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Marketingmaschinerie! Williams-Aussagen sind unnötig

Die Tenniswelt wartet gebannt auf das angekündigte Comeback von Serena Williams. Aber mehr als die sportlichen Pläne rückt Williams – oder ihr Management – die Geburt ihres Kindes und die damit verbundenen Komplikationen wiederholt öffentlichkeitswirksam in den Mittelpunkt. Die Marketingmaschinerie nervt nur noch, meint tennis MAGAZIN-Redakteur Jannik Schneider.



Beitragsbild: Instagram @serenawilliams

Die WTA Tour benötigt Serena Williams als Überfrau des Welttennis. Die Spielerinnen, die momentan ihre Rolle ausfüllen, bemühen sich redlich. An die Dominanz kommt allerdings niemand heran. Was Charisma und Ausstrahlung angeht, können mit Abstrichen lediglich Maria Sharapova und Garbine Muguruza mithalten. Das Gesamtpaket kann aber keine liefern. Umso gespannter warten Turnierdirektoren, Fans und Experten auf die Rückkehr von Williams, die vor einem halben Jahr Mutter geworden ist. Für die WTA-Verantwortlichen wäre eine märchenhafte, weil erfolgreiche Rückkehr mit einem immensen Imagegewinn verbunden. Nur: Von der Rückkehr spricht momentan aber kaum jemand.

Stattdessen erzählt Williams – oder genauer formuliert ihr Management – in Dauerschleife die Story der Geburt ihrer Tochter, bei der es währenddessen und danach leider Komplikationen gab. Das ist traurig genug und alle können nur froh darüber sein, dass Serena Williams nichts Schlimmeres passiert ist. Doch das wiederholte Platzieren in den großen, amerikanischen Medien und die penetrante Ausschlachtung des Themas nervt nur noch. Und es transportiert das falsche Bild, das leider daran anknüpft, was auch andere Spielerinnen und Stars generell versuchen.

Bei Williams steht nur noch das Kind im Vordergrund. Dass sie unlängst im Fed Cup für die USA im Doppel an der Seite von Schwester Venus ihr Wettkampf-Comeback feierte, ging quasi unter. An welchem Punkt sie in diesen Tagen sportlich steht, darüber schreibt so gut wie niemand. Auch, weil es kaum Informationen gibt. Stattdessen hat das Management der erfolgreichsten Spielerin aller Zeiten am Mittwoch einen Gastbeitrag bei CNN lanciert. Tenor: „Ich wäre bei der Geburt fast gestorben.“

Werbedreh mit Baby: Marketingplan geht voll auf

Es sind die exakt gleichen Aussagen, die Williams vor einem Monmat bereits wirksam in einem Interview mit der Vogue platziert hatte. Neue Informationen suchte man diese Woche in der CNN-Kolumne vergebens. Die Reaktionen waren aber nicht minder groß als vor einem Monat. Was sagt uns das? Der Plan, ein Image als angeschlagene Mutter, die ihr Comeback trotz aller Widrigkeiten angeht, weltweit zu platzieren, geht voll auf. Dabei wäre dieses ständige Wiederholen nicht nötig.

Der Respekt vor der 23-maligen Grand Slam-Siegerin ist flächendeckend riesengroß. Doch scheinbar lässt sich mit dem neuen Image noch jede Menge Geld verdienen. Knapp zwei Monate nach der Geburt der Tochter drehte Williams gemeinsam mit ihrem Kind einen exklusiven Werbespot für einen Getränkehersteller. Mehr Platzierung geht nicht. Nötig hat das die mehrfache Olympiassiegerin und auch ihr Umfeld finanziell nicht mehr.

Instagram-Accounts von Kindern absurd

Geld ist wohl auch bei Victoria Azarenka nicht der Antrieb, um immer wieder den eigenen Sohn öffentlich zur Schau zur stellen. Dass ihr Kind einen eigenen Instagram-Account mit fast 10.000 Followern besitzt, ist absurd. Vor allem vor dem Hintergrund ihres andauernden, nervenzerrenden Sorgerechtsstreits. Auch Williams postet in schöner Regelmäßigkeit mit und über ihr Neugeborenes, das selbstredend ebenfalls über einen eigenen Instagram-Account verfügt (269.000 Follower).

Die Kinder derart öffentlich darzustellen und Informationen preiszugeben, passt vielleicht zum Zeitgeist in den sozialen Medien – viele Stars präsentieren ihre Nachkömmlinge zum Vorteil der Eltern der ganzen Welt. Ob die Kinder das wollen, ist dabei egal.  Die Gefahren werden völlig ausgeblendet.

Vor diesem Hintergrund rückt der Sport ins Abseits. Dabei sollte vor allem bei Serena Williams das Training, die Bewegungsabläufe und die Schlagautomatismen vor ihrem angekündigten Start interessant sein. Doch das scheint im Umfeld des Superstars längst nicht jeder so zu sehen.

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