Donna Vekic

Gibt Einblicke in ihren Alltag als Profi: die Kroatin Donna Vekic.Bild: Imago

Donna Vekic: „Ich nehme das sehr persönlich“

Donna Vekic gibt auf dem YouTube-Channel der WTA im Format „Match Week“ Einblicke in ihren Alltag und ihr Mindset als Profi.

Im Frühjahr war Donna Vekic außerhalb der Top 100 gerankt. In den vergangenen Wochen kletterte die Kroatin im Ranking wieder nach oben. Im Format „Match Week“ der WTA gab sie Einblicke in ihren Alltag.

Der Alltag als Profi

„Hinter den Kulissen passiert eine Menge. Natürlich trainiert man nicht die ganze Zeit, aber es gibt viele Aktivitäten: wie das Aufwärmen – je älter man wird, desto mehr Zeit braucht man dafür“, erzählte die 30-Jährige bei den National Bank Open in Toronto und fügte hinzu: „Vor jeder Trainingseinheit verbringe ich mindestens 45 Minuten im Gym, das kostet also viel Zeit. Dann trainierst man und anschließend kommt das Cool-Down: Eisbäder und Behandlungen, die ebenfalls viel Zeit in Anspruch nehmen können – es ist also ein ganzer Tag.“

Den Alltag als Profi, auch abseits des Platzes, genieße Vekic mittlerweile mehr, als zu Beginn. „Ich glaube, als ich jünger war, war ich gestresster wegen der Matches. Ich meine, das ist nicht ganz richtig ausgedrückt – ich bin immer noch sehr gestresst, aber außerhalb des Platzes habe ich es damals nicht wirklich genossen. Jetzt habe ich viel mehr Spaß“, erzählte die Kroatin.

Hat heute viel mehr Spaß außerhalb des Platzes als zu Beginn ihrer Karriere: Donna Vekic, Nummer 37 der Welt.Bild: Imaoo

Vekic sagte aber auch: „Ich dachte immer, je älter ich werde, desto leichter würde es mir fallen, mit der Nervosität umzugehen, aber es ist eigentlich genau umgekehrt. Ich bin sogar noch nervöser.“

Das Comeback

In Toronto musste sich Vekic bereits in der Runde der letzten 64 Spieler geschlagen geben. Sie ging als gesetzte Spielerin an den Start. „Ich glaube, ich bin im Moment in einer sehr guten Verfassung. Ich fühle mich gut. In den letzten Monaten habe ich wirklich hart gearbeitet. Ein paar Dinge liefen nicht so, wie ich es mir gewünscht hatte, daher war es schwer, damit umzugehen. Im März war ich um die 120 gerankt und jetzt bin ich in Toronto gesetzt – ich bin wirklich stolz auf dieses Comeback“, sagte sie in dem nach den US Open veröffentlichten YouTube-Format.

Ihr größter Erfolg in diesem Jahr: Der Sieg im Londoner Queen‘s Club bei den HSBC Championships. Auf Rang 76 ging Vekic an den Start und musste dadurch die Qualifikation spielen, die sie ursprünglich in der zweiten Runde verlor. Als Lucky Loser startete sie dann im Hauptfeld.

Einer der größten Erfolge ihrer Karriere: Vekic besiegte im Londoner Queen’s Club Local Hero Emma Raducanu.Bild: Imago

Im Finale konnte sie sich dann gegen die Britin Emma Raducanu mit 6:0 und 7:6 durchsetzen und das 500-Turnier auf ihrem Lieblingsbelag Rasen gewinnen. Nach Turniersieg stand sie auf Rang 33.

Training vor den Matches

Vekic habe in den vergangen Monaten hart gearbeitet. In Toronto hatte sie einen Einblick in ihr Training gegeben. „Training sollte Spaß machen, so viel wie wir trainieren. Den Stress haben wir uns für das Match auf.“ Vor den Matches trainiere sie gerne mit anderen Spielern. Beim kanadischen Masters beispielsweise mit Mirra Andreeva, die aktuell auf Rang fünf der Weltrangliste steht. „Je besser der Spieler spielt, desto besser ist die Vorbereitung“, sagte Vekic und erzählte weiter: „Matches sind sehr intensiv. Es ist schwer, das im Training nachzustellen, aber je näher man dem kommen kann, desto besser.“

Vekic: „Es gibt zwei Donnas“

In dem Match-Week Format kommt auch das Thema Mindset zur Sprache. „Es gibt definitiv zwei Donnas. Eine auf dem Court und eine abseits des Platzes“, berichtete Vekic. Wenn sie sich auf dem Court sehe, denke sie zum Teil: „Manchmal übernehmen die Dämonen und ich denke mir: ‚Wer ist das?‘ ‚Warum sehe ich so unglücklich auf dem Court aus?‘ Versprochen, das ist nicht, wie ich mich fühle.“

Abseits des Platzes sei sie viel entspannter. „Auf dem Court bin ich oft zu hart zu mir“, berichtete Vekic. Ihr Reminder: „Ich muss mich immer wieder daran erinnern: ‚Sei ein bisschen netter zu dir selbst‘. Ich bin Perfektionist, deshalb ich bin selten mit etwas vollkommen zufrieden.“

Kampf mit inneren Dämonen auf dem Platz: Donna Vekic.Bild: Imago

„Ich nehme das sehr persönlich“

Eine Herausforderung für viele Spieler: Die Meinungen von außen. Als Profisportler performt man bekanntlich auf einer öffentlichen Bühne. „Man sollte sich nicht darum kümmern, was andere denken, aber jeder tut das. Ich glaube, dass diejenigen, die behaupten, sie würden es nicht tun, lügen“, sagte die Siegerin im Londoner Queen‘s Club und ergänzte: „Zumindest bis zu einem gewissen Grad. Mir ist es egal, was andere über mein Privatleben denken, aber wenn sie mir sagen: ‚Sie arbeitet nicht hart‘ oder ‚es ist ihr egal geworden‘, nehme ich das sehr persönlich.“

Vekic: „Das hat mich motiviert“

Andererseits hätten genau diese Vorwürfe sie dazu motiviert, an ihr altes Level anknüpfen zu wollen. „Das hat mich angetrieben, weiterzumachen und ihnen zu zeigen, dass ich tatsächlich wieder auf diesem Niveau spielen kann und dass ich besser bin, als sie denken“, sagte Vekic.

Kritik als Motivation: Donna Vekic zählt wieder zu den besten 40 Spielerinnen der Welt.Bild: Imago

Zwei ihrer größten Erfolge: In Wimbledon stand sie 2024 im Halbfinale, welches sie knapp in drei Sätzen im Match-Tiebreak gegen die Italienerin Jasmine Paolini verlor. Ebenfalls 2024 gewann sie bei den Olympischen Sommerspielen 2024 in Paris die Silber-Medaille im Damen-Einzel. Es war die erste olympische Medaille im Einzel für das kroatische Frauentennis überhaupt.

Seit ihrem Sieg im Queen‘s Club musste Vekic einige Niederlagen einstecken. In dieser Woche geht die Kroatin in Singapur an den Start. Ihr Erstrunden-Match spielt sie gegen die Chinesin Xinyu Wang (Rang 40). Vekic liegt aktuell auf Rang 37. Im Doppel tritt sie gemeinsam mit Maria Sakkari an.

Text: Anna Sophia Antic. Sie studiert Journalismus an der IU-Akademie.