Wimbledon

Wimbledon 2020 wegen Corona-Pandemie abgesagt

Lange haben die Veranstalter des berühmten Rasenturniers von Wimbledon nach Alternativen gesucht. Jetzt ist klar: Auch das legendäre Tennis-Event fällt aus.

Hamburg/London (SID) Kein Aufschlag auf dem „Heiligen Rasen“, das legendäre Tennis-Turnier von Wimbledon fällt der Coronakrise zum Opfer: Der veranstaltende All England Lawn Tennis and Croquet Club (AELTC) verkündete am Mittwoch das Aus für die 134. Ausgabe in diesem Sommer. Es ist die erste Absage des prestigeträchtigen Klassikers seit dem Zweiten Weltkrieg und nach den Olympischen Spielen und der Fußball-EM das nächste Sporthighlight, auf das die Fans im Jahr 2020 schweren Herzens verzichten müssen.

„Das ist eine Entscheidung, die uns nicht leichtgefallen ist“, sagte der ALTEC-Vorsitzende Ian Hewitt: „Wir haben sie unter größter Rücksicht auf die öffentliche Gesundheit und das Wohlbefinden aller getroffen, die zusammenkommen, um Wimbledon zu verwirklichen.“ Rekordsieger Roger Federer (38) schrieb bei Twitter, er sei „am Boden zerstört“.

Berlin und Stuttgart prüfen Verlegung

Ursprünglich war das Grand-Slam-Turnier für den Zeitraum vom 29. Juni bis 12. Juli geplant worden, nun wird das Turnier erst mit einem Jahr Verspätung vom 28. Juni bis 11. Juli 2021 ausgetragen. Im selben Schritt verkündeten die Männer-Tour ATP und die Frauen-Tour WTA eine Verlängerung ihrer Spielpause bis mindestens 13. Juli.

Dies bedeutet auch, dass die Premiere des WTA-Turniers in Bad Homburg, das Comeback des Frauen-Events in Berlin sowie die ATP-Events in Stuttgart und Halle (alle für Juni geplant, alle auf Rasen) unmittelbar betroffen sind. Während Berlin und Stuttgart offiziell noch auf einen späteren Zeitpunkt im Jahr hoffen, sind die Wettbewerbe in Bad Homburg und Halle für dieses Jahr bereits abgesagt.

Dies ist für die Veranstalter ebenso schmerzlich wie für die Wimbledon-Ausrichter, die nach „eingehender und umfassender Betrachtung aller Szenarien“ in diesen außergewöhnlichen Zeiten keine andere Möglichkeit sahen und die Absage als „richtige Entscheidung“ werteten. Jetzt gelte es zu schauen, wie Wimbledon zur Bewältigung der Corona-Pandemie beitragen könne.

Wimbledon ist gegen Pandemie versichert

Immerhin: Finanziell fällt der AELTC trotz des insgesamt elften und seit den großen Kriegen (1914 bis 1918 und 1940 bis 1945) ersten Ausfalls offenbar vergleichsweise weich. Laut britischer Medienberichte ist Wimbledon im Besitz eines Versicherungsscheins gegen eine Pandemie – kein anderes Weltevent ist im Sport bisher bekannt, das derart gut abgesichert gegen die Krise ist.

Die Zeichen hatten zuletzt schon klar auf Absage gestanden. Eine mögliche Verschiebung gehe mit „Schwierigkeiten“ und einem „Risiko“ einher, hatte der AELTC vergangene Woche eingeräumt, das Zeitfenster sei aufgrund des Rasens klein. Ohne Zuschauer werde das Turnier sicher nicht stattfinden. Da in England die Zahlen der Opfer durch die Pandemie zuletzt rasant zunahmen, hätte eine Verschiebung um wenige Wochen wohl keinen entscheidenden Fortschritt gebracht.

Australian-Open-Chef glaubt nicht an Tennisturniere in 2021

Ohnehin scheint fraglich, inwieweit überhaupt noch Filzbälle bei wichtigen Turnieren in diesem Jahr übers Netz fliegen werden. Die Anzahl der Zweifler nimmt zu. „Meine persönliche Meinung ist, dass es schwierig sein wird, in diesem Jahr noch Tennis zu spielen“, sagte Australian-Open-Chef Craig Tiley. Der dreimalige Wimbledon-Champion Boris Becker sieht das allerdings anders. „Wir sollten mit der Schwarzmalerei aufhören“, schrieb der 52-Jährige bei Twitter, „natürlich“ werde dieses Jahr noch Tennis gespielt.

Wann, wo und wie ist jedoch völlig offen. Der Kalender ist ziemlich durcheinander geraten – der ärgerbringende Sprung der French Open auf den 20. September, eine Woche nach den US Open, trug dazu bei. Traurige Klarheit herrscht jetzt immerhin mit Blick auf das wichtigste Turnier des Jahres, Wimbledon fällt 2020 aus.