Tennis-Komödie „Extrawurst“: Die Trennlinie läuft durch den Club
Im Kinofilm „Extrawurst“ mit Hape Kerkeling soll der deutschen Mehrheitsgesellschaft der Spiegel vorgehalten werden. Das gelingt der satirischen Vereinsposse aber nur zum Teil – eine Kritik.
Am Anfang der Tennis-Komödie „Extrawurst“ steht der Grill. Der TC Lengenheide, ein imaginärer Provinz-Tennisclub, will sich einen neuen fetten Grill für das anstehende Vereinsfest zulegen. Auf der Mitgliederversammlung soll über die Anschaffung abgestimmt werden. Matthias, gespielt von Friedrich Mücke, hat als Vize-Präsident dazu eine Powerpoint-Präsentation vorbereitet. Etwas übereifrig stellt er die pompöse Neuanschaffung voller Stolz vor. Langzeit-Präsident Heribert (Hape Kerkeling) will den Beschluss schnell durchwinken. Eigentlich ein Selbstläufer.
Doch dann meldet sich Melanie (Anja Knauer) zu Wort. Sie ist das Aushängeschild des Clubs, weil sie gemeinsam mit Erol (Fahri Yardim) reihenweise Mixed-Titel gewinnt. Wobei man sich hier als Tennisfan und Tennisspieler schon die Frage stellen kann: Wo gibt es denn noch prestigeträchtige Mixed-Turniere für Amateure? Aber egal. Darum geht es letztlich nicht. Der Tennisverein steht stellvertretend für die deutsche Gesellschaft und dafür, wie schnell sich eine eigentlich eigeschworene Interessen-Gemeinschaft dann doch spalten lässt. Melanie fragt nämlich: „Wäre es nicht eine nette Geste für unsere türkischen Mitglieder, wenn wir für die noch einen zweiten Grill dazu holen?“ Denn: Gläubige Moslems können nichts von einem Grill essen, auf dem auch Schweinefleisch zubereitet wird.
Hape Kerkeling als Platzhirsch
Platzhirsch Heribert stellt schnell klar, dass es nur ein türkisches Mitglied im Club geben würde – nämlich Melanies Mixedpartner Erol. Und für den, so verfügt Heribert es, sei es sicherlich kein Problem, wenn nur ein Grill zum Einsatz kommen würde. Damit ist der Grundton des Films gesetzt: Heribert, der alte weiße Mann, sagt, wo es lang zu gehen hat – so war es schließlich schon immer. Der steif-bürokratische Vize Matthias neigt zu rechtspopulistischen Sprüchen, Melanie gibt sich als Kämpferin für die Minderheit, ihr Gatte Torsten (Christoph Maria Herbst) will als Werbetexter mit Hipster-Sprüchen zum Fremdschämen die Stimmung retten und Erol lässt die komplett überflüssige Stellvertreterdiskussion höflich über sich ergehen, bis ihm schließlich der Kragen platzt.

Streithähne im Geräteschuppen: Matthias (Friedrich Mücke), Torsten (Christoph Maria Herbst), Heribert (Hape Kerkeling, v.l.n.r.) im Film „Extrawurst“.Bild: Studiocanal
Das alles ist arrangiert wie ein Kammerspiel mit zum Teil launigen Dialogen und zeigt, wie Missverständnisse und der Clash der Kulturen dazu führen können, dass sich eine harmlose Debatte verselbstständigt. Die Mechanismen von Erregung und dem Hochkochen von Kleinigkeiten werden pointiert zur Schau gestellt, auch wenn manches (Schein)-Argument mitunter gestelzt wirkt und zu lange abgearbeitet wird. Am Ende läuft die Trennlinie quer durch den Tennisverein und selbst der ewige Heribert weiß nicht mehr weiter. Dabei ging es doch nur um einen Grill.
„Extrawurst“ als Theaterstück extrem erfolgreich
Die Enge der Inszenierung (Regie: Marcus H. Rosenmüller) hat einen triftigen Grund: Als Vorbild für den Film diente das Theaterstück „Extrawurst“, geschrieben von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob, die auch an Fernsehformaten wie „Stromberg“ und der „Heute Show“ mitwirkten. Das Bühnenstück „Extrawurst“ war eines der erfolgreichsten deutschen Theaterformate der letzten Jahre. Aus der Werkstatistik des Bühnenvereins für die Spielzeit 2021/2022 geht hervor, dass die Komödie mit über 400 Aufführungen fast doppelt so häufig auf der Bühne stattfand wie das zweitplatzierte Drama „Gott“ von Ferdinand von Schirach.
Natürlich bietet sich dieser Stoff für eine Verfilmung an. Und an vielen Stellen kann der Film die Stärken des Theaterstücks auch adaptieren, doch leider kippt die bissig-satirische Komödie in der zweiten Filmhälfte zu sehr ins Klamaukige ab. Ein Kalauer jagt den nächsten und wenn die Protagonisten etwa im alten Geräteschuppen wild diskutierend ständig von einer defekten Ballmaschine angeschossen werden, ist das vielleicht einmal halbwegs amüsant. Spätestens beim zweiten Mal wirkt diese Szene aber nur noch sinnlos.

Setzt sich in „Extrawurst“ für ihren Mixedpartner Erol (Fahri Yardim, ganz links) ein: Melanie, gespielt von Anja Knauer.Bild: Studiocanal
Auch ein kaputter Treppenlift, der zwischenzeitlich dem Präsidenten Heribert zum Verhängnis wird, zündet nicht als Gag. Komplett überflüssig ist die Rolle von Gaby Dohm („Schwarzwaldklinik“), die als nervende Mutter ihren Sohn Matthias dazu animiert, endlich vom Vize zum Club-Chef aufzusteigen. Am Ende geht die Dame auch noch baden, worauf man ebenfalls gut hätte verzichten können.
Was bleibt: Tennis wird in dem Film so gut wie gar nicht gespielt und Hape Kerkeling hatte sicher schon stärkere Auftritte. Christoph Maria Herbst bleibt in seiner Rolle eher blass; Fahri Yardim hingegen überzeugt als Erol.
„Extrawurst“ läuft ab dem 15. Januar in den Kinos. Hier verlosen wir Kino-Karten für den Film!!!
