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Julia Görges: „Wir sollten diese Krise als Chance begreifen“

Text: Porsche-Presseaussendung

Für Julia Görges ist positives Denken eine wichtige Voraussetzung dafür, gut durch die Corona-Pandemie zu kommen. Die Porsche-Markenbotschafterin und Gewinnerin des Porsche Tennis Grand Prix 2011 wartet zu Hause in Regensburg darauf, wieder Tennis spielen zu können. In unserem Interview spricht sie darüber, was sie in dieser Situation am meisten vermisst, zu was sie jetzt endlich mal wieder Zeit hat, wie sie sich fit hält, mit welchen Spielerinnen sie Kontakt hat und was wir aus dieser Krise lernen können.

Julia, wo halten Sie sich gerade auf und wie geht es Ihnen?
„Ich sitze in Regensburg gemütlich in meinem Garten und genieße die Sonne. Mir geht es gut.“

Wie kommen Sie mit der aktuellen Situation zurecht?
„Ich denke immer positiv und versuche auch aus dieser Situation das Beste zu machen. Ich genieße die Zeit, die ich in den vergangenen 13 Jahren als Profi auf der Tour so nie hatte, auch wenn das am Anfang natürlich schon etwas ungewohnt war. Doch ich kann mein normales Fitnessprogramm absolvieren, habe alles bei mir zu Hause, was ich dazu brauche. Und wenn alles nach Plan läuft, kann ich in dieser Woche mit einer Sondergenehmigung in der TennisBase München-Oberhaching auch wieder Bälle schlagen. Trainer sind zwar nicht erlaubt, wie ich gehört habe, Duschen geht auch nicht. Aber es ist auf jeden Fall schön, mal wieder einen Schläger in der Hand zu halten.“

Wie schwierig ist es, sein Training diszipliniert und konsequent durchzuziehen, ohne das nächste Match vor Augen zu haben?
„Für mich ist das überhaupt nicht schwierig. Natürlich fehlt mir der Wettkampf, das ist meine Leidenschaft, dafür mache ich diesen Beruf. Doch für mich geht es auch um mich selbst, um mein körperliches Wohlbefinden. Weil die Tenniseinheiten wegfielen, hatte ich in den letzten Wochen viel mehr Zeit, mein Training ganz intensiv auf Fitness auszurichten. Ich hoffe, dass sich das bemerkbar macht, wenn ich wieder auf dem Platz stehe.“

Was vermissen Sie – außer Tennis – in dieser Zeit am meisten?
„Ein unkompliziertes Leben, also Freunde zu treffen, wann immer ich will, und mich frei bewegen zu können. Das geht jetzt halt nicht, zumindest nicht in Gruppen. Aber ich kann ja immer noch an die frische Luft gehen. Eigentlich komme ich mit dieser Situation ganz gut zurecht.“

In einem Video appellieren Sie und andere Porsche-Markenbotschafter an Ihre Fans, auch in diesen Zeiten positiv zu denken, zusammenzustehen und sich an die Anweisungen der Behörden zu halten. Wie wichtig ist das?
„Positives Denken ist immer wichtig. Es gibt Höhen und Tiefen im Leben. Als Sportlerin musste ich in all den Jahren mit Siegen und Niederlagen umgehen, und diese Erfahrungen kann man gut ins Privatleben transferieren. Wenn wir uns umschauen in diesen Tagen, sehen wir viele Dinge, die nicht so positiv sind. Unsere Bewegungsfreiheit ist eingeschränkt, Geschäfte sind geschlossen, viele Menschen machen sich große Sorgen um ihre Zukunft. Doch nur wer es schafft, trotzdem positiv zu bleiben, kann anderen helfen und ihnen das Gefühl vermitteln, dass sie in dieser schwierigen Situation nicht alleine sind. Für seine Mitmenschen da zu sein, zu Hause zu bleiben und sich an die Regeln zu halten ist eine wichtige Voraussetzung dafür, gut durch diese Krise zu kommen.“

Für was haben Sie durch Corona jetzt endlich mal Zeit?
„Ich finde es angenehm, mich mit Dingen beschäftigen zu können, für die ich in all den Jahren nie richtig Zeit hatte oder auch keine Lust. Ausmisten und Aufräumen gehört definitiv dazu. Wenn man das ganze Jahr aus dem Koffer lebt, packt man eigentlich immer dieselben Sachen ein. Jetzt schaue ich auch mal in die hinteren Ecken meines Kleiderschranks und wundere mich, was da alles ans Tageslicht kommt.“

Auch der für nächste Woche geplante Porsche Tennis Grand Prix kann wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden. Wie sehr trifft Sie das?
„Der Porsche Tennis Grand Prix wird immer einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen haben. Er ist das erste große Turnier, das ich in meiner Karriere gewonnen habe. Dass wir in diesem Jahr nicht in der Porsche-Arena spielen können, vor diesem fantastischen Publikum, das macht mich sehr traurig. Mit diesem Turnier verbinde ich, ebenso wie viele meiner Kolleginnen, große Emotionen und positive Erinnerungen.“

Ihr Sieg von 2011 ist immer noch präsent?
„Natürlich. Mit diesem Erfolg hat mein Aufstieg in die Weltspitze begonnen. Die Erinnerung an die tolle Woche in Stuttgart ist immer da, nicht nur, wenn ich in der Porsche-Arena spiele. Ich hatte damals ja nicht im Traum damit gerechnet, bis ins Finale zu kommen und dann auch noch als Siegerin mit dem Porsche auf den Centre-Court zu fahren. Am Anfang der Woche stand ich mit meiner Mutter vor dem Auto, das weiß ich noch genau, und wir haben gescherzt, dass das doch ein schönes Ostergeschenk wäre. Solche Momente werden mir auf ewig im Gedächtnis bleiben.“

Was, glauben Sie, wird für Sie anders sein nach Corona?
„Für mich ist diese Zeit so etwas wie ein Reinschnuppern in das Leben nach der Karriere. Natürlich bin ich durch die Krise eingeschränkt in vielen Bereichen, gleichzeitig habe ich aber auch die Freiheit, Dinge zu tun, für die ich in meinen 13 Jahren als Profi nie richtig Zeit hatte. Deshalb sehe ich das auch positiv. Ich bekomme jetzt einen ersten Eindruck davon, wie mein Leben aussehen könnte, wenn ich mal nicht mehr als Tennisspielerin durch die Welt reise.“

Kann man aus so einer Krise auch lernen?
„Definitiv. Das ist auch ganz wichtig, denn wenn du nur den Kopf in den Sand steckst, kommst du aus einem Tief nie wieder heraus. Nach jeder schlimmen Situation öffnet sich immer eine neue Tür. Dahinter warten viele neue und schöne Erfahrungen. Wir sollten diese Krise als Chance begreifen und uns überlegen, wie es danach für uns weitergeht, was wir in unserem Leben anders und besser machen können. Auch wenn das im Moment sicherlich nicht einfach ist.“

Mit welchen Spielerinnen stehen Sie in regelmäßigem Kontakt und wie erleben sie die aktuelle Situation?
„Ich schreibe hin und wieder mit guten Freundinnen auf der Tour, also mit Ash Barty, Kiki Bertens und Simona Halep. Auch mit Angie Kerber und Karolina Pliskova hatte ich ein paarmal Kontakt. Wir berichten uns dann, wie es in unseren Ländern aussieht und was jede so macht in diesen Wochen ohne Tennis. Ich habe den Eindruck, dass sie diese Zeit trotz allem irgendwie genießen, jede auf ihre eigene Art und Weise.“

Wann, glauben Sie, wird wieder Tennis gespielt?
„Wir sind der größte globale Frauensport. Deshalb glaube ich, dass es erst weitergehen wird, wenn alle Reisebeschränkungen gefallen sind, also jede Spielerin überall hinreisen kann, ohne dort erst einmal in Quarantäne zu müssen. Ich hoffe sehr, das wird noch in diesem Jahr der Fall sein. Die wichtigste Voraussetzung für die Fortsetzung der Tour ist allerdings, dass die Gesundheit aller Beteiligten jederzeit gewährleistet ist. Wenn ich dafür einen oder zwei Monate länger warten muss, dann ist mir das auch recht.“

Ein Wunsch noch zum Schluss?
„Ich wünsche mir von Herzen, dass die Krise bald vorbei ist und jeder wieder mit Leidenschaft seinem Beruf nachgehen kann – auf dem Tennisplatz und im normalen Leben.“air jordan 1 low outlet | nike factory outlet dallas tx