Fed Cup 2015 – Germany v Australia

Klartext Kiefer: Die Krise wird Kerber stärken!

Die langjährige deutsche Nummer eins, Angelique Kerber, schwächelt. Erstmals seit Mai 2012 steht sie nicht mehr in den Top Ten. Unser Kolumnist Nicolas Kiefer traut ihr trotzdem noch große Siege zu.

Als sich Angelique Kerber Ende Februar von ihrem Coach Benjamin Ebrahim-zadeh trennte, war ich wenig überrascht. Ich kenne Benny gut und halte ihn für einen ausgezeichneten Trainer. Allerdings hat er Angelique in den vergangenen Monaten nicht mehr erreicht – sie musste also ihr Team umbauen, um den Abwärtstrend zu stoppen.

Klartext Kiefer:

Tour-Insider: Nicolas Kiefer war von 1995 bis 2010 Profi. Heute arbeitet der 37-Jährige als Trainer und TV-Experte – und als Kolumnist für tennis MAGAZIN.

Kerber hat den Saisonstart total verpatzt. Der Absturz aus den Top Ten war die logische Konsequenz. Nach ihrem starken Match im Fed Cup gegen Sam Stosur war ich überzeugt, dass ihr dieser Sieg Auftrieb geben würde. Stattdessen kassierte sie in Antwerpen, Dubai und Doha drei frühe Niederlagen.
Kerbers Problem: Sie spielt viel zu passiv, versucht Fehler zu vermeiden anstatt Winner zu erzielen. Ein wenig wirkt es so, als ginge sie auf den Court, um nicht zu verlieren – und nicht, um Matches zu gewinnen. Vor allem der zweite Aufschlag bleibt ihre große Schwachstelle. Und das wundert mich!

KERBER GEHÖRT IN DIE TOP TEN

Warum schafft es eine Topspielerin nicht, eine so entscheidende Schwäche  zu verbessern? Mein Rat: Kerber sollte sich einen Experten suchen, der sich nur um ihren Aufschlag kümmert. So, wie einst Elena Dementieva. Sie war eine großartige Spielerin von der Grundlinie. Aber der Aufschlag war eine Katastrophe. Sie holte sich Hilfe bei Ex-Profi Richard Krajicek, der ausschließlich die Aufgabe hatte, ihr Service sicherer und konstanter zu machen.

Eines ist klar: Kerber braucht nur ein paar knappe Matches in den nächsten Wochen zu gewinnen, damit sie in die Erfolgsspur zurückkehrt – sie gehört in die Top Ten! Kaum eine Spielerin auf der Tour ist kämpferisch so stark wie sie. Sie arbeitet extrem hart an ihrer Fitness und ist körperlich in einer Top-Verfassung. Hinzukommt, dass sie als Linkshänderin immer eine unbequeme Gegnerin ist. Die Tatsache, dass sie im Ranking hinter Andrea Petkovic zurückgefallen und nicht mehr die deutsche Nummer eins ist, wird ihr vielleicht helfen. Sie ist nicht mehr die Gejagte und wird weniger Druck spüren.

Ich denke: Die Krise wird Kerber stärken! Schafft sie es, wieder offensiver zu spielen und ihren Aufschlag zu verbessern, dann traue ich ihr auch einen Grand Slam-Titel zu. Das Potenzial hat sie!