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Was macht eigentlich…Jana Novotna?

Die Tschechin über Tränen als beste Eigenwerbung und Ihr Verhältnis zu Steffi Graf.

Frau Novotna, nach dem verlorenen Wimbledon-Finale 1993 ließen sie Ihren Gefühlen freien Lauf und weinten. Sind sie auch heute noch nah am Wasser gebaut?

Das war damals einfach ein unglaublich emotionaler Moment für mich. Und ich war nie eine dieser Tennis-Maschinen, die keine Gefühle zeigen. Ich bin auch heute noch sensibel. Es ist mir egal, wenn andere mich als nervenschwach bezeichnen. Die Hauptsache ist doch, wie man sich selbst fühlt.

Also stört es sie nicht, dass man Sie immer noch mit diesem Ereignis in Zusammenhang bringt?

Gar nicht. Es ist kaum zu glauben, aber daran erinnern sich sogar mehr Leute, als an das Wimbledon-Finale 1998, das ich schließlich gewonnen habe. Für meine Karriere waren die Tränen die beste Werbung überhaupt.

Ihre größte Gegnerin war Steffi Graf. Wie war das Verhältnis abseits vom Court?

Steffi und ich haben mehr als 30 Mal gegeneinander gespielt, immer hat sie mich kurz vor dem Ziel gestoppt. Wir sind stets respektvoll miteinander umgegangen, aber private Kommunikation gab es kaum. Das ist auch normal, wenn man konkurriert. Freundschaften haben es im Tenniszirkus allgemein eher schwer.

Und wie sieht das heute aus? Haben Sie Kontakt zu anderen Ex-Spielerinnen?

Ja, zum Beispiel zu Martina Navratilova oder Lindsay Davenport. Wir treffen uns bei Turnieren und haben eine gute Zeit zusammen. Denn jetzt, wo wir alle nicht mehr im Wettbewerb miteinander stehen, ist das alles sehr entspannt.

1999 sind Sie mit 31 Jahren als Profi zurückgetreten. Haben Sie diese Entscheidung jemals bereut?

Schwer zu sagen. Ich war damals müde und ausgelaugt. Im Nachhinein denke ich, war es vielleicht etwas voreilig. Hätte ich nur ein paar Monate pausiert, hätte ich danach womöglich noch ein paar erfolgreiche Jahre gehabt. Aber ich bin ja auch weiterhin noch auf dem Court aktiv und spiele Showmatches und Legenden-Turniere.

Sie arbeiten neuerdings als Coach. Gefällt Ihnen diese Rolle?

Ja, es ist doch ein gutes Zeichen, dass ich immer noch nicht genug vom Tennis habe. Ich trainiere meine Landsfrau Barbora Krejcikova. Sie steht aktuell auf Rang 157 und ist erst am Anfang ihrer Karriere. Aber sie ist talentiert und hat schon gute Fortschritte gemacht. Das motiviert mich, weiterzumachen. Tennis ist und bleibt meine Leidenschaft.