Tim Henman – Wimbledon 1995

Wimbledon 1995: Das Jahr der Disqualifikationen

Vor 25 Jahren in Wimbledon passierten gleich zwei Disqualifikationen innerhalb weniger Stunden. Tim Henman und Jeff Tarango wurden bestraft. Während die eine Disqualifikation versöhnlich endete, mündete die andere in einem Eklat. 

In diesem Jahr muss Wimbledon aufgrund der Corona-Pandemie ausfallen. Vor 25 Jahren, im Jahr 1995, ging es im beschaulichen Wimbledon, in dem viel Wert auf Etikette und Fairplay gelegt wird, äußerst hoch her. Es gab gleich zwei Disqualifikationen innerhalb weniger Stunden, an denen der US-Amerikaner Jeff Tarango beteiligt war – direkt und indirekt.

Wimbledon: „Gentleman” Tim Henman bringt Ballmädchen zum Weinen

In der ersten Runde im Doppel wurde ausgerechnet Lokalmatador Tim Henman, der sich im Laufe der kommenden Jahre einen Ruf als „Gentleman im Tennis“ aufbaute, disqualifiziert – als erster Spieler überhaupt in Wimbledon in der Open Era. Henman, damals 20 Jahre alt, trat mit seinem Landsmann Jeremy Bates gegen die Paarung Jeff Tarango (USA) und Henrik Holm (Schweden) an. Die Briten führten mit 2:1 in den Sätzen. Der vierte Satz ging in den Tiebreak, in dem Henman nach einem verlorenen Punkt die Beherrschung verlor und den Ball vor Wut wegfeuerte. Der Brite traf dabei das 16-jährige Ballmädchen Caroline Hall am Kopf, die schließlich in Tränen ausbrach.

Henman versuchte, sein Verhalten gegenüber Oberschiedsrichter Alan Mills zu erklären. Das Ballmädchen Caroline Hall nahm ihn sogar in Schutz und erklärte, dass sie auch Schuld an dem Unfall sei. Doch Mills sah sich gezwungen, Henman wegen unsportlichen Verhaltens zu disqualifizieren – zum Unmut der britischen Zuschauer. „Es war ein Unfall, aber ich bin verantwortlich für meine Aktionen“, sagte Henman auf der Pressekonferenz. Gegner Tarango ging hart ins Gericht mit Henman und meinte, dass die Geschwindigkeit des Balles das Ballmädchen hätte töten können. Henman verteidigte sich. „Wenn sie nicht da gewesen wäre, bin ich mir sicher, dass ich nicht mal eine Verwarnung wegen Ballwegschlagens bekommen hätte“, sagte er. Am nächsten Tag gab es eine offizielle Versöhnungsgeste auf dem Platz, als Henman dem Ballmädchen einen Blumenstrauß überreichte und ein Küsschen gab.

Wimbledon: Jeff Tarango beschuldigt Schiedsrichter der Korruption

Zwei Tage später stand Tarango, der Henmans Disqualifikation aus nächster Nähe erlebte, selbst im Zentrum des Geschehens. Beim Match dabei war auch das Ballmädchen Caroline Hall. Auf Court 13 spielte der US-Amerikaner in der dritten Runde gegen den Deutschen Alexander Mronz und sorgte für ein Novum in der Grand-Slam-Geschichte. Tarango verließ den Platz aus Frust und wurde deswegen disqualifiziert. Beim Stand von 6:7, 1:2 gegen sich servierte Tarango bei einem Breakball angeblich ein Ass. Doch Schiedsrichter Bruno Rebeuh überstimmte die Entscheidung. Der US-Amerikaner protestierte daraufhin und rief nach Beschwerden aus dem Publikum über Spielverzögerung ein „Haltet den Mund“ den Zuschauern zu.

Rebeuh sprach deswegen die erste Verwarnung im Spiel gegen Tarango aus. Dieser wollte das nicht wahrhaben und verlangte den Oberschiedsrichter. Tarangos Forderung: die Rücknahme der Verwarnung und der Austausch des Schiedsrichters. Als diese Forderung abgelehnt wurde, bezeichnete er Rebeuh als „korruptesten Offiziellen im Spiel“. Rebeuh sprach daraufhin die zweite Verwarnung und einen Punktverlust aus, sodass der Spielstand schließlich 3:1 für Mronz hieß.

Jeff Tarango, Bruno Rebeuh – Wimbledon 1995

Jeff Tarango dreht sich demonstrativ weg von Schiedsrichter Bruno Rebeuh, um seinen Unmut zu zeigen. Kurz darauf wurde er disqualifiziert.

Tarango wollte sich das nicht mehr weiter geben, schrie „das war’s“, nahm seine Tasche und verließ wutentbrannt den Platz. Die Folge war, dass sich Tarango damit selbst disqualifizierte. Damit ist die Geschichte aber noch nicht zu Ende erzählt. Tarangos damalige Frau Benedicte wollte Rebeuh zur Rede stellen und verpasste dem Schiedsrichter in den Katakomben zwei Ohrfeigen. „Der Typ hat eine Lektion verdient. Er kann alles machen, was er will, weil er auf dem Stuhl sitzt. Die Spieler haben keine Chance, sich zu verteidigen“, rechtfertigte Benedicte Tarango ihre Ohrfeigen auf der Pressekonferenz, zu der sie mitkam. Auf der Pressekonferenz untermauerte Tarango die Bestechungsvorwürfe gegen Rebeuh.

Jeff Tarango wird für Wimbledon 1996 gesperrt

Der US-Amerikaner wurde aufgrund seiner Anschuldigungen gegenüber Rebeuh vom Tennisweltverband ITF zunächst zu einer Strafe von 63.000 US-Dollar und einem zweijährigen Ausschluss bei Grand-Slam-Turnieren verurteilt. Diese Strafe wurde jedoch kurz danach auf 20.000 US-Dollar Bußgeld verringert. Außerdem wurde Tarango nur noch vom Wimbledonturnier 1996 ausgeschlossen. Für Tarango war es das erste und einzige Match in seiner ATP-Karriere, in dem er überhaupt eine Verwarnung kassierte.


  1. Hagen Müller

    das stimmt nicht in Innsbruck auf dem TI – Platz hat er eine Verwarnung wegen Verlassen des Platzes kassiert. Österr.Staatsliga Mannschaftsmeisterschaft.

  2. Müller

    In der dritten Runde von Wimbledon verließ er im Jahr 1995 nach einer vermeintlichen Fehlentscheidung des Schiedsrichters Bruno Rebeuh unter wüsten Beschimpfungen den Court und gab damit die Partie gegen Alexander Mronz verloren. Seine Ehefrau verpasste dem Schiedsrichter noch zwei Ohrfeigen. Tarango wurde daraufhin für zwei Grand-Slam-Turniere und auch für das Wimbledon-Turnier 1996 gesperrt.


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