Schulter Tennis

Schulterschmerzen: Kampf dem Engpass

Die Schulter schmerzt, die Kraft lässt nach: Viele Tennisspieler kennen das. Denn die Schulter ist ein empfindliches Gelenk, das beim Tennis stark belastet wird. Doch es gibt gute Behandlungsmethoden.

Text: Gabriele Hellwig
Foto: iStock

Mehrere hundert Mal kommt die Schulter beim Match zum Einsatz, im Turnier oft sogar mehrere tausend Mal. Vor allem beim Aufschlag ist die Krafteinwirkung auf das Gelenk sehr groß. Schmetterbälle übers Netz stellen ebenfalls eine enorme Herausforderung für die Schulter dar. 

Das Problem: Die Schulter ist für solche Power eigentlich nicht ausgelegt. Als Kugelgelenk ist sie anders aufgebaut als „normale“ Gelenke im Körper. Ansgar Ilg, Orthopäde und Schulterspezialist im OrthoCentrum Hamburg, erklärt: „Die Gelenkpfanne des Schultergelenks ist deutlich kleiner als der Gelenkkopf. Dadurch besteht nur eine geringe Kontaktfläche und es kann leicht zu einer Instabilität kommen. Der Vorteil dieser Konstruktion ist, dass die Schulter eine große Mobilität besitzt – in einem Kreis von 360 Grad kann sie bewegt werden.“ Damit die Schulter Stabilität besitzt, umgibt ein kräftiger Muskelmantel das Gelenk. Vier Muskeln umspannen den ganzen Oberarmkopf von hinten nach vorne wie eine Manschette und werden demzufolge unter dem Begriff Rotatorenmanschette zusammengefasst. 

Nur Orthopäde kann Ursachen für Schulterschmerzen ermitteln

„Um während einer Armbewegung oberhalb des Kopfes die maximale Leistung zu erzielen, muss ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Bewegungsfreiheit und Stabilität herrschen“, betont Experte Ilg. Ist dies nicht gegeben oder wird die Schulter beim Tennis chronisch überlastet, sind Schulterschmerzen die logische Konsequenz. Es entstehen „funktionelle Störungen“, wie Mediziner sagen. Orthopäde Ilg erklärt: „Durch die ständigen Ausholbewegungen bei Vor- und Rückhand sowie beim Aufschlag wird die vordere Schultergelenkkapsel, die normalerweise den Oberarmkopf optimal in der Gelenkpfanne hält, immer wieder aufgedehnt. Dadurch verschiebt sich der Oberarmkopf nach oben. Dies führt einerseits zu einer Instabilität des Schultergelenks, andererseits entsteht durch die verschobenen Strukturen eine Enge, ein sogenanntes funktionelles Impingement-Syndrom.“ Die Bezeichnung leitet sich vom englischen Wort „to impinge“ ab, was so viel heißt wie auftreffen oder zusammenstoßen.  

Die Folge: Der Engpass bringt die Schulter aus dem Gleichgewicht. Es entstehen nicht nur Schmerzen, sondern es drohen auch Abnutzungserscheinungen an Knochen, Gelenken, Muskeln und Sehnen. Gleichzeitig kann die Enge den Schleimbeutel reizen, der eine Art Dämpfer zwischen dem harten Knochen und weicherem Muskelgewebe in der Schulter bildet. Oft entsteht dann eine schmerzhafte Schleimbeutelentzündung (Bursitis).

Und das ist leider nicht alles: Durch die ständigen Aushol- und Schlagbewegungen kann es zu einer Verdickung der hinteren Gelenkkapsel kommen, die das Impingement-Syndrom nun noch verstärkt. Dadurch wird die Supraspinatussehne – ein Teil der Rotatorenmanschette – hinten oben am Schulterpfannenrand zwischen Schulterpfanne und Oberarmkopf eingeklemmt. Wird trotz Schmerzen weitergespielt, drohen Einrisse oder ein Riss der Supraspinatussehne. Zudem kann es auch zu Schädigungen und Einrissen des Ansatzes der Bizepssehne am oberen Schulterpfannenrand kommen (SLAP-Läsion). Nur ein Orthopäde kann die genaue Ursache für die Schulterschmerzen ermitteln. Nach der Diagnose ist ein sofortiger Therapiebeginn sehr zu empfehlen. 

Die besten Therapien:

Ruhigstellung: Leichte Schmerzen verschwinden oft von selbst, wenn man der Schulter die nötige Ruhe gönnt. Solange Schmerzen bestehen, auf das Training vorübergehend verzichten. 

Medikamente: Um die Schmerzen zu lindern, haben sich nicht-steroidale Anti­rheumatika (NSAR) bewährt. Diese haben eine entzündungshemmende Wirkung und können vor allem bei einer Schleimbeutelentzündung sinnvoll sein.

Kältetherapie: Kälte kann akute Schmerzen lindern und Entzündungen eindämmen. Immer ein Tuch darunterlegen und nicht zu lange den Eisbeutel auf der Schulter platzieren.

Physiotherapie: Wichtigste Behandlungsart bei Schulterproblemen. Mit Hilfe der Physiotherapie werden die Muskeln gekräftigt, die den Oberarm im Gelenk zentrieren und den Raum unter dem Schulterdach vergrößern.

Stoßwellentherapie: Hierbei ­werden hochenergetische Schallwellen auf die schmerzenden Sehnenansätze geleitet. So können Schmerzen reduziert und die Heilung angeregt werden. 

Operation: Ein Sehnenriss muss operiert werden, denn er heilt nicht von allein. „Ist die Sehne gerissen, wird sie mit einem speziellen Faden und einer besonderen Nahttechnik wieder stabil zusammengenäht und am Oberarmkopf mit kleinen resorbierbaren Knochendübeln fixiert. Eine geschädigte Bizepssehne kann ähnlich befestigt werden“, erklärt Ilg. Meist kommt die Schlüssellochtechnik zum Einsatz. Vorteil ist, dass nur kleine Hautschnitte notwendig sind und anschließend alles schnell verheilt. 

Vorbeugen ist möglich

„Um Überlastungen in der Schulter vorzubeugen und das Verletzungsrisiko zu senken, sind frühe Gegenmaßnahmen wichtig. Es sollte vor allem auf die Kräftigung der Rotatorenmanschette, der Schulterblattstabilisatoren sowie der Außenrotatoren ankommen, um muskulären Dysbalancen vorzubeugen. Damit bleibt die Schulter auf Dauer stabil, sagt Ilg. Hier seine Tipps für eine schmerzfreie Schulter:  
– Vor dem Spiel genug Zeit nehmen, um sich richtig aufzuwärmen. Gut sind beispielsweise Armkreisen, Rotationsübungen der Wirbelsäule und leichte Dehnübungen sowie Übungen mit dem Theraband, um die Schulter auf bevorstehende Belastungen vorzubereiten. 
– Ausgewogen trainieren. Eine ständige Überlastung und ein einseitiges Training sollten vermieden werden.
– Die Beweglichkeit der Wirbelsäule ebenfalls trainieren. Sonst muss die Schulter auf Dauer die mangelnde Beweglichkeit der Wirbelsäule kompensieren.
– Die ersten Aufschläge noch nicht voll durchziehen, warten bis die Muskulatur warm ist.
– Auf eine saubere Technik achten. Gegebenenfalls einen Trainer bitten, die richtige Technik noch einmal zu erklären und beim Tennisspiel zu überprüfen.
– Das richtige Equipment nutzen. So muss beispielsweise der Griff des Tennisschlägers zu der Handgröße des Spielers und die Härte der Besaitung zum Schläger passen.
– Regelmäßig leichtes Krafttraining für Beine, Hüfte, Wirbelsäule und Schulter durchführen oder mit leichten Hanteln üben, am besten unter Aufsicht eines Trainers.
– Regelmäßige Pausen machen, damit sich der Körper erholen kann.