03_06_clijsters_05.jpg

Das ist die Höhe!

Wie die klassische Topspin-Vorhand gespielt wird, wissen die meisten Tennisspieler. Man stellt sich seitlich zum Ball, geht in die Knie, macht eine ordentliche Schleifenbewegung und geht von unten nach oben durch den Ball. Soweit so gut. Doch es gibt in einem Match immer wieder Momente, in denen man mit dieser Faustformel nicht viel ausrichten kann. Wir haben einmal ein Beispiel dafür in einer Bilderserie mit der US Open-Siegerin von 2005 Kim Clijs­ters festgehalten und analysiert.
Im modernen Profitennis beherrscht das Tempo das Spiel. Wer einmal zu kurz oder zu langsam spielt, kommt schnell in Schwierigkeiten. Deshalb versuchen alle guten Spieler, den Ball in jeder Situation so hart und schnell wie möglich zu schlagen so wie es hier Kim Clijsters vorführt.
Eigentlich hat die Gegnerin sie unter Druck gesetzt Clijsters befindet sich zwei, drei Schritte hinter der Grundlinie (Bild 1). Die Belgierin entschließt sich, nicht nur einen hohen langsamen Sicherheitsball zurückzubringen. Stattdessen kontert sie mit einem druckvollen Ball, der in einer leicht abfallenden geraden Linie ins gegnerische Spielfeld fliegt. Besonders hervorzuheben ist ihre vorbildliche Vorbereitung für den Schlag (Bild 1 bis 3):
sehr frühes Ausholen
Spannung aufbauen durch extremes Zurückdrehen des Oberkörpers
Anpeilen des Balles mit der linken Hand
offene Beinstellung
Die offene Stellung der Beine sorgt dafür, dass man sich mit der rechten Körperseite voll in den Schlag hineindrehen kann, ohne dass der linke Fuß den Schwung blockiert.
Ganz entscheidend bei der Ausführung dieser Vorhand ist, dass man den Schläger mit einer Rechts-Links-Bewegung über den Ball wischt und nicht glatt spielt. Dadurch, dass man den Ball so weit oben und eher von der rechten Seite trifft, bekommt man einen Topspin mit gleichzeitigem Seitwärtsdrall. Das hat zur Folge, dass der Ball nicht mit der bekannten hohen Flugkurve eines überrissenen Balles fliegt. Stattdessen dreht er sich in einer leichten Kurve nach außen. Vorteil:Der Ball hat Tempo, Länge und Spin!

Lassen Sie sich Zeit mit der hohen Vorhand
Wenn man eine normale Vorhand spielt, also von weiter unten durch den Ball geht, kann man diese Wischbewegung nicht richtig ausführen. Weil man das Racket nicht optimal von rechts unten nach links oben ziehen kann. Diesen von rechts nach links gewischten Schlag sollte man erst ab Hüfthöhe spielen.
Ich möchte Hobbyspielern allerdings raten, ihn nicht zu früh ins Repertoire aufzunehmen. Man sollte die Topspin-Vorhand erst beherrschen und mit Tempo schlagen können, bevor man sich an die schwierige hohe Variante heranwagt. Vergessen Sie bitte nicht: Profis wie Kim Clijsters, oder Andre Agassi spielen jeden Ball mit hohem Risiko, während der durchschnittliche Hobby- oder Clubspieler sein Augenmerk darauf richten sollte, zuerst einmal den Ball sicher ins Feld zu spielen. Erstens gibt es keine Garantie dafür, dass Sie den Punkt mit riskanten Gewaltschlägen machen, und zweitens sollten Sie immer daran denken, dass der Gegner nicht jeden Ball fehlerfrei zurückspielen kann.
Diese schulterhohe Vorhand eignet sich vorzüglich auf Hartplätzen, weil die Bälle extrem schnell abspringen.  Kim Clijsters nimmt die Geschwindigkeit des gegnerischen Schlages auf obwohl sie eigentlich in die Defensive gedrängt wurde und nutzt das Tempo, um ihrerseits anzugreifen.
Schauen Sie sich bitte das große Bild unserer Serie (Bild 5) genau an. Dort ist wunderbar zu erkennen, mit welcher Wucht die 22-Jährige in den Ball springt. Dank ihrer guten Vorbereitung für den Schlag gerät Kim Clijsters beim Aufdrehen des Oberkörpers nicht aus dem Gleichgewicht obwohl sie im Treffmoment mit beiden Füßen gute zehn Zentimeter über dem Boden schwebt. Ihr entschlossener Gesichtsausdruck lässt erahnen, mit welcher Power sie den Ball, den sie noch über Schulterhöhe trifft, in die gegnerische Hälfte schießt.

Spielen Sie den Ball niemals flach übers Netz
Zu diesem Schlag gehören Mut und Selbstvertrauen. Wenn Sie merken, dass Sie im Match gut drauf sind und Ihnen die Schläge gut von der Hand gehen, dann können Sie auch diese extrem hoch gespielte Topspin-Vorhand riskieren. Vergessen Sie dabei niemals, den Ball immer im Blick zu haben und ihn vor dem Körper zu treffen. Wenn Sie ihn zu spät treffen, geraten Sie mit der Schulter in Rücklage und können keinen kontrollierten Schlag mehr ausführen.
Tipp: Versuchen Sie nicht, den Ball flach übers Netz zu spielen. Wenn Sie ihn bewusst runterdrücken, besteht die Gefahr, dass er direkt im Netz landet. Der Ball sollte in einer geraden Linie schräg von oben über die Netzkante fliegen. So bekommen Sie Tempo und Länge in Ihren Schlag.
Für Profispieler wie Kim Clijsters sind solche Schläge nichts Besonderes. Für den normalen Tennisspieler sehr wohl. Tasten Sie sich an die ungewohnte Höhe heran. Lassen Sie sich im Training langsame Bälle in Schulterhöhe zuspielen und versuchen Sie, den Ball mit der Rechts-Links-Wischbewegung lang ins gegnerische Feld zu bringen. Entscheidend ist, dass der Treffpunkt vor dem Körper ist und Sie in den Ball hineingehen wie Kim Clijs­ters. Das Tempo ist in dieser Phase unwichtig. Je häufiger Sie den Schlag aus der ungewohnten Höhe üben, des­to mehr Power bekommen Sie.