Füße Tennis

Fußbeschwerden im Tennis: So weit die Füße tragen

Unsere Füße sind ein Meisterwerk, aber anfällig für Verletzungen – ­besonders an der Achillessehne. Überlastung und Fehlstellungen zählen zu den häufigsten Ursachen.

Text: Gabriele Hellwig
Foto: iStock

Wussten Sie, dass unsere Füße pro Tag vier ICE-Züge ­tragen? Wie bitte, werden Sie sich vielleicht fragen.  ­Wissenschaftler haben das Leistungsvermögen unserer Füße berechnet. Demnach tragen die Füße bei einem Körpergewicht von 70 Kilogramm während eines Tages ein Gesamtgewicht von 2.500 Tonnen – das entspricht vier ICE-Zügen. Innerhalb von sechs bis sieben Monaten sind unsere Füße dem Gesamtgewicht des höchsten Gebäudes der Welt ausgesetzt: dem Burj Khalifa in Dubai. Der 828 Meter hohe Turm wiegt 500.000 Tonnen! 

Wie man darauf kommt? Nun, das gesamte Körpergewicht lastet auf unseren Füßen. Dabei gilt die Regel: Je schneller Sie laufen, desto mehr wird der Fuß belastet. Beim normalen Gehen wirkt auf den Fuß das 4,5-fache des Körpergewichts ein – beim Rennen ist es das neunfache. 

Kein Wunder, dass die Füße öfter mal Probleme bereiten – vor allem bei Tennisspielern, die sich in der Regel schnell bewegen. Das ständige „Stop and Go“ belastet ebenfalls die 26 Knochen, 33 Gelenke und über 100 Bänder, aus denen der Fuß besteht.

„Zu Fußbeschwerden kommt es bei Tennis­spielern vor allem aufgrund einer chronischen Überlastung“, sagt Dr. Gunnar Laabs, Orthopäde und Fußspezialist im OrthoCentrum Hamburg. „Der Trainings­umfang oder die Trainingsintensität können zu hoch sein – häufig kommt sogar beides zusammen.“ Verschlimmert wird die Situation oft durch Fußfehlstellungen. Laabs: „Zwar verursachen diese Deformitäten anfangs keine Schmerzen, führen aber in der Regel zu einer chronischen Fehlbelastung der Füße.“ Zusätzlich problematisch: Damit die Tennisschuhe nicht drücken, werden bei Fußfehlstellungen nicht selten zu weite Schuhe gekauft. Diese geben jedoch keinen Halt – und verschlimmern die Fehlbelastung.

Die „Hauptleittragende“ ist die Achillessehne, die das Fersenbein mit dem Wadenmuskel verbindet. Aufgabe der Achillessehne ist es, die Kraft der Wadenmuskulatur bei jedem Schritt auf das Fersenbein zu übertragen und ein Abrollen des Fußes zu ermöglichen.  

Die Achillessehne ist die kräftigste Sehne im Körper

Die Achillessehne hat eine Reißkraft von bis zu 900 Kilogramm. Sie ist damit die kräftigste Sehne im Körper des Menschen, gleichzeitig aber auch die am stärksten beanspruchte. Bei Überlastung verliert die Achillessehne durch Gewebsumbauten an Elastizität, die Sehne degeneriert. Laabs mahnt: „Es kann ein Teufelskreis entstehen. Die Überlastung führt zu feinsten Rissen in der Sehne. Es bildet sich Narbengewebe, das wiederum viel weniger belastbar und damit anfälliger für Verletzungen ist.“ 

Typische Symptome sind Schmerzen. Erst tut die Achillessehne nur ab und zu weh, vor allem morgens nach dem Aufstehen – meist direkt am Ansatz der Sehne am Fersenbein. Später klagen Tennisspieler insbesondere beim intensiven Training über Beschwerden.

Es können sich ferner knöcherne Überstände bilden, beispielsweise der Achillessehnensporn. Dieser wächst in die Achillessehne ein, beengt diese und verschlimmert dadurch die Beschwerden. Laabs erklärt: „Oft wird die Achillessehne zusätzlich durch eine sogenannte Haglund-Exostose bedrängt. Ein Schleimbeutel schützt die Sehne davor, am knöchernen Überstand zerrieben zu werden, wobei er sich meist schmerzhaft entzündet und anschwillt. Patienten haben dann nicht nur Probleme beim Gehen, sondern auch durch Druck des Schuhs auf den entzündeten Schleimbeutel.“

Im Rahmen einer Unter­suchung überprüft der Orthopäde, ob etwa Fußfehlstellungen oder fehler­­hafte Bewegungsabläufe für die Beschwerden verantwortlich sind. Eine Ultraschall­untersuchung sowie eine Kernspintomografie schließen sich oft an.

Behandlung mit Eigenblut hat sich bewährt

Als erste Behandlungs­maßnahme empfiehlt sich eine Sportpause, damit die Achilles­sehne zur Ruhe kommt. Wichtig ist dann Physiotherapie. Bewährt hat sich die Behandlung mit Eigenblut, auch ACP-Therapie genannt. „Bei ACP (Autologous Conditioned Plasma) handelt es sich um körpereigene Wachstumsfaktoren, die auf­­bereitet werden. Die ACP-Therapie unterstützt die körpereigene Heilung“, erläutert Dr. Laabs. Studien zeigen, dass Verletzungen mit Hilfe der ACP-Therapie besser heilen. Knöcherne Überstände sollten operativ entfernt werden. Laabs rät: „Achillessehnensporn und Haglund-Exostose können vorsichtig abgetragen werden, damit man wieder schmerzfrei Tennis spielen kann.“

Liegen Fußfehlstellungen zugrunde, sollten diese zeitnah behandelt werden. Weit verbreitet ist der Ballenzeh (Hallux valgus), bei dem sich der große Zeh nach außen schiebt und ein herausragender Ballen entsteht. In leichten Fällen können Einlagen und Krankengymnastik sinnvoll sein. Bei fortgeschrittener Fehlstellung hilft nur eine Operation.

Um den Ballenzeh zu korrigieren, muss der Knochen durchtrennt und die schiefstehende Großzehe in die richtige Position gebracht werden. Damit die Knochen wieder gut zusammenwachsen, müssen sie verschraubt, verplattet oder verdrahtet werden. Laabs sagt: „Inzwischen werden auch minimal-invasive Operationsverfahren mit kleinen Schnitten angeboten, um den Hallux valgus zu korrigieren.“ In den meisten Fällen können die ­Patienten nach der Operation den Fuß direkt wieder voll belasten. Nach sechs bis acht Wochen ist auch leichtes Tennis­training möglich; Turniere kann man nach vier bis sechs ­Monaten wieder spielen.

Vorbeugen ist möglich

Aufwärmen
Vor dem Training immer gut aufwärmen und dehnen. Exzentrische Übungen ins Training integrieren. 

Erholungsphasen einplanen
Körperliche Regeneration ist genauso wichtig wie der Trainingsplan. Nur wer Erholungsphasen einplant, bleibt langfristig leistungsfähig.

Richtige Schuhe
Gutsitzende Tennisschuhe sind vonnöten, um Überlastungsschäden vorzubeugen. Am besten in einem Sportfachgeschäft beraten lassen.  

Optimale Technik
Mit dem Trainer am besten regelmäßig die Technik kontrollieren und optimieren, um eine Fehlbelastung zu vermeiden.

Auf den eigenen Körper hören
Bei Schmerzen nicht „Augen zu und durch“, sondern eine Pause einlegen.