Kenia – Bidi Badu

Fotoshooting mit Bidi Badu: Farbenfrohes Kenia

Auf dem Vormarsch: Die ­Modemarke Bidi Badu hat sich in kürzester Zeit auf dem ­Tennismarkt etabliert. Für das Shooting der ­Frühjahrskollektion reiste tennis MAGAZIN mit nach ­Kenia – das Land, dem die Marke ihrem ­Namen zu ­verdanken hat. Wir haben die ­Gelegenheit genutzt, um zu ergründen, wie Tennis in Afrika funktioniert.

Sanft rauschen die Wellen an den weißen Strand, aus den Lautsprechern klingt Reggae-Musik und nur ein paar Kokosnuss-Palmen spenden etwas Schatten vor den glühend heißen Sonnenstrahlen. Willkommen an der kenianischen Küste am Indischen Ozean. Hier am Diani Beach entstand 2015 die Idee für die Tennis-Modemarke Bidi Badu. Im ­europäischen Spätsommer 2018 dient der Ort und dessen ­Umgebung für ein großes Shooting des ­hippen Labels, bei dem auch ­tennis ­MAGAZIN dabei war, um den Zauber ­Kenias selbst ­kennenzulernen.

Christian Korte, Marketing-Chef bei Bidi Badu, steht in Shorts und Flipflops am Strand und sagt: „Viele Kenianer leben im Hier und Jetzt. Und das ist manchmal einfacher, als sich viele Gedanken zu machen.“ Diese ­Lockerheit und Lebensfreude will Bidi Badu vermitteln. Pinke Trikots, neongrüne Shorts, wilde Muster – für den Rasen von Wimbledon sind die Kollektionen nicht gemacht. 

Coole Typen auf dem Court kann man in den vielen Nationalparks Kenia entdecken.

„Wir wollen mehr Farbe und einen neuen Lifestlye in die steife und leicht verkrustete Tennisbranche bringen“, erklärt Korte. Mit seinem farbenfrohen Stil hat sich Bidi Badu nach dem Launch im März 2016 schnell auf dem deutschsprachigen Markt etabliert. „Natürlich gibt es immer eine gewisse Unsicherheit, wenn man als Marke neu auf den Markt kommt“, gesteht Korte. „Wir hatten aber ein gutes Gefühl, dass wir eine Nische treffen.“

Benannt wurde die Marke nach einer kenianischen Beach Bar names „Bidi Badu“. Am späten Abend pulsiert hier das Nacht­leben. Auf einer kleinen Bühne tanzt ein Mann mit Schild, Speer und traditioneller Kriegsbemalung zu typisch afrikanischen Klängen. Am Strand zeigen Straßenkünstler Tricks mit brennenden Fackeln, balancieren Flaschen auf ihren Köpfen oder führen artistische Kunststücke vor.

Afrikanisches Lebensgefühl

 „Ich möchte das echte afrikanische Lebensgefühl vermitteln“, sagt Hashem Omar, der Besitzer der Bar. Angefangen hat er 2011 mit zwei klapprigen Tischen am Strand. Mittlerweile kommen jeden Abend ungefähr 100 Menschen in seine Strandbar. Omar schafft es, immer in Kontakt mit seinen Gästen zu sein. Er kocht, trinkt und tanzt mit ihnen. Ein Aufenthalt in seiner Bar soll immer ein bisschen magisch sein. „Das Wort Bidi Badu bedeutet soviel wie Abrakadabra“, erklärt er. „Während der Zeit des Sklavenhandels mussten die Sklaven auf Sansibar abends immer den Sultan mit Zaubertricks unterhalten. Und als sie ihre Tricks vorgeführt hatten, ­sagten sie dann Bidi Badu.“

Das Modelabel will diese Magie und die afrikanischen Wurzeln in seiner Arbeit mit aufnehmen. Für das Shooting zur aktuellen Kollektionen engagierte Bidi Badu zwei ­kenianische Models und einen einheimischen Fotoassistenten. „Wir wollen die ­Leute vor Ort in die Produktion integrieren und ein cooles, authentisches Shooting auf die Beine stellen“, erläutert Korte. Sprachbarrieren sind dabei in Kenia kein Problem. Denn Englisch ist in der ehemaligen britischen Kronkolonie weiterhin eine der Amtssprachen. Viele Kenianer wachsen zweisprachig auf und sprechen sowohl Swaheli als auch fließend Englisch. 

Schön warm: Auch an der Küste Kenias sinkt das Thermometer selten unter 30 Grad.

Tobias Musyoka lebt und arbeitet als Fotograf in Mombasa. Die Stadt, etwa eine Autostunde vom Diani Beach entfernt, ist mit knapp einer Millionen Einwohner die zweitgrößte Kenias. Er hilft Fotograf Robin Kater bei der Belichtung. Es ist das erste Mal, dass er mit einer europäischen Crew zusammenarbeitet. „Tobias war gut auf Zack und sehr wissbegierig“, lobt Kater seinen Assistenten. 

Kenia mehr als ein Marketing-Instrument

Kenia ist für Bidi Badu viel mehr als nur ein schnödes Marketing-Instrument. Die Marke will sich vor Ort engagieren und den Tennissport stärken. Das zeigt sich nicht nur beim Shooting. Langfristiges Ziel ist es, ein „Bidi Badu Development Camp“ mit mehreren Tenniscourts aufzubauen. Dabei sollen gezielt Kinder aus dem Slums geholt und ans Tennis herangeführt werden. Auch die schulische Bildung der Straßenkinder soll dabei gefördert werden. Bislang ist das Projekt noch eine Idee. Die Marke hat aber bereits konkrete Vorstellungen, wie es finanziert werden könnte. Erste Gespräche über mögliche Kooperationen mit dem kenianischen Tennisverband haben bereits stattgefunden.

Der ehemalige kenianische Davis Cup-Spieler Fazal Khan weiß aus eigener Erfahrung, wie sehr Tennis eine Stütze für Straßenkinder sein kann. Schließlich ist er selbst in den Slums von Mombasa aufgewachsen. „Wenn man nur in den Straßen rumhängt, wird man irgendwann zum Dieb, weil das Leben von Tag zu Tag härter wird“, sagt Fazal. Durch Tennis habe er Disziplin und Ehrgeiz entwickelt. 

Strandurlaub: Das Bidi Badu Beach Resort bietet mit wenigen Zimmern eine entspannte Atmosphäre – ein wunderbarer Meerblick inklusive.

Die Geschichte von Fazal beginnt in ­Likoni, einem Viertel von Mombasa, das von den Bewohnern nur „Dark City“ genannt wird. „Es gibt dort keine Elektrizität und abends kein Licht. Wir hatten nur ein paar Kerzen“, erinnert er sich. In dem von Armut und Kriminalität geplagten Viertel wächst Fazal gemeinsam mit seinen Cousins und Cousinen bei seiner Tante auf. An seine Eltern kann er sich kaum erinnern, denn sie kamen bei einem Fähr­unglück ums Leben, als Fazal vier Jahre alt war. 

Früh muss er sein eigenes Geld verdienen. Fazil fängt an, im Mombasa Sports Club als Balljunge auf den Tennisplätzen zu arbeiten. „Es war nur kleines Geld, was ich verdient habe, aber dadurch bin ich erstmals mit ­Tennis in Kontakt gekommen“, erzählt Fazal. Manchmal drücken ihm die Spieler einen Tennisschläger in die Hand und lassen ihn ein paar Bälle schlagen. Als ihm ein Mitglied des Clubs seinen alten Schläger schenkt, gibt es für Fazal kein Halten mehr. „Von da an bin ich immer schon früh zum Club ­gelaufen und habe Bälle gegen eine Wand gespielt. Die Mitglieder haben mir dann auch ein paar Grundlagen beigebracht.“

Mit Stipendium nach Pretoria

Als unbekannter Außenseiter spielt er sein erstes Turnier – und gewinnt es über­raschend. Der Club fängt an, ihn zu sponsern und bezahlt ihm Schläger, Saiten und Bälle. Er spielt Nachwuchsturniere in ganz Kenia. Mit 14 Jahren ist der Junge aus dem Ghetto der beste kenianische Spieler seiner Altersklasse. Als Jugendlicher kann er mit Hilfe eines Stipendiums ein halbes Jahr am „High Performance Center“ im südafrikanischen Pretoria unter professionellen Bedingungen trainieren. Dort wurden viele afrikanische Tennistalente geschliffen – unter anderem auch der junge Kevin Anderson. Nach seiner Rückkehr nach Kenia gewinnt Fazal bei einem Future-Turnier in Mombasa seinen ersten Weltranglistenpunkt. Kurz darauf gibt er sein Debüt für das kenianische Davis Cup-Team. 

Doch wie bei vielen kenianischen Talenten kommt es mit dem Einstieg ins Erwachsenenlevel zum Bruch. „Es ist unmöglich besser zu werden, wenn man keine Turniere mehr spielen kann“, klagt Fazal. „Ich hätte Turniere in Marokko, Tunesien oder Tansania spielen müssen, um Spielpraxis zu sammeln. Aber wenn ich zu einem Turnier fahre, muss ich die Reise, mein Hotel, meine Saiten und alles andere selbst bezahlen“, beschreibt er die schwierige Situation. Das ­seien Aus­gaben, die sich nur Spieler aus ­reichen ­Familien leisten könnten. 

Turnierkosten übernimmt der kenianische Tennisverband nur für Davis Cup-Begegnungen oder für die „All African Games“, wo die Spieler für ihr Land antreten. Mit nun 31 Jahren gehört Fazal nicht mehr zur nationalen Spitze und spielt auch nicht mehr für das Davis Cup-Team. Jüngere Spieler wie sein Cousin Ismael Changawa bestimmen das Bild des kenianischen Tennis. Fazal verdient sein Geld nun als Trainer. 

Tennisplätze in Kenia in privater Hand

Francis Mutuku weiß, wie hart die Bedingungen für Tennisspieler in Kenia sind. Seit fünfzehn Jahren arbeitet er für den kenianischen Tennisverband. Derzeit verantwortet er den Bereich Spieler-Entwicklung. „Wir unterstützen die Spieler intensiv, bis sie 18 Jahre alt sind. Bis dahin müssen sie den Durchbruch geschafft haben“, erklärt er. „Wenn wir mehr Geld in 19- oder 20-Jährige stecken, haben wir weniger Geld für Kinder und Jugendliche zur Verfügung. Eine der Lektionen, die wir in den letzten Jahren gelernt haben, ist es, noch mehr auf die schulischen Leistungen unserer Talente zu achten“, betont der Nachwuchskoordinator. Zwei aktuelle kenianische Davis Cup-Spieler hatten die Chance, ein Stipendium an einem US-College zu bekommen, allerdings waren ihre schulischen Leistungen zu schlecht für die Zulassung.

Kenianisches Duo: Fazal Khan (li.) hat den Sprung aus den Slums von Mombasa geschafft – dank Tennis. Francis Mutuku (r.) arbeitet für den kenianischen Tennisverband.

Wer wie Fazal den Sprung auf ein College nicht schafft, steht vor einem großen Problem. „Fast alle Tennisplätze in Kenia gehören zu privaten Clubs oder Hotels“, erklärt Mutuku. Die Mitgliedschaft in solchen Clubs ist teuer und für viele Kenianer nicht bezahlbar. „Vor allem nicht für einen 18-Jährigen aus ärmlichen Verhältnissen, der gerade erst die Schule verlassen hat.“

Zumindest in der Hauptstadt Nairobi könnten sich die Trainingsmöglichkeiten für Tennisspieler in naher Zukunft verbessern. Bei einem Besuch von ITF-Präsident David Haggerty im vergangenen April kündigte der kenianische Staatspräsident Uhuru Kenyatta den Bau einer großen Tennisanlage mit 24 Courts an. Finanziert wird der Bau durch den Staat Kenia, Zuschüssen des Tennis-Weltverbandes und Sponsorengeldern. „Jeder, der Tennis spielen möchte, wird Zugang zu diesen Courts haben“, freut sich Mutuku. „Es werden die allerersten öffentlichen Tennisplätze in Kenia sein.“

Davis Cup-Reform wird in Kenia begrüßt

Die Davis Cup-Reform wird in Kenia freudig begrüßt. Schließlich können sich die Entwicklungsländer ab dem kommenden Jahr über höhere Fördergelder freuen. Nach der aktuellen Reform wird es zukünftig eine Antrittsprämie geben, was die Reisen für die kleinen afrikanischen Verbände deutlich bezahlbarer macht. „Dieses Jahr haben wir das Davis Cup-Turnier der Afrika-Gruppe ausgerichtet und fünf Länder konnten aufgrund von finanziellen Problemen nicht dabei sein”, sagt Mutuku. Kenia verzichtete 2014 und 2015 aus ­finanziellen Gründen auf den Davis Cup. 

Berühmter Namensvetter: tM-Mitarbeiter Sebastian Seidl und das Kamel Obama, benannt nach dem US-Präsidenten, dessen Wurzeln in Kenia liegen.

Für Fazal kommt der leichte Aufschwung im kenianischen Tennis etwas zu spät. Sein Cousin Ismael Changawa profitiert aber von den zusätzlichen Einnahmen des Verbandes. „Wir können die Spieler jetzt besser unterstützen, damit sie gut vorbereitet am Davis Cup teilnehmen können“, erläutert Mutuku. Vor den Davis Cup-Spielen im vergangenen Jahr half der Verband den Spielern dabei, zwei Future-Turniere in Uganda spielen zu können. Er bezahlte ihnen die Anreise und übernahm einen Teil der Übernachtungskosten. „Als Fazal Davis Cup gespielt hat, war so etwas undenkbar”, vergleicht Mutuku. Die Spieler zahlten das Vertrauen zurück und setzten sich beim Davis Cup-Turnier in Nairobi gegen Mosambik, Algerien, Uganda und Benin durch. Dem kenianischen Team gelang der Aufstieg in die dritthöchste Davis Cup-Gruppe. Ismael Changawa steuerte drei Einzelsiege bei und holte im Aufstiegspiel gegen Benin den entscheidenden Punkt im Doppel. 

Während Changawa sportlich auftrumpft, versucht Fazal, Straßenkindern den gleichen Weg, den er und sein Cousin gegangen sind, zu ermöglichen. Seit einiger Zeit trainiert er mit Kindern aus den Slums von Mombasa. Wenn es gut läuft, kann er das bald ­unter ­professionellen Bedingungen machen – im „Development Camp“ von Bidi Badu.