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Patricio Apey: Der Mann hinter Alexander Zverev

Die Saison von Alexander Zverev neigt sich dem Ende entgegen. 26 Turniere hat er bislang gespielt, davon fünf Challenger. Seine Matchbilanz klingt noch bescheiden: 13 Siege, 15 Niederlagen. Und dennoch: Keiner steht in Deutschland mehr im Fokus als „Sascha“ Zverev. Auf niemandem ruhen so viele Hoffnungen wie auf dem 18-Jährigen, der in Tampa und in Hamburg wohnt, die meiste Zeit des Jahres aber um den Globus reist.

Patricio Apey

MANN IM HINTERGRUND: Patrico Apey (r.) ist der Manager von Alexander Zverev.

Wer von Alexander Zverev redet, kommt an seinem Manager nicht vorbei. Patricio Apey zieht gemeinsam mit Alexander Zverev senior, dem Vater und Coach, im Hintergrund die Fäden. Er formt die Karriere des 1,98-Meter-Mannes. Wer Apey trifft, begegnet einem Gentleman: braungebrannt, Sakko, Einstecktuch, gute Umgangsformen, sprachliche Brillanz.

„Sascha ist der erste Spieler in meinem Leben, mit dem ich einen Vertrag unterschrieben habe, in den ich investiert habe, ohne ihn jemals spielen zu sehen“, sagt Apey, ein 49-jähriger Chilene mit bewegter Vita.

Geboren in Vina del Mar, aufgewachsen in Miami, wo sein Vater ein früherer Tennisprofi als Trainer in einem Hotel in Key Biscayne Training gab. Apey senior war auch  – und das ist entscheidend für die spätere Karriere seines Sohnes – Coach von Gabriela Sabatini.

Als Patricio Apey 1988 einen Vertrag als Manager beim damaligen Branchenriesen ProServe in Washington D.C. unterschrieb, brachte er als Entree einen besonderen Star mit – Sabatini.

Apey: Liste seiner Stars ist lang und prominent

Wie viele Stars hat er beraten? „Ich weiß es gar nicht. Es waren so viele“, sagt er. Dann rattert er doch Namen runter: Petr Korda, Alberto Berasategui, Alex Corretja, MaliVai Washington, Guillermo Coria, Gaston Gaudio, Mary Pierce, Cedric Pioline, Fabrice Santoro, Nicolas Kiefer – „Zwei Jahre lang“, entfährt es Apey. Vielleicht der größte Star unter den Herren: Andy Murray.

Als tennis MAGAZIN den Schotten zu Beginn seiner Karriere interviewte und dabei auch auf Apey traf, sagte dieser: „Er könnte das Gesicht der Olympischen Spiele in London werden.“ Eine Prophezeiung, die tatsächlich eintrat. Man muss dem Mann – den es nach Washington nach Paris und London zog, wo er mit dem prominenten Bäcker Heiner Kamps eine Agentur gegründet hatte, die er inzwischen selbständig führt – jede Menge Fachkenntnis bescheinigen.

In der Golfszene ist er auch unterwegs. Er managt die Töchter seines einstigen Klienten Korda. Auf der PGA-Damentour ist Jessica Korda eine der erfolgsversprechenden Spielerinnen. Ihre jüngere Schwester Nelly soll noch talentierter sein. Von Kordas kleinem Sohn schwärmt Apey auch: „Ich nenne ihn Marat Safin 2.0. Er hat den gleichen Körper, die gleiche Technik.“ In der Fußball-Champions League war Apey ebenfalls erfolgreich – als Manager von Hernan Crespo.

Was hat er mit Alexander Zverev, dem ihm ein Freund vorgestellt hat, dessen Namen er nicht verraten will, vor? „Wir arbeiten an einem Langzeitplan“, sagt er, „es kann sein, dass Ranking und sportliche Entwicklung nicht immer synchron sind, aber es geht darum, einen Champion zu machen.“

Apey war es, der Fitness-Guru Jez Green verpflichtete, der früher mit Murray gearbeitet hat und den der Manager gut kennt. „Es war wie mit Andy. Er war damals 18, genau wie Sascha heute“, sagt Apey. Auf zunächst zwei Jahre ist der Plan angelegt, Zverevs Körper zu formen. „Wir sind jetzt in der Mitte des Projekts. Das meiste bekommt niemand mit. Die Hauptarbeit abseits der Tour mit Blut, Schweiß, Tränen, mit Trainingseinheiten, nach denen der Spieler vor Anstrengung kotzt.“

Apey: „Wir wollen den bestmöglichen Athleten kreieren“

Apeys Credo: „Athletik und Fitness sind so wichtig wie Vor- und Rückhand.“ Aber es wird alles behutsam aufgebaut. Apey bewegt die Hand wie ein flach startendes Flugzeug. Er sagt, dass die Jagd nach Ranglistenpunkten und Geld jetzt nebensächlich ist. Dass man Zverev jetzt schützen muss: vor Verletzungen, den Medien, zu vielen Sponsorenterminen.

Denn: „Wir wollen den best möglichen Athleten kreieren“, sagt Apey. Und er weiß: Alle anderen Management-Agenturen wollen seinen Schützling ebenfalls. Vor allem IMG jagt den Rohdiamanten Zverev.