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Saisoneröffnung in Rostock: „Wir sind froh, wieder Tennis spielen zu dürfen“

In Mecklenburg-Vorpommern darf nach den ersten Lockdown-Lockerungen wieder Tennis gespielt werden. Wir sprachen mit Dörte Kniep, erste Vorsitzende des TC Blau-Weiß Rostock, über die Herausforderungen, die die plötzliche Saisoneröffnung mit sich brachte.

Beitragsbild: TC Blau-Weiß Rostock

Frau Kniep, Ihr Club hat am heutigen Montag als einer der ersten nach dem deutschlandweiten Coronavirus-Lockdown die Sandplatz-Saison eröffnet. Wie groß war der Andrang?
Gleich um halb neun waren die ersten Spieler da. Das schöne Wetter, die lange tennisfreie Zeit – da waren natürlich einige Mitglieder besonders scharf darauf, endlich wieder auf die Plätze zu kommen. Aber es lief alles in geordneten Bahnen ab, unserem mecklenburgischen Temperament entsprechend. Bislang sind fünf von zehn Plätzen geöffnet. Ich schätze, dass am Donnerstag auch die restlichen Plätze bespielt werden können.

Es gab also keinen regelrechten „Run“ auf die geöffneten Plätze?
Nein, das nicht. Unsere 380 Mitglieder wissen, dass sich sowieso nicht mehr als 50 Personen gleichzeitig auf unserer Anlage aufhalten dürfen. So lauten die Vorgaben der Landesregierung, die wir am Wochenende an alle Mitglieder per Mail verschickt haben. Und da wir besonnene Mitglieder haben, gab es auch keinen Ansturm.

Rostock Tennis

URGESTEIN BEIM TC BW ROSTOCK: Dörte Kniep ist seit 25 Jahren erste Vorsitzende.

Wie haben Sie davon erfahren, dass in Ihrem Verein wieder Tennis gespielt werden darf?
Am Donnerstagabend meldete sich eine Tennisfreundin bei mir. Sie hatte in den Nachrichten gehört, dass ab dem 20. April Tennis in Mecklenburg-Vorpommern wieder erlaubt sei. Am Samstag gab es dann eine außerordentliche Vorstandssitzung, um die vom Land erlassenen Vorschriften auch umzusetzen. Wir mussten Hygienepläne erstellen und Corona-Beauftragte ernennen. Und wir mussten unseren Mitgliedern klarmachen, dass nur Einzel gespielt werden darf und dass Sanitärbereiche sowie Gastronomie geschlossen bleiben.

Klingt nach einer großen Herausforderung für einen ehrenamtlich tätigen Vorstand.
Naja, wir haben uns quasi täglich mit den typischen Coronaregeln beschäftigt. Und die Empfehlungen vom Deutschen Tennis Bund an die Bundesregierung halfen uns auch. Klar, an Desinfektionsmitteln zu kommen, war nicht so einfach, hat aber letztlich auch geklappt. Insofern konnten wir dann schon zügig anfangen. Schwieriger wird es für uns als Club, wenn das Training unter bestimmten Bedingungen wieder möglich sein wird. Da hoffen wir dann auch auf klare Ansagen von der Landesregierung.

Trainer können beim TC Blau-Weiß Rostock also noch nicht wieder arbeiten?
Nein, das geht derzeit noch nicht.

Was passiert, wenn es in Ihrem Club zu Verstößen gegen die Auflagen kommt?
Dann kann ganz schnell die Rolle rückwärts folgen. Heißt: Die Anlagen werden wieder geschlossen. Und das will ja niemand.

Muss der Corona-Beauftragte darauf achten, dass die Regeln eingehalten werden?
Ganz genau. Wir haben drei Personen bei uns im Club, die sich dieses Amt teilen. Das sind der Platzwart, ich und ein weiteres Vorstandsmitglied. Wir müssen vor allem die Hygiene- und Abstandregeln im Blick haben und gut verständliche Hinweise auf der Clubanlage aushängen. Bei Verstößen versucht man natürlich zunächst in Ruhe zu schlichten. Im schlimmsten Fall müssen wir von unserem Hausrecht Gebrauch machen und Mitglieder der Anlage verweisen. Aber so etwas wird bei uns nicht passieren, da bin ich mir sicher.

Wie sehr hat es Sie überrascht, dass man nun in Mecklenburg-Vorpommern wieder Tennis spielen darf?
Ich war am Donnerstagabend schon überrascht. In der Tennisszene kursierte zwar vorher schon länger die Auffassung, dass Tennis die ideale Sportart auf Distanz sei, aber wir haben uns eigentlich stets für eine solidarische Lösung im gesamten Freizeitsport ausgesprochen. Wir wollten nicht bevorzugt behandelt werden. Jetzt sind wir natürlich froh, dass wir spielen dürfen, aber wir müssen das alles mit Außenmaß behandeln.

Fürchten Sie nun eine Art Tennis-Tourismus aus anderen Bundesländern?
Das ist speziell in Mecklenburg-Vorpommern kaum möglich, denn es herrscht hier ja ein Einreisestopp.

Viele Tennisspieler ärgern sich aber über die föderalen Lösungen, weil man ja auch in Rheinland-Pfalz und Brandenburg jetzt wieder spielen darf, in allen anderen Bundesländern aber noch nicht.
Man muss da schon differenzieren. Mecklenburg-Vorpommern ist vom Coronavirus deutlich weniger stark betroffen als andere Bundesländer. Insofern ist es nachvollziehbar, dass hier andere Entscheidungen getroffen werden als in Bayern oder Hamburg.

Wird es im Sommer eine Punktspiel-Saison in Mecklenburg-Vorpommern geben?
Unser Landesverband geht davon aus, dass die Spiele ab dem 8. Juni starten können. Wir als Verein haben da sehr große Bedenken. Bei insgesamt 17 Mannschaften und nur wenigen Spieltagen, da Ende Juni bei uns die Sommerferien beginnen, kann man kaum noch irgendwelche Hygiene- und Abstandsregeln einhalten. Zumal wir als Vorstand die Verantwortung tragen und in mancher Hinsicht auch noch persönlich haften. Das kann man niemandem zumuten.