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Davis Cup-Reform: Es wird eng in Orlando

Heute ab 9.oo Uhr Ortszeit (15 Uhr MEZ) steht in Orlando beim Jahrestreffen des Tennis-Weltverbandes die mit Spannung erwartete Abstimmung zur großen Davis Cup-Reform an. Im Vorfeld ist bereits klar: Die Entscheidung wird knapp, es kommt auf jede Stimme an. 

Der 16. August 2018 könnte als Tag der Zäsur in die Geschichte des Tennissports eingehen. Heute könnte der 118 Jahre alte Traditionswettbewerb rund um den Davis Cup komplett umgekrempelt werden – oder eben auch nicht. Feststeht: Ab 9 Uhr Ortszeit, also 15 Uhr deutscher Zeit, sind die Delegierten der nationalen Tennis-Verbände dazu aufgerufen, über die von ITF-Präsident David Haggerty forcierte Davis Cup-Reform abzustimmen.

Haggerty braucht für seine Pläne eine Zweidrittelmehrheit. Heißt: Er benötigt von den 459 Stimmen, die im Ritz-Carlton Hotel von Orlando nachher abgegeben werden, mindestens 306, um den Davis Cup nach seinen Vorstellungen umzubauen. Sollte er gewinnen, würde es schon 2019 eine Quali-Runde mit Heim- und Auswärtsspielen und eine große Final-Woche an einem zentralen Ort zum Ende der Saison geben. Und es würden – zumindest stellt das Haggerty so in Aussicht – über 25 Jahre insgesamt drei Milliarden Dollar durch die Investmentgruppe Kosmos dem Tennis-Weltverband zu Gute kommen.

Kurz vor der wegweisenden Wahl zeichnet sich ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden Lager ab. Quasi im Stundentakt gibt es insbesondere via Twitter neue Wasserstandsmeldungen über den möglichen Ausgang der Wahl. Vieles ist nicht wirklich verifizierbar, aber es gibt einige Anhaltspunkte, die Rückschlüsse auf einen engen Ausgang der Abstimmung zulassen.

Gestern Abend zum Beispiel gab der englische Tennis-Verband LTA endlich bekannt, wie er abstimmen wird – mit einem „NO“. Das war so nicht wirklich vorhersehbar, weil das Turnier in Wimbledon und der dazugehörige AELTC Haggertys Pläne unterstützen. Aber die LTA hat sich davon nicht einschüchtern lassen und wird seine zwölf Stimmen gegen die Reform einsetzen. Dadurch sind die Chancen der Reformgegner deutlich gestiegen. DTB-Vizepräsident Dirk Hordorff, selbst vor Ort  in Orlando und einer der größten Kritiker Haggertys, jubelte via Facebook: „Danke an die LTA, dass sie dafür gesorgt hat, dass die 118 Jahre alte Geschichte des Davis Cups nicht zerstört wird.“

Das klingt schon so, als wäre die Reform vom Tisch. Aber soweit ist es noch nicht. Denn Haggerty hat alles dafür getan, möglichst viele nationale Verbände hinter zu bringen. Auf seiner Seite sind: Süd- und Mittelamerika, die Karibikstaaten, Nordamerika und ganz Afrika. Dazu kommen Frankreich, Spanien, Portugal, die Türkei, die Schweiz und China. Gegen die Reform werden stimmen: Deutschland, Großbritannien, Australien, Polen, Indien. Daraus würde sich ein hauchdünner Vorsprung für die Reformgegner ergeben.

Doch wirklich sicher ist deren Sieg deswegen noch lange nicht. Nach wie vor gibt es Nationen, die sich noch nicht dazu geäußert haben, wie sie abstimmen werden. Das liegt zum Teil auch an entgegengesetzten Positionen innerhalb einiger nationaler Verbände. Aber: Die Stimmenpakete der jeweiligen Länder können nur im Ganzen abgegeben werden, man muss sich also auf eine Position einigen.

Keine endgültige Klarheit herrscht etwa darüber, wie die meisten asiatischen Verbände abstimmen werden, auch wenn die Asian Tennis Federation, der Zusammenschluss aller Verbände Asiens, seinen Mitgliedsstaaten empfahl, gegen die Reform zu stimmen. Klar allerdings ist: Spätestens um 10 Uhr Ortszeit (16 Uhr deutscher Zeit) wird das Ergebnis der Abstimmung feststehen.