TennisBase Oberhaching

Starke Schmiede: Die TennisBase Oberhaching

Die TennisBase Oberhaching, Bundesstützpunkt des DTB und Leistungszentrum des Bayerischen Tennis-Verbandes, erstrahlt in neuem ­Ambiente. Das Ziel ist klar: die besten deutschen Spieler zu ­fördern und an die Weltspitze zu führen. 

Text: Florian Goosmann

Als Hobbyspieler blickt man verdammt neidisch nach Oberhaching. Klar, Tennisprofi zu sein, wäre ohnehin eine feine Sache, aber wir sprechen mal über Tennisspielen an sich. Denn wer als Hobbyspieler speziell im Winter seine Bälle in meist altgedienten, dunklen Tennishallen schlägt, für den wirkt die TennisBase wie ein Blick in die Zukunft: Hell! Modern! Offen! Man könnte sagen: Wer hier keinen Spaß am Tennis hat, kann es auch gleich bleiben lassen. 

Alles an einem Ort

Von 2018 bis 2020 ist der DTB-Bundesstützpunkt und das Leistungszentrum des Bayerischen Tennis-Verbandes (BTV) großzügig erweitert worden: Eine neue Zweifeld-Halle ist hinzugekommen, topmodern, mit Rebound-Ace-Belag; insgesamt verfügt man nun über sieben Hallenplätze. Dazu wurde der Freiluftbereich vergrößert; man hat nun insgesamt fünf Sandplätze und einen Rebound-Ace-Court unter freiem Himmel. Auch der neue Centre Court mit Platz für 500 Zuschauerinnen und Zuschauer ist neu. Und eine Kleinsporthalle mit Athletikbereich, außerdem Wohnappartements, neue Aufenthaltsbereiche mit Lounge-Flair, Kicker- und Billardtisch. „Wir sind kein riesiges Zentrum. Aber von der Qualität eines der besten. Das war der Anspruch“, sagt Hans Hauska, Geschäftsführer der TennisBase. „Wir haben ein sehr besonderes Zentrum geschaffen.“ 

TennisBase Oberhaching

Aus der Vogelperspektive: Alles an einem Ort – und sogar für Hobbyspieler zu buchen.

Alles ist mittlerweile an einem Ort in Oberhaching, die Wege sind kurz: zur angeschlossenen Physiotherapie, zur Orthopädie um Davis Cup-Arzt Dr. Tim Kinateder, zur Geschäftsstelle des Verbandes, die ebenfalls nach Oberhaching gezogen ist. „Für uns ist es ein Riesengewinn, alle Einheiten unter einem Dach zu haben. Auch die Vereins­beratung ist hier, die Trainerausbildung, der Leistungssport, die Kommunikation und Buchhaltung. Das hat den Austausch sehr verbessert“, sagt Achim Fessler, Leiter für Medien- und Öffentlichkeitsarbeit. „Es gibt keine verstaubte Verbandsatmosphäre, wie man sie kennt.“ 

TennisBase Oberhaching: 13,5 Millionen Euro investiert

Schon der Eingangsbereich begeistert. Die Empfangstheke erinnert in ihrer Dynamik an einen fliegenden Tennisball, „wer reinkommt, der denkt: Wow, wo bin ich hier gelandet!“, beschreibt Fessler den ersten Eindruck. Generell habe man versucht, das Corporate Design des BTV in die Räume einzubringen, das Blau, das Grün, sogar in die Farben der Courts. „Die Philosophie der Wiedererkennung“, nennt es Fessler. Rechts vom Eingang dann: ein gigantischer Flatscreen, auf dem den gesamten Tag über Sport läuft, davor entspannte Sitzmöglichkeiten. Daneben Charts mit den BTV-Leitbildern, der Vision, der Mission, den Zielen. Jeder Gast und Mitarbeiter solle sich vor Augen führen, warum er da sei, was die TennisBase ausmache, erklärt Fessler. Die Großraumbüros tragen die Bezeichnungen „Green Court“ und „Blue Court“, genauso sehen sie auch aus, passend dazu hängen an den Wänden Bilder der großen Tennisarenen, vom Centre Court in Wimbledon (grün) bis zum Arthur Ashe Stadium in New York (blau). Tennisatmosphäre also auch im Verwaltungsbereich.

TennisBase Oberhaching

Aber Hallo: Der neue Eingangsbereich der TennisBase Oberhaching, mit eigens angefertigter Empfangstheke, dem Leitbild des BTV und einer großen Mediawall.angeben

13,5 Millionen Euro hat man investiert in den Ausbau, damit sich die Spitzenspieler und Nachwuchshoffnungen wohlfühlen, um ihnen beste Bedingungen zu schaffen. Für Akteure wie Philipp Kohlschreiber zum Beispiel, ein Spieler der ersten Stunde der TennisBase seit deren Gründung – und der erfolgreichste. Egal, wo „Kohli“ zwischendurch war, es ging immer irgendwie zurück an die Base. Oder Yannick Hanfmann, der eines der vier neuen Appartements für Spieler und Trainer an der TennisBase bewohnt. Während einige Kollegen aus dem Münchner Raum stammen und abends heimfahren, kommt Hanfmann aus Karlsruhe und übernachtet vor Ort. Hinzu kommen noch 14 Appartements des Tennisinternats für den Nachwuchs.

Keine klassische Akademie

„Die Infrastruktur ist auf nationalem Toplevel und international absolut vergleichbar mit den Topzentren“, schwärmt Lars Uebel. Der Ex-Profi ist Leiter des Leistungssports an der TennisBase, er hat sich vor dem Umbau auch umgeschaut und Ideen mitgebracht von Patrick Mouratoglou in Nizza oder vom Adidas-Campus, einem langjährigen Partner. Als Chefcoach ist Uebel natürlich einer, der von den Neuerungen hautnah profitiert. Zur Klarstellung: Die TennisBase ist keine klassische Akademie, wie man sie von Nick Bollettieri oder Patrick Mouratoglou kennt, bei denen man sich einen Platz einkaufen kann. Das Ranking ist entscheidend, die Erwartungen, die man in den Spieler setzt. Im Nachwuchsbereich sind das zurzeit Akteure wie Max Rehberg, Philip Florig, Maximilian Homberg, Mika Lipp und Liam Gavrielides. Auch die Frauen schauen immer wieder in Oberhaching vorbei, „Mara Guth und Julia Middendorf beispielsweise waren kürzlich mit DTB-Trainerin Jasmin Wöhr bei uns, zur Vorbereitung auf die US Open“, erzählt Uebel. Die Mädels vor Ort an der TennisBase sind jedoch hauptsächlich regionale Nachwuchsspielerinnen. Speziell die jüngeren Jahrgänge im Nachwuchsbereich, die bislang in dezentralen Zentren trainiert haben, sind nun auch in Oberhaching angesiedelt.

TennisBase Oberhaching

Moderne Halle: Alle sieben Hallenplätze verfügen über einen Rebound-Ace-Belag.
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Sieben Tennistrainer und drei Athletiktrainer arbeiten fest an der Base, „jeder hat im Grunde seine Spieler und Gruppen“, sagt Uebel. Auch Michael Kohlmann, Head of Men‘s Tennis, ist in Oberhaching vor Ort, er betreut in Abstimmung mit dem BTV-Team die Kaderspieler des DTB. „Wir schmeißen uns auf die Besten“, formuliert es Hauska, „ob das jetzt vom BTV finanziert ist oder vom DTB, das ist egal.“ Die Zusammenarbeit mit dem DTB sei ohnehin viel enger geworden, „früher waren wir letztlich der Bayerische Tennis-Verband, fast nur auf dem Papier der Bundesstützpunkt. Mittlerweile sind wir komplett mit Leben gefüllt.“ Überhaupt kann jeder DTB-Kaderathlet das Zentrum als Trainingsstation nutzen, auch Spielerinnen und Spieler von außerhalb schauen tage- oder wochenweise vorbei, nutzen die Expertise und Infrastruktur.

Trainingsmöglichkeiten mit den Besten

Die altgedienten Profis, die fest oder frei in Oberhaching ihre Heimat hatten oder haben, sind bekannte Namen: neben Kohlschreiber Ex-Profi Florian Mayer, der an der TennisBase aufgewachsen ist und seine gesamte Karriere in Oberhaching trainiert hat. Oder Daniel Brands und Dieter Kindlmann, der mittlerweile ein etablierter Coach auf der WTA-Tour ist. Auch Topstars wie Tommy Haas, Martina Hingis, Andrea Petkovic, Dinara Safina, Li Na, Ana Ivanovic oder Sabine Lisicki waren oder sind immer mal wieder anzutreffen. Will ein Spitzenspieler von außerhalb reinschauen, ist er willkommen. Davon leben auch die Spieler vor Ort, von den Trainingsmöglichkeiten mit den Besten. Erst vor Kurzem war der Schwede Mikael Ymer in Oberhaching, er hat dann auch mit deutschen Jugendspielern trainiert. Kein Alltag, aber freilich gerne genommen.

Philipp Kohlschreiber, Helmut Schmidbauer

Alter Hase in Oberhaching: Philipp Kohlschreiber mit BTV-Präsident Helmut Schmidbauer auf dem neuen Centre Court.

Ach ja, um auf „uns“ Hobbyspieler zurückzukommen, die gerne einen Blick in die Tenniszukunft werfen wollen. Wer auf der Homepage der TennisBase Oberhaching reinschaut, stolpert diesbezüglich über eine etwas überraschende Kategorie: „Freizeitspieler / Platzbuchung“ steht da. Können tatsächlich auch weniger talentierte Herrschaften an der Base spielen? „Die Hallen- und Freiplätze vermieten wir kommerziell, auch für die Winterrunde. Externe Spieler können sich ebenso einbuchen“, bestätigt Fessler. „Das ist auch ein wichtiger Einnahmebereich.“ Er schränkt jedoch ein, dass die Plätze hauptsächlich in den Mittagspausen und Abendzeiten sowie am Wochenende für Hobbyspieler freistehen. Es kann aber durchaus vorkommen, dass parallel mal ein Profi trainiert. „Da merkt man, dass die Ballwechsel kürzer werden und die Spieler schauen, was auf dem anderen Platz passiert.“ Klar: Weltklassespieler neben sich zu haben und hautnah zu spüren, mit welcher Geschwindigkeit und Intensität es zugeht, erlebt man nicht alle Tage. Und da guckt man dann gerne auch mal nur zu.

Infos TennisBase Oberhaching
Eröffnet im Jahr 1994, einer von zwei DTB-Bundesstützpunkten für den männlichen Nachwuchs. Die Anlage, die für 13,5 Millionen Euro erweitert wurde, verfügt über fünf Sandplätze und einen Hartplatz (Rebound-Ace-Belag) im Freien sowie sieben Hallenplätze (Rebound-Ace-Belag). Seit 2020 hat der Bayerische Tennis-Verband seine Verbandszentrale in Oberhaching.