US Open: Das Skandalmatch zwischen John McEnroe und Ilie Nastase
Disqualifikation, wütende Zuschauer, Austausch des Schiedsrichters: Bei den US Open 1979 spielten John McEnroe und Ilie Nastase eines der verrücktesten Matches.
Es ist das wohl verrückteste und kurioseste Match, das bei den US Open gespielt wurde. Mit John McEnroe und Ilie Nastase trafen in der zweiten Runde bei den US Open 1979 zwei der größten Heißsporne im Tennis aufeinander.
Der Rumäne Nastase, auch Mr. Nasty genannt, war wegen seines exzentrischen Verhaltens auf dem Platz wohl einer der Hauptgründe, warum in den 1970er-Jahren der Verhaltenskodex, der „Code of Conduct“, im Tennis eingeführt wurde. Der Verhaltenskodex gliedert sich in vier Verwarnungsstufen (Verwarnung, Strafpunkt, Strafspiel, Disqualifikation).
In der Night Session trafen der 20-jährige McEnroe und der 33-jährige Nastase, US—Open-Sieger von 1972, in einem Generationenduell aufeinander. Nastase versuchte alles, um den jungen McEnroe einzuschüchtern. Der Rumäne fluchte, zweifelte Entscheidungen an, verlangsamte das Spiel und beleidigte seinen Gegner. McEnroe reagierte auf seine unnachahmliche Weise. Das Match vor 10.000 Zuschauern wurde mit zunehmender Spielzeit immer mehr zur Farce.
Bierdosen fliegen auf den Platz
Irgendwann wurde es dem erfahrenen Schiedsrichter Frank Hammond zu bunt. Er sprach beim Stand von 2:1 im vierten Satz für McEnroe, der mit 2:1-Sätzen vorne lag, eine dritte Verwarnung gegen Nastase wegen der Hinhaltetaktik aus, was gleichzeitig zum Spielverlust zum 3:1 führte. Die Zuschauer ließen ihren Unmut über diese Entscheidung heraus, indem sie Bierdosen auf den Platz warfen. Nastase weigerte sich, weiterzuspielen und aufzuschlagen.
Mit Mike Blanchard kam ein weiterer Schiedsrichter auf den Platz. Er redete auf die Spieler ein und bat ums Weiterspielen. Als Nastase sich immer noch weigerte, signalisierte Blanchard Stuhlschiedsrichter Hammond, Nastase 30 Sekunden Zeit zum Weiterspielen zu geben. Nachdem nach einer Minute immer noch nichts geschah, erklärte Hammond McEnroe zum Sieger.
Die Zuschauer rasteten daraufhin völlig aus, warfen Müll auf den Platz und quittierten die Entscheidung mit Buhrufen. Sie wollten, dass das Match weitergespielt wird. Die Spieler mussten sogar von der Polizei geschützt werden, da einige Zuschauer auf den Platz liefen.
Schiedsrichter: „Ich habe all meinen Glauben verloren“
Turnierdirektor Bill Talbert, der eine Ausschreitung befürchtete, kam auf den Platz. Talbert hob nach 18 chaotischen Minuten die Entscheidung auf, brachte Nastase ins Match zurück und ersetzte Hammond im Schiedsrichterstuhl durch Blanchard. Nach vier weiteren Spielen war das Match schließlich zugunsten von McEnroe beendet, der eine Woche später das Turnier gewann und seinen ersten Grand-Slam-Titel feierte.
Schiedsrichter Hammond, der aus dem Stuhl verbannt wurde, konnte die Entscheidung nicht nachvollziehen. „Ich bin seit 32 Jahren ein Offizieller. Als ich disqualifiziert wurde, anstatt Nastase, habe ich all meinen Glauben und mein Herz verloren“, sagte Hammond.