Richard Gonzales Holding Tennis Trophy

Pancho Gonzalez: Außenseiter im Rampenlicht

Es ist unser Sportbuch des Jahres: In „Die stille Saison eines Helden“ vereint sich Literatur mit Reporterkunst, Poesie mit Sportberichterstattung. In einer der zehn Stories spielt Richard „Pancho“ Gonzalez, der beste Tennisspieler der 50er und 60er Jahre, die Hauptrolle.

„Richard ‚Pancho‘ Gonzalez hat ein beträchtliches Vermögen und ein hohes Ansehen – und doch hegt er einen Groll. Der Groll hat ihn zum grimmigsten aller Tennisspieler gemacht, zu einem unerbittlichen Champion, zu einer düsteren, unheimlichen Gestalt, die sich schemenhaft abhebt gegen eine Rokoko-Kulisse aus Ruhm, Reichtum und Talent.“

So beginnt die US-amerikanische Reporterlegende Dick Schaap, jahrelanger Chefredakteur des Magazins „Sport“, seinen 1958 erschienenen Text über Pancho Gonzalez, den damals besten Tennisspieler der Welt. „Einsamer Wolf des Tennis“ ist eine von zehn Glanzstücken des US-Sportjournalismus, die der deutsche Journalist Dominik Fehrmann in seinem Buch „Die stille Saison eines Helden“ vereint hat (Steidl Verlag Göttingen, 200 Seiten, 18 Euro).

Ein Genre nicht nur für Sportfans

Die stille Saison eines Helden

UNBEDINGT LESEN: „Die Stille Saison eines Helden“ vereint zehn großartige Sportgeschichten aus den USA.

Wobei Sportjournalismus im Fall dieser zehn Texte, die in Vorzeigeblättern wie „Esquire“ oder „Sports Illustrated“ veröffentlicht wurden, nicht der treffende Begriff ist. Die von Fehrmann versammelten Autoren sind Künstler, die sich nicht mit profanen Sieger-Verlierer-Geschichten abgeben, sondern „Sportreporter-Literatur“ geschaffen haben. In den USA nennt sich diese Art des Schreibens „Sports Writing“ oder auch „Literary Journalism“ – journalistische Darstellungsformen, die in Deutschland, insbesondere im Sport, noch kaum existent sind. Fehrmanns Textsammlung gibt Einblicke in ein Genre, das nicht nur Sportfans, sondern auch Liebhaber guter Erzählungen anspricht.

In Dick Schaaps Reportage über Pancho Gonzalez entwickelt sich schnell ein Erzählsog, der einen nicht mehr loslässt. Gonzalez ist damals der Superstar seines Sports, er eilt von Sieg zu Sieg, wird gefeiert und verehrt. Das alles interessiert Schaaps nur am Rande. Er zeigt in seiner Nahaufnahme, wie verunsichert und argwöhnisch Gonzalez in Wahrheit ist.

Schon früh auf sich allein gestellt

Als Sohn mexikanischer Einwanderer, die sich zu Beginn des 20. Jahrhundert in Los Angeles niederließen, war Gonzalez schon früh in seinem Leben auf sich allein gestellt und brachte sich das Tennisspielen selbst bei. Tennis war der Sport der weißen Oberklasse, Gonzalez aber fand als Latino trotz aller Widrigkeiten seinen Weg zur Spitze. Mit 20 Jahren gewann er wie aus dem Nichts die US Open, ein Jahr später wiederholte er seinen Sieg. Aber er blieb ein Außenseiter, eben ein einsamer Wolf. „Seine Hand war empfindsam für die Vibrationen des Tennisschlägers, und seine Seele war empfindsam für die Feindseligkeiten der Gesellschaft. Er reagierte ganz natürlich: Er kapselte sich ab“, schreibt Schaap.

Die stille Saison eines Helden

AUFTRITT IN WIMBLEDON: 1969, als auch Profis bei den Grand Slam-Turnieren spielen durften, schlug Pancho Gonzalez in einem denkwürdigen Match Charlie Pasarell 22:24, 1:6, 16:14, 6:3, 11:9.

Sein Stück zeigt aber auch, was damals als Reporter noch alles möglich war. 1958, als der Text entstand, war Gonzalez längst ins Profilager gewechselt und durfte deswegen nicht mehr an den Grand Slam-Turnieren teilnehmen, die bis 1968 nur den Amateuren vorbehalten blieben. Gonzalez war auf einer von Tennis-Promoter Jack Kramer initiierten Tour quer durch die USA unterwegs, wo er fast jeden Tag in einer anderen Stadt gegen den Australier Lew Hoad antrat. In dem Wettbewerb ging es darum, welcher der beiden Profis die meisten von insgesamt 100 angesetzten Duellen für sich entschied.

Mit den Stars in der Umkleide

Schaap nun begleitete diese Tour. Er nahm in der Umkleide der beiden Stars Platz, wenn diese gerade abgekämpft von ihrer x-ten Partie zurückkehrten. Er fuhr im legendären Thunderbird von Autonarr Gonzalez mit, aß mit ihm zu Abend, traf ihn morgens im Motel zum Frühstück wieder. Natürlich ist es auch diese Nähe über mehrere Tage, die Schaaps Text so dicht und so außergewöhnlich macht.

Am Ende seiner Reportage schreibt Schaap: „Dann stieg er in den Thunderbird, schaltete die Zündung ein und ließ behutsam und geduldig den Motor warmlaufen. Allein in dem kleinen Auto, fernab der Menschenmassen, umhüllt vom Dunkel der Nacht, sah Gonzalez aus wie ein Handlungsreisender. Er legte den Rückwärtsgang ein, rollte aus der Parklücke und fuhr los, allein, vor sich eine 650 Kilometer lange Fahrt zu einem Tennismatch. Er hatte vor, es zu gewinnen.“

Gewinnspiel: „Die stille Saison eines Helden“

Die stille Saison eines Helden

GEWINNAKTION: Wie verlosen fünfmal das lesenswerte Buch „Die stille Saison eines Helden“.

Wir verlosen fünf Exemplare des Buchs „Die stille Saison eines Helden – die besten amerikanischen Sportgeschichten“, herausgegeben von Dominik Fehrmann im Göttinger Steidl-Verlag. Eine solche Sammlung von Reportagen – von den 1940er Jahren bis heute, quer durch alle Sportarten – gab es noch nie im deutschsprachigen Raum. Und das ist bedauerlich: Denn die Texte des amerikanischen Sports Writing waren von jeher keine schnöde Spielberichterstattung, sondern literarische Glanzstücke, reich an lebendigen Figuren und spannenden Geschichten. Hier geht es auch um Sport, vor allem aber um Menschen und ihre Träume, um Triumphe und Tragödien, gefallene Helden und enttäuschte Hoffnungen. Um all das also, wovon gute Literatur handelt.

Wenn Sie also noch auf der Suche nach einem besonderen Weihnachtsgeschenk sind und echten Liebhabern großer Sportreportagen eine Freunde machen wollen, sollten Sie bei diesem Gewinnspiel mitmachen (läuft bis zum 20. Dezember). Sie müssen nur das unten stehende Formular ausfüllen und folgende Gewinnspielfrage richtig beantworten: Aus welchem Land stammen die Eltern von Richard „Pancho“ Gonzalez?

Die Zeit ist abgelaufen, das Formular ist geschlossen.


  1. Stefan Höfel

    Wie kann denn Pancho Gonzales der beste Spieler der 50er und 60er Jahre gewesen sein, wenn Rod Laver alle seiner 11 Grand-Slam-Titel, darunter die zwei echten „Grand Slams“ 1962 (als Amateur) und 1969 (als Profi), in den 60er Jahren gewann? Von 1963 bis 1967 spielte Laver keine Grand-Slam-Turniere!

  2. Joseph

    Pancho Gonzales war zu seiner Zeit 8 Jahre lang die Nummer 1 der Welt, was vorher wie nacher .NIEMAND. anderes geschafft hat. – Das zu Ihrer Information, Herr Höfel.

  3. Stefan Höfel

    Wie wurde denn damals (50er oder 60er Jahre?) die Nr. 1 der Welt bestimmt, Joseph?
    Und sind nun denn die Grand-Slams-Titel das Wichtigste oder nicht?
    Und ist Gonzales wegen 8 Jahren Nr. 1 „besser“ als Laver mit zwei echten „Grand-Slams“?
    Ich meine nicht!


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