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Training mit Klaus Hofsäss

Es gibt die unterschiedlichsten Möglichkeiten, wie Sie Ihren Gegner mit dem Service in Schwierigkeiten bringen können. Gute Aufschläger versuchen natürlich häufig, den Punkt direkt mit einem Ass oder mit einem Servicewinner zu machen. Sie können den Gegner aber auch mit taktischen Aufschlägen in Bedrängnis bringen. Eine äußerst effektive Variante ist der Kickaufschlag. Dabei wird der Ball mit sehr viel Schnitt in hohem Bogen über das Netz geschlagen. Der Vorteil des Kickaufschlags: Der Ball springt relativ hoch ab, und der Gegner hat große Mühe, ihn kontrolliert und mit Tempo zurückzuspielen. In unserer Trainingsübung möchte ich Ihnen zeigen, wie Sie den Gegner mit einem Kickaufschlag und einem anschließenden Stoppball so unter Druck setzen können, dass er keine Chance mehr hat, den Ballwechsel für sich zu entscheiden.

Das ist die Spielsituation: Spieler A (mit dem roten Pullover) schlägt von der Vorteilsseite auf. Spieler B (graues Tennisshirt) befindet sich in seiner linken Ecke und erwartet den Ball. Christian wählt die Variante mit dem Kickaufschlag und serviert den Ball mit Tempo und starkem Drall auf die Rückhand seines Trainingspartners (Galerie Bild 1).
Bei der Ausführung dieses Aufschlags sind zwei Dinge zu beachten: Im Gegensatz zum Sliceaufschlag wird der Ball nicht nach rechts geworfen, sondern weiter in Richtung Mitte (bei Rechtshändern). Besonders wichtig ist es, den Ball von unten zu treffen und mit Vorwärts-Drall zu spielen.

Um den technisch anspruchsvollen Kickaufschlag in den Griff zu bekommen, habe ich einen Tipp zum Üben: Stellen Sie sich dicht vor einen hohen Zaun neben dem Tennisplatz und versuchen Sie, den Ball mit Spin über den Zaun zu spielen. Achten Sie darauf,  dass Sie den Ball von unten nach oben schlagen. Zu Beginn werden die Bälle wahrscheinlich häufig im Zaun landen, aber je besser Sie die Schlagbewegung von  unten nach oben hinbekommen, desto schneller Schlagen Sie den Ball über das hohe Hindernis.

Beim Kickaufschlag springt der Ball hoch ab

Durch den starken Vorwärtsdrall springt der Ball extrem hoch ab und treibt Spieler B aus dem Feld (Galerie Bild 2). Das Problem für jeden Spieler ist, dass man den Kickaufschlag nicht locker aus der gewohnten Stellung heraus zurückspielen kann. Man muss die Bälle in Schulterhöhe annehmen und von oben nach unten schlagen. Von dieser Höhe ist es fast unmöglich, einen Topspin zu schlagen. Deshalb fliegen diese Returns selbst bei guten Spielern  oft direkt ins Netz oder landen im Halbfeld des Aufschlägers. Der Returnspieler kann also nur defensiv auf den Kickaufschlag reagieren wie unser Beispiel zeigt.

Spieler A hat erkannt, dass sein Gegner Schwierigkeiten mit dem Return hat und bewegt sich daraufhin sofort ins Feld hinein (Galerie Bild 2). Spieler B  macht unmittelbar nach dem Return eine Drehung und versucht, schnell zurück in die Mitte zu laufen, um den Platz abzudecken (Galerie Bild 3). Er will auf jeden Fall vermeiden, dass Christian ihn mit einer Vorhand longline ins offene Feld ausspielt. Bereits zu diesem Zeitpunkt ist der angreifende Spieler eindeutig im Vorteil. Er kann die Situation bestimmen, und der Gegner kann nur wenn überhaupt reagieren.

Man braucht gute Beine für das offensive Spiel

Das Bild 4 auf dieser Seite verdeutlicht  den entscheidenden Moment des Ballwechsels. Spieler A befindet sich direkt an seiner Außenlinie auf der linken Seite. Diese Position erlaubt ihm, zwischen zwei Varianten zu wählen und den Gegner zu täuschen.

Variante 1: Er kann die Rückhand umlaufen und den Ball mit einer Topspinvorhand die Linie entlang ins gegnerische Feld spielen. Selbst wenn Spieler B den Ball an der Grundlinie erreichen würde, könnte er ihn wahrscheinlich nur mit viel Mühe übers Netz zurückbringen, und der Angreifer hätte leichtes Spiel, mit einem Volley den Punkt zu gewinnen.

Variante 2: Christian entscheidet sich für den Überraschungs-Schlag. Er spielt nicht den erwarteten Longlineball ins offene Feld, sondern er zwirbelt einen Stoppball cross über das Netz. Oliver muss deshalb seinen ursprünglichen Laufweg zur Mitte der Grundlinie abbrechen und sich nach vorne bewegen. Das abrupte Verlagern des Körpergewichts kostet den Returnspieler natürlich etwas Zeit. Diese Zeitverzögerung sorgt allerdings schon dafür, dass er es nicht mehr schafft, optimal an den Ball zu kommen.

Beim Stopp ist grundsätzlich Folgendes zu beachten: Man darf dem Gegner nicht verraten, dass man einen kurzen Ball spielen will. Wenn er den Plan durchschaut, kann er ihn erlaufen und mit einem Passierball kontern. Beim perfekten Stopp macht man zuerst eine normale Ausholbewegung, so als wolle man eine Vorhand spielen. Erst direkt  vor dem Treffmoment macht man die kurze Bewegung mit dem Handgelenk und spielt den Ball mit viel Unterschnitt. So fällt der Ball hinter dem Netz wie ein Stein herunter.

Eines möchte ich noch erwähnen. Für das Spiel nach vorn braucht man gute Beine. Das bedeutet, dass man das kurze schnelle Antreten in Richtung Netz regelmäßig ins persönliche Trainingsprogramm einbinden sollte. Nur so hat man die Chance, sich optimal auf den zu kurz geratenen Ball des Gegners einzustellen und die Situation für sich zu nutzen. Ein letzter Tipp: Beobachten Sie einmal in den nächsten Wochen bei den Profiturnieren in Deutschland die südamerikanischen Spieler. Die verstehen es, die Gegner mit ihren gefühlvollen Stoppbällen zur Verzweiflung zu bringen.
Hofsäss Tennis College
Die Anlage liegt in den Bergen oberhalb von Marbella in Spanien. Eine Woche Training ganztags kostet 500,- E pro Person, halbtags 300,- E. Eine Woche Tenniscamp (Übernachtung und Training) für Kinder und Jugendliche kostet 750,- E, für Erwachsene 1490,- E.  Anfragen unter Tel: 0034-95 28 35-812, Fax: 0034-95 28 35-649,
E-mail: booking@hofsaesstennis.com,
Internet: www.hofsaesstennis.com.
16 Jahre lang Fedcup-Coach. Betreute drei Jahre das Mercedes Junior-Team. Seit 1984 leitet er das Tennis College Hofsäss in Marbella.