1995 gewann Boris Becker die ATP-WM in Frankfurt

Heute vor 25 Jahren: Becker gewinnt die ATP-WM

Köln (SID) – Für eine halbe Stunde wähnte sich Boris Becker „auf einem anderen Stern“, weit weg von allem Irdischen. Weit weg vom Hallenplatz der Frankfurter Festhalle und seinem bemitleidenswerten Finalgegner Michael Chang. 30 Minuten schwebte Becker über den Dingen und war auf dem Weg zum WM-Titel nicht mehr aufzuhalten. Mit 7:6, 6:0, 7:6 siegte Becker am 19. November 1995 zum dritten und letzten Mal beim prestigeträchtigen Turnier der acht besten Tennisprofis des Jahres.

Es war ein würdiger Abschied aus Frankfurt, die Festhalle war nach dem Madison Square Garden in New York 1990 Austragungsort des damals als ATP-WM bezeichneten Turniers geworden. Nach sechs Auflagen mit drei deutschen Siegen (zweimal Becker, einmal Michael Stich) zog der Zirkus nach Hannover weiter auf das Gelände der Messe, wo im Jahr 2000 die Weltausstellung stattfinden sollte.

So stimmungsvoll wie in Frankfurt, gerade wenn Becker spielte, wurde es aus deutscher Sicht aber nur noch selten. 1988 hatte der ewig 17-jährige Leimener bereits in New York beim Masters Grand Prix triumphiert, 1992 folgte sein zweiter Titel, diesmal in der Main-Metropole. Als er drei Jahre später im Finale gegen den US-Amerikaner Chang 2:5 in Rückstand lag, deutete noch wenig auf den nächsten Feiertag im erfolgsverwöhnten Tennis-Deutschland hin.

„Dann war ich für eine halbe Stunde auf einem anderen Stern“, sagte Becker nach dem Matchball. Und Chang konnte nur ungläubig staunen: „Er war einfach heute der Bessere. Wenn er einmal unter Dampf steht, läuft es bei ihm von alleine.“

Besonders im Herbst und Winter auf den schnellen Teppichböden, auf denen damals in der Halle gespielt wurde, lief es häufig für Becker. Auch ein Jahr später begeisterte der dreimalige Wimbledonsieger in Hannover die Massen, als er im Finale dem Top-Favoriten Pete Sampras ein unvergessliches Fünfsatzdrama lieferte. „Das war mein bestes Tennismatch, was ich in meinem Leben gespielt habe“, sagte Becker trotz der Niederlage. Diesmal spielten zwei Spieler Tennis wie von einem anderen Stern.