Pete Sampras gewann damals gegen Andre Agassi

Pete Sampras gewann damals gegen Andre Agassi Bild: AFP/SID/JOHN RUTHROFF

Das SID-Kalenderblatt am 28. November: Die letzte ATP-WM in Deutschland

Köln (SID) – Ein erster Aufschlag von der Einstandseite nach außen, nur 171 Stundenkilometer, aber mit unnachahmlich viel Slice, unerreichbar für Andre Agassi – und dann riss dessen Erzrivale Pete Sampras die Arme in die Höhe. So endete am 28. November 1999 die Geschichte des letzten regelmäßigen Tennis-Weltereignisses auf deutschem Boden. Es endete jene Zeit, in welcher der letzte große Champion des Jahres eben nicht in New York, Sydney oder London ermittelt wurde, sondern in der schmucklosen Messehalle von Hannover.

Neue Wege hatte die ATP beschreiten wollen, deshalb das Masters, das 13 Jahre lang stimmungsvolles Highlight im Madison Square Garden gewesen war, zur ATP-Weltmeisterschaft umgewidmet und 1990 nach Deutschland verlegt, ins Boom-Land des Tennis. Der Plan ging auf: Der neue Austragungsort, die Frankfurter Festhalle, war eine Perle, drei deutsche Siege in sechs Jahren, zwei durch Boris Becker, einer durch Michael Stich, taten ihr übriges.

Auf Betreiben des damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder, der die Werbetrommel für die EXPO 2000 rühren wollte, und mit Ion Tiriac als Durchsetzer zog das Turnier 1996 in die Hannoveraner Messe um. Traurig sei er gewesen, sagte Boris Becker, der die Festhalle 1995 mit seinem Turniersieg abgeschlossen hatte, Frankfurt sei sein liebstes Hallenturnier gewesen, „so etwas wie mein Haus“.

Hannover wurde dann zu Sampras‘ Haus: Bei drei von vier Austragungen gewann der wohl beste Serve-and-Volley-Spieler der Geschichte. Das Turnier allerdings verlor an Flair und verabschiedete sich aus Deutschland. Auch weil Tiriac der Meinung war, dass wechselnde Metropolen als Schauplatz lukrativer seien.

So wurde nach 1999, dem Jahr des Becker-Rücktritts, aus Hannover Lissabon, Shanghai oder Houston, wurden aus der WM der Masters Cup, die World Tour Finals und schließlich die ATP Finals, die nun Alexander Zverev in Turin, wo das Turnier bis mindestens 2025 gastiert, zum zweiten Mal gewann. 

Deutschland indes wurde – abgesehen vom World Team Cup, der bis 2012 mit stark gesunkener Bedeutung in Düsseldorf durchhielt – zu einem Nebenschauplatz des Welttennis.