Padel-Selbstvesuch

Vollgas im padel-Käfig: tennis MAGAZIN-Redakteur Christian Albrecht Barschel (vorne) nahm einen Crashkurs bei Padel-Fachmann Yannik Mann.

Padel im Selbstversuch: Von Null auf Hundert

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Wie ist es, wenn man das erste Mal Padel spielt? Welche Unterschiede und Parallelen gibt es zum Tennis? Wir testen die neue Trendsportart im Selbstversuch.

Während meiner mehr als 30 Jahre als Tennisspieler durfte ich schon so einiges erleben: ein Duell mit Ex-Profi Nicolas Kiefer, Training beim Weltklasse-Coach Toni Nadal, das Spielen auf traumhaft gelegenen Plätzen sowie völlig verrückte Punktspiele. Doch nach all den Jahren auf dem Platz gibt es ihn noch: den Zauber des ersten Mals. Ich bin in Köln im Stadtteil Lövenich, um eine neue Sportart für mich zu testen: Padel. Das Projekt: ein zweistündiges Training, anschließend ein dreistündiges Turnier. Von Null auf Hundert quasi. Mit Padel bin ich als erfahrener Tennisspieler bislang bloß am Rande in Berührung gekommen – eigentlich nur durch das Schauen von irrwitzigen Ballwechseln auf YouTube. Eine genaue Vorstellung, was mich erwartet, habe ich nicht. Noch nicht.

Es gibt nur eine Griffhaltung, den Kontinentalgriff

Yannik Mann, Deutschlands einziger hauptberuflicher Padel-Trainer und Head Coach der Deutschen Padel Akademie, erwartet mich gut gelaunt zum Crashkurs. Wir verlieren keine Zeit. „Ab in den Käfig“, fordert Yannik mich auf. Der 10×20 Meter große „Käfig“ ist gefüllt mit 3,5 Tonnen Quarzsand auf einem Kunstrasen. Erste Male sind immer etwas Besonderes. Das Gedankenkarussell kreist. Es ist eine Mischung aus Vorfreude und Nervosität. Wie schlage ich mich? Bin ich als geübter Tennisspieler auch sofort ein guter Padel-Spieler? Wie muss ich mich auf dem Platz bewegen und verhalten? Bevor es ans Schlagtraining geht, erklärt mir Yannik die Basics. Wichtig: Der Padel-Schläger wird mit einer Sicherheitsschlaufe an der Hand befestigt. In der Vergangenheit, als ohne Sicherheitsschlaufe gespielt werden durfte, kam es gelegentlich zu Unfällen. Zweiter Tipp: Es gibt nur eine Griffhaltung. „Den Kontinentalgriff, den wir auch Hammergriff nennen, weil wir den Schläger von oben wie einen Hammer greifen“, erklärt Yannik. Er empfiehlt, den Schläger weit unten zu greifen, um mehr Reichweite zu haben und das Handgelenk besser abknicken zu können: Denn: Alles, was beim Padel gemacht wird, geschieht aus dem Handgelenk. Es gibt so gut wie kein Umgreifen. 

Padel-Selbstversuch

Technikschulung: Experte Yannik Mann ­erklärt die ­korrekte ­Griffhaltung, den ­Kontinentalgriff.

Padel ist eine Teamsportart. Mittlerweile gibt es zwar spezielle Plätze fürs Einzel, aber hauptsächlich wird im Doppel gespielt. Bedeutet: Ähnlich wie beim Tennis ist das blinde Verständnis mit seinem Doppelpartner elementar wichtig für den Erfolg. Das Ziel: eine Mauer am Netz zu bilden, an der das gegnerische Team nicht vorbeikommt. Der Padel-Court ist aufgeteilt in drei Zonen: Offensivposition, Übergangsposition und Defensivposition. Anders als beim Tennis ist der Lob kein Verteidigungsschlag, sondern ein Angriffsschlag. Mit dem Lob verfolgt man das Ziel, die Rollen der beiden Doppel zwischen Offensive und Defensive zu tauschen. Nun machen wir uns ans Schlagtraining: Vorhand und Rückhand. Es fällt mir zunächst schwer, den Kontinentalgriff beizubehalten. Ich falle gelegentlich in meinen Vorhandgriff beim Tennis zurück und möchte dem Ball etwas Spin verpassen. Aber: Beim Padel wird in der Regel flach gespielt. Yannik rät mir, ständig im Sidestep zu bleiben. Denn im Padel sind die Abstände deutlich geringer als beim Tennis. Die Vorbereitung kurz halten, lautet die Devise. 

Beidhändige Rückhand als Ausnahme

Als Spieler mit einer beidhändigen Rückhand will ich wissen, ob man auch im Padel die Rückhand mit beiden Händen spielen kann. „Eigentlich wird die Rückhand mit einer Hand gespielt. Du kannst es natürlich auch mit zwei Händen probieren. Manchmal ist es geschickter, beidhändig zu spielen, um mehr Kontrolle zu haben. Einige Padel-Profis greifen in bestimmten Spielsituationen auf die beidhändige Rückhand zurück“, erzählt Yannik. Ich bleibe aber bei der einhändigen Variante. 

Padel-Selbstversuch

Schlagtraining: Die Rückhand wird im Padel fast immer einhändig gespielt.

Die regulären Grundschläge stellen für mich kein Problem dar. Doch nun wird es eine Stufe schwieriger: Wir üben die indirekten Grundschläge, bei denen die Scheiben und die Gitter im Padel-Käfig mit einbezogen werden. Beim Padel ist es so, dass der Ball vorher im Feld aufspringen muss, bevor er die Scheibe oder das Gitter berührt. Fliegt der Ball direkt in die Scheibe oder ins Gitter, landet er im Aus. Die eigenen Scheiben darf man beim Spiel mitbenutzen, das eigene Gitter allerdings nicht. Das Training mit Einsatz der Scheibe, auch Rückwand genannt, kann beginnen. Als erstes üben wir den Schlag Salida de pared, bei dem der Ball von unten nach oben zurückgespielt wird, nachdem er die Scheibe berührt hat. Das Wort pared bedeutet auf Spanisch Wand. Wichtig dabei ist, dass man direkt an der Scheibe steht und die Schlagvorbereitung abgeschlossen ist, sobald der Ball auf dem Boden aufkommt. Die Brust zeigt dabei in Richtung Netz. Ich merke, dass mir dies schon etwas schwerer fällt als die regulären Grundschläge. Der Abstand zum Ball ist selten ideal. Peripheres Sehen ist das Stichwort. Beim Tennis ist dies schon extrem wichtig, beim Padel umso mehr. Als Nächstes üben wir den Offensivschlag Bajada de pared, bei dem der Ball nach dem hohen Scheibenabsprung von oben nach unten mit Slice ins gegnerische Feld gepfeffert wird. 

Netzspiel im Tennis durch Padel verbessern

Nun geht es in Richtung Netz: Volley und Schmetterbälle. Das Spiel am Netz bereitet mir im Tennis immer noch häufig Kopfzerbrechen. Ich bin eher der Typ Konterspieler. Das Gute: Durchs Padel schult man seine Reaktionsfähigkeit enorm, das eigene Tennis, vor allem das Agieren am Netz, wird davon profitieren. „Die Bälle, die auf einen zukommen, scheinen deutlich langsamer zu fliegen, wenn man regelmäßig Padel spielt“, erzählt Yannik, der mir nun auch etwas Taktikschulung mit an die Hand gibt. „Im Padel ist das primäre Ziel, die Netzposition zu erreichen oder zu halten. In der Offensive macht man deutlich mehr Punkte. Winner aus der Defensive zu schlagen, ist im Padel recht schwer.“ Wichtig beim Schmetterball ist nicht die Härte, sondern vor allem die Platzierung –  in Kombination mit Härte. Ein nur hart geschlagener Schmetterball kann sich auch zum Bumerang entwickeln, weil dadurch das gegnerische Team in die Offensive gelangen kann.

Padel-Selbstversuch

Elementarer Schlag: Wer viel Padel spielt, wird auch seinen Volley und seine Reaktionszeit im Tennis verbessern.

Wir spielen ein paar Punkte auf der Hälfte des Feldes aus. Auch wenn ich mich bei den Schlägen sicher fühle, merke ich schnell, wie schwer es ist, einen Punkt gegen einen erfahrenen Padel-Spieler zu gewinnen. Da hilft mir meine jahrelange Tenniserfahrung nicht viel. Vor allem das Spiel mit und gegen die Scheibe bereiten mir Probleme. Als Tennisspieler will ich den Ball lieber aus der Luft nehmen, als abzuwarten, bis der Ball die Scheibe berührt. Yannik begleitet seine Schläge und Punktgewinne immer wieder mit spanischen Anfeuerungsrufen. „Ich habe acht Jahre auf Mallorca gelebt und dort Padel kennen und lieben gelernt. Ich konnte hautnah das Wachstum von Padel in Spanien miterleben“, sagt er. 

Kaum Doppelfehler beim Padel

Zum Abschluss trainieren wir noch den Aufschlag. Im Tennis ist dies trotz der langjährigen Erfahrung meine große Baustelle. Der Vorteil für mich: Der Aufschlag im Padel wird nicht von oben nach unten geschlagen, sondern nach dem Auftippen auf den Boden mit Slice ins Feld gelegt. Doppelfehler im Padel sieht man eher selten. „Serve-and-Volley nach dem Aufschlag ist Pflicht“, ruft mir Yannik zu. Nach zwei Aufschlag- und Returnspielen ist meine knapp zweistündige Trainingseinheit beendet. Yannik meint, dass ich gut gerüstet sei, um wenige Stunden später beim dreistündigen Padel-Turnier mitzuspielen. Die große Herausforderung steht mir noch bevor: Bislang hatte ich meine Platzhälfte für mich alleine. Beim Turnier wird im traditionellen Doppel gespielt. 

Padel-Selbstversuch

Volle Streckung: Beim Padel wird geschmettert, was das Zeug hält. Ein guter Smash ist die Kombination aus Geschwindigkeit und Platzierung.

Auf geht es in den Kölner Stadtteil Weiden zum Padel-Treff. Nacho Gutiérrez, ehemaliger Bundestrainer des Deutschen Padel Nationalteams, erwartet 16 Teilnehmer zum Turnier, 15 erfahrene Padel-Spieler sowie mich, den Neuling. Gespielt wird auf vier Plätzen in jeweils acht Spielrunden mit einer Spielzeit von 15 bis 20 Minuten. Zum Schluss kommt noch eine neunte Spielrunde, die Finalrunde, mit 30 Minuten hinzu. Der Modus: Spielt man sein Doppel beispielsweise auf Court 3 und gewinnt dieses, rückt man mit seinem Doppelpartner auf Court 2 nach vorne auf und spielt im nächsten Match gegen seinen vorherigen Doppelpartner. Verliert man das Match, rückt man einen Court nach hinten bzw. bleibt auf Court 4, wenn man hier bereits zuvor gespielt hat. Der Clou am Format: Es ist spannend, völlig unvorhersehbar und man spielt mit fast allen Teilnehmern entweder miteinander oder gegeneinander. Entscheidend ist nicht nur, wie häufig man seine Doppel gewinnt, sondern auch zu welcher Zeit, um nach acht Spielrunden auf Court 1 zu landen, wo in der neunten Runde das Siegerdoppel bestimmt wird – reichlich verwirrend für mich als Tennis-Medenspieler. 

Feste Positionen auf dem Padel-Court

Ich starte mit meinem ersten Doppelpartner auf Court 2. Es geht zwar gut los mit einer 2:0-Führung, doch am Ende der Spielzeit wird eine Niederlage notiert. Zwar steht der Spaß im Vordergrund, doch mein Ehrgeiz als Punktspieler ist groß. Es geht zurück auf Court 3. Immer wieder merke ich, dass ich noch voll im Tennismodus bin. Ich möchte meine Position als Netzspieler je nach Aufschlagseite meines Partners ändern, bemerke dann aber, dass es im Padel feste Positionen gibt. Bedeutet: Vorher wird geklärt, auf welcher Seite der Spieler steht. Wähle ich die Vorhandseite, bleibe ich auch am Netz auf der Vorhandseite stehen, auch wenn mein Doppelpartner von der Einstandseite serviert.

Punkt um Punkt, Spiel um Spiel, Match um Match. Es passiert so viel in kurzer Zeit. Auf dem Nachbarplatz knallt es plötzlich. Zwei Doppelpartner stoßen bei vollem Einsatz mit den Köpfen zusammen und bleiben einige Augenblicke liegen. Zum Glück geht es für beide nach einer kurzen Pause weiter. Nach knapp fünf Stunden Padel spüre ich immer mehr meinen Körper. Die Ausbeute des Turniers: drei Siege, sechs Niederlagen – ausbaufähig, aber in Ordnung für den ersten Einsatz. Mein Padel-Selbstversuch „Von Null auf Hundert“ ist beendet. Völlig erschöpft, aber zufrieden verlasse ich den Käfig. Tennis und Padel – das ist meine finale Erkenntnis nach Stunden auf em Platz – ergänzen sich super!

Padel-Selbstversuch

Danke Für die Einheit: tM-Redakteur Christian Albrecht Barschel und Yannik Mann.

5 goldene Tipps fürs Padel

• Netzposition halten und erreichen, am besten durch Lob spielen und
hinterherlaufen

• Zwei gegen eins spielen: Mit dem Doppelpartner einen Gegner
beschäftigen und laufen lassen, bis er nicht mehr kann

• Volleys: Flugbälle in die Richtung spielen, in die man sich bewegt 

• Slice spielen: Aufschlag und Grundschläge so flach wie möglich halten

• Überkopfvariationen: Nicht mit voller Power draufhauen beim Schmetterball. Sich Zeit geben, wieder ans Netz zu kommen