftiger Art und Weise.

Zwei drastische Preisgeldstrafen gab es zuletzt bei den Grand-Slam-Turnieren: Der US-Amerikanerin Anna Tatishvili wurde bei den French Open ihr komplettes Preisgeld für die erste Runde (46.000 Euro) abgezogen. Der Vorwurf: Sie konnte den professionellen Standard in einem Match, der im Grand-Slam-Regelbuch festgelegt ist, nicht erfüllen. Tatishvili verlor gegen die Griechin Maria Sakkari nach 45 Minuten mit 0:6, 1:6 – es war ihr erstes Profimatch seit Oktober 2017. Die Oberschiedsrichter in Paris kamen zu dem Entschluss, dass Tatishvili nicht wettkampffähig war.

In Wimbledon wurde das gesamte Preisgeld von Bernard Tomic von 45.000 Pfund (ca. 50.000 Euro) einbehalten. Dem Australier wurde vorgeworfen, dass er die professionellen Standards nicht erfüllt habe und gegen die „Best-Effort-Regel“ verstoßen habe. Tomic verlor in der ersten Runde gegen Jo-Wilfried Tsonga in 58 Minuten mit 1:6, 2:6, 4:6. Es war das zweitkürzeste Herrenmatch in der Wimbledongeschichte.

Tatishvili erhält ihr gesamtes Preisgeld zurück

Sowohl Tatishvili als auch Tomic haben Einspruch gegen diese Entscheidung eingelegt – mit unterschiedlichen Ergebnissen. Die gebürtige Georgierin, die bei den French Open ihr Protected Ranking in Anspruch genommen hatte, begründete ihren Einspruch als „unfaire und diskriminierende Sanktion“. Die 29-Jährige gab an, dass ein Herrenspieler in der Qualifikation bei den French Open, der ebenfalls sein Protected Ranking benutzte, in 43 Minuten verlor und nicht bestraft wurde.

Dem Einspruch von Tatishvili wurde stattgegeben, sodass die US-Amerikanerin nun ihr volles Preisgeld für die French Open ausgezahlt bekommt. „Das Grand-Slam-Board hat die Sanktion, die gegen mich bei den French Open 2019 ausgesprochen wurde, revidiert und hat anerkannt, dass ich „vom ersten bis zum letzten Punkt professionell gespielt habe“ und mir das gesamte Preisgeld zurückgegeben, das ich verdient habe“, schrieb Tatisvili auf Twitter.

Fall Tomic: „Wenig Begründung für Berichtigung”

Anders liegt der Fall bei Tomic. Der Einspruch des Australiers wurde trotz heftigen Gegenwindes in der Tennisszene zurückgewiesen. Erstrundengegner Tsonga hatte unter anderem gesagt, dass die Entscheidung es so ausschauen lässt, als ob er nur gewonnen hätte, weil Tomic nicht alles gegeben hätte. Der 26-jährige Tomic hatte angegeben, dass er sich vor dem Match nicht wohlgefühlt habe.

Das Grand-Slam-Board kritisierte in seiner Entscheidung die Berufseinstellung des Australiers in scharfer Weise. „Der Rückblick auf deine Verfehlungen bei den Grand Slams, und auch woanders, liefert wenig Begründung für eine Berichtigung“, schrieb Board-Director Bill Babcock in einem Brief, der von der „New York Times“ veröffentlicht wurde. Weiter heißt es: „In deinem Fall, Bernard, bin ich sicher, dass du zustimmen würdest, dass es keinen Hinweis dafür gibt, dass du dein Benehmen bessern wirst.“

Tomic: „Mir sind 25 Prozent egal”

Das Grand-Slam-Board kam Tomic ein bisschen entgegnen. Sollte der Australier bei seinen nächsten acht Grand-Slam-Turnieren ohne Sanktion davonkommen, würde er 25 Prozent seines Preisgeldes in Wimbledon zurückbekommen. „Ich muss aber zugeben, dass ich skeptisch bin, dass du diese Besserung deines Benehmens auf dem Platz bei Grand Slams erreichen kannst. Viele andere wären ohne Zweifel wohl mehr als skeptisch. Viel Glück und ich hoffe, du kannst mich in Zukunft positiv überraschen“, schrieb Babcock zum Ende des Briefes.

Tomic kündigte an, diese Entscheidung weiterhin anzufechten. „Mir sind die 25 Prozent egal, wichtig ist mir, dass das Richtige für die Spieler in Zukunft gemacht wird“, sagte der Australier, der im ATP-Ranking derzeit Platz 103 belegt. Tomic fiel in der Vergangenheit immer wieder mit Eskapaden außerhalb des Platzes und fragwürdigem Verhalten auf dem Platz auf. Der 26-Jährige ist zudem Rekordhalter des kürzesten Herrenmatches auf der ATP-Tour. 2014 verlor er in Miami gegen den Finnen Jarkko Nieminen in 28 Minuten.