Kreuzbandriss

Kreuzbandriss: Wenn das Knie wegrutscht

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Früher war ein Kreuzbandriss für Tennisspieler oft gleichbedeutend mit lang anhaltenden Einschränkungen. Heute ist durch neue Therapien eine sichere Rückkehr auf den Platz in vielen Fällen möglich.

Text: Gabriele Hellwig

Mit einem Drama endete für Sabine Lisicki das WTA-Turnier im November 2020 in Linz: Kreuzbandriss im linken Knie. Die deutsche Wimbledonfinalistin von 2013 musste eine Zwangspause einlegen. Die Operation hat Sabine Lisicki inzwischen gut überstanden, jetzt befindet sie sich im Aufbautraining. 

Lisicki ist kein Einzelfall. Im Gegenteil: Alle sechseinhalb Minuten reißt in Deutschland ein Kreuzband. Das sind rund 80.000 Kreuzbandrisse pro Jahr. Damit zählt der Kreuzbandriss zu den häufigsten Sportverletzungen. „Auch Tennisspieler sind oft betroffen“, sagt Johannes Holz, Sportmediziner und Orthopäde im OrthoCentrum Hamburg. „Vor allem die zahlreichen schnellen Richtungswechsel und Stopps bergen ein erhöhtes Verletzungsrisiko.“

Operation meistens sinnvoll

Besonders belastend für das Kniegelenk ist eine Verdrehung des Unterschenkels nach außen, während der Oberschenkel in seiner normalen geraden Position verbleibt. „Bei starker muskulärer Belastung halten die Kreuzbänder, die das Kniegelenk eigentlich stabilisieren, dieser Krafteinwirkung mitunter nicht stand – und reißen“, erklärt Dr. Holz. 

Typische Symptome bei einem Kreuzbandriss sind ein starker Schmerz im Knie und eine Schwellung. Oft hört man einen peitschenden Knall in dem Moment, in dem das Band reißt. Das Hauptproblem bei einem Kreuzbandriss ist die dadurch verursachte Instabilität. Man hat das Gefühl, als würde einem das Knie wegrutschen. Das Kniegelenk kann oft nicht mehr vollständig gebeugt und gestreckt werden.

Diese Instabilität ist auch der Grund dafür, dass Ärzte in der Regel bei einem Kreuzbandriss zu einer Operation raten. Experte Holz: „In der überwiegenden Anzahl der Fälle ist eine Operation sinnvoll, da das Kniegelenk von den meisten Patienten allein durch Muskelkraft nicht dauerhaft stabilisiert werden kann. Ohne Operation droht eine dauerhafte Instabilität des Knies mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit von Folgeschäden an Knorpel und den Menisken. Sport wäre nur noch in eingeschränktem Maß möglich.“ 

Bisher wurde bei der Operation das gerissene Kreuzband durch eine kräftige Ersatzsehne ersetzt. Dies galt als „Goldstandard“. Meistens wurde dafür ein körpereigenes Sehnentransplantat genommen, zum Beispiel ein Teil der Patellasehne oder einer Beugesehne. Studien zeigen jedoch, dass nach Einsetzen der Ersatzsehne das Kreuzband bei sportlicher Belastung erneut reißen kann. „Je höher das sportliche Niveau, desto höher ist das Risiko für eine erneute Verletzung des Kreuzbandes“, warnt Knie-Spezialist Holz. 

Neue Methode All-Inside-Technink

Vielversprechender sind die Ergebnisse einer neuen Behandlungsmethode: Dabei wird das eigene Kreuzband mit einer Art „Sicherheitsgurt“ stabilisiert. Fachmann Holz: „Das gerissene Kreuzband wird genäht und am Knochen befestigt. Zusätzlich wird ein sehr dünnes Verstärkungsband angelegt, ein Internal Brace. Es ist mit einem Sicherheitsgurt beim Auto vergleichbar. Eine eigene Nachuntersuchung zeigt, dass die so operierten Kreuzbänder bei professionellen Sportlern bei fast 95 Prozent der Fälle auch nach einem Jahr noch hielten. Bei einem Kollektiv von mehr als 700 Sportlern, unabhängig vom Leistungsvermögen, rissen nach zwei Jahren nur 1,4 Prozent der so operierten Bänder.“ 

Ob das eigene Kreuzband erhalten bleiben kann, hängt davon ab, an welcher Stelle es reißt. „Wenn das Kreuzband nahe am Knochen reißt, kann es refixiert und mit dem Sicherheitsgurt versehen werden. Reißt das Kreuzband in der Mitte, kann das eigene Kreuzband in der Regel nicht erhalten werden. Es wäre nicht stabil genug, wenn man es näht – und würde bei der kleinsten Belastung wieder reißen. In diesem Fall ist eine Ersatzsehne, die schonend mit der neuen All-Inside-Technik eingesetzt wird, die beste Option“, erläutert Holz. 

Das Besondere der All-Inside-Technik: Die Bohrlochanlagen im Ober- und Unterschenkel werden ausschließlich von innen angelegt. Bei früheren OP-Methoden war eine Durchbohrung des ganzen Knochens von außerhalb in das Gelenk notwendig. Es wurde früher also ein durchgehender Knochenkanal erstellt und durch diesen die Ersatzsehne geführt. „Bei der neuen All-Inside-Technik wird die Ersatzsehne auch anders befestigt“, führt Holz weiter aus. Die Verankerung erfolgt durch Tight-Ropes. Das sind kleine Titanplättchen, die außen am Knochen anliegen und damit ein Ausreißen des Bandes verhindern. Die Vorteile der All-Inside-Technik für den Patienten: „Es geht viel weniger Knochen verloren. Die Sehne ist außerdem durch die neue Fixierung sehr stabil und mit der perfekten Spannung verankert“, erklärt der Hamburger Orthopäde. 

Viel Zeit für die Nachbehandlung nehmen

Für die Nachbehandlung sollten sich Tennisspieler genug Zeit nehmen – sonst steigt das Risiko für einen erneuten Riss. Holz empfiehlt, sechs bis neun Monate für die Nachbehandlung einzuplanen. In dieser Zeit wird die Belastung langsam gesteigert. 

Bevor man auf den Tennisplatz zurückkehrt, sollten koordinative und ­muskuläre Fähigkeiten überprüft werden. „Wir führen nach fünf bis sechs Monaten eine Return-To-Sport-Testung durch“, betont Holz. Dabei werden beispielweise die Maximalkraft, Kraftausdauer und motorischen Fähigkeiten der Muskeln überprüft. Die Ergebnisse entscheiden darüber, ob man aus medizinischer Sicht wieder fit genug fürs Tennisspielen ist. Holz: „Manchmal bestehen noch kleine Defizite, dann empfehlen wir spezielle Übungen, um diese gezielt auszugleichen.“ 

Zwar wird man Knieverletzungen nie komplett vermeiden können, aber mit gezielten Übungen kann der Körper auf ungewohnte Bewegungen durchaus etwas vorbereitet werden. Bewährt haben sich zum Beispiel Übungen auf Wackelbrettern und Weichbodenmatten. Damit kann die Koordination der knieschützenden Muskulatur verbessert werden. Wichtig ist auch, Fehl­belastungen und Überlastungen beim Tennis zu vermeiden.

Gut zu wissen: das Kreuzband

Das Kreuzband verdankt seinen Namen der Tatsache, dass sich die Bänder im Knie überkreuzen. Es gibt ein vorderes Kreuzband und ein hinteres. Die Aufgabe der Kreuzbänder ist das Kniegelenk zu stabilisieren. Sie verhindern, dass sich Ober- oder Unterschenkel nach vorne oder hinten verschieben. In 90 Prozent der Fälle reißt das vordere Kreuzband, das hintere ist geschützter und daher seltener betroffen.

Unser Experte

Dr. Johannes Holz ist Sportmediziner und Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie im OrthoCentrum Hamburg. Die Praxis liegt direkt neben dem Hamburger Tenniskomplex Rothenbaum. In seiner Freizeit spielt Dr. Holz seit vielen Jahren regelmäßig begeistert Tennis. www.orthocentrum-hamburg.com