Robinson Club Jandia Playa

Robinson Club Jandia Playa: Doppelt stark

Wer im Robinson Club Jandia Playa urlaubt, wird nicht nur von morgens bis abends verwöhnt, man kann sich in der clubeigenen Soysal-Tennisschule auch wunderbar quälen lassen. Als Dank gibt es eine goldene Uhr geschenkt.

Um das Rätsel gleich aufzulösen. Nein, man bekommt natürlich keine goldene Uhr geschenkt. Beschenkt wird man anders: mit perfekt mildem Klima, Sonne, Sand, Strand, einem Blick vom 40 Meter hohen „Torre“ Richtung Meer, der angesichts der verschiedenen Blau-Grün-Töne süchtig macht, einer Speisekarte vom Hummer zum Dinner bis zur Currywurst als Mitternachtssnack – und mit sehr kreativem Tennistraining.

Tony Soysal steht auf Platz 2 der Tennisanlage des Robinson Clubs Jandia Playa. Der 42-jährige Coach hat sich für den Reporter etwas Besonderes überlegt. „Ich habe mir nach unserem gestrigen Training Gedanken gemacht“, spricht er mit seiner Reibeisenstimme, die irgendwo zwischen Joe Cocker und Rio Reiser liegt. Dann zückt er einen schwarzen Eddingstift, greift sich mein rechtes Handgelenk und malt eine Uhr drauf. Dabei sagt er: „Das ist die goldene Uhr meines Großvaters. Die schenke ich dir. Halte sie in Ehren.“ Anschließend soll ich eine Vorhand demonstrieren – ausholen, den imaginären Ball treffen und durchschwingen. Erst wenn das Handgelenk am Ohr angekommen ist und dort verharrt, ist der Schlag fertig ausgeführt. Tony sagt: „Ich will, dass du die Uhr ticken hörst.“

Robinson Club Jandia Playa

farbenspiel wie in der karibik: Den Strand von Jandia schloss schon Ex-Bundeskanzler Willy Brandt in sein Herz. Seine Statue mit Hund steht direkt vor dem Robinson Club.

Der Effekt ist phänomenal. Am Tag zuvor fehlte mir die Länge. Jetzt hat Soysal noch ein zusätzliches Netz auf seiner T-Linie aufgestellt. Die Aufgabe: den Ball über beide Netze nah an die gegnerische Grundlinie zu befördern. Wir schlagen zwei Körbe Bälle, nur eine Filzkugel landet im Netz. „Siehst du“, grinst Tony, „morgen kümmern wir uns um deine Atmung.“

Jeden Tennisgast genau da abholen, wo er steht, und sein Tennis weiterentwickeln, lautet das Motto der Soysal-Tennisschule, die schon mehrfach etwa für das weltweit beste Tenniskonzept ausgezeichnet wurde. Mit Leben füllen es Tony und sein Bruder Erkan (47). Er steht gerade auf Platz 1 und übt mit einem Könner dessen Rückhand. Bei jedem Schlag stept der Schüler auf ein rund zehn Zentimeter hohes, kaum mehr als fußbreites Podest und zieht durch. Es geht darum, im Gleichgewicht zu bleiben. Eigentlich betreibt Erkan die Tennisschule im Jandia Playa und Tony die im Robinson Club Cala Serena auf Mallorca. Aber jetzt hilft Tony beim älteren Bruder aus.

Als kongeniales Doppel sind sie ohnehin unschlagbar – Tony, der stets in großen Dimensionen denkt, und der zurückhaltendere, nachdenklichere Erkan. Zu zweit schaffen sie diese besondere Atmosphäre, die jeden noch auf der Terrasse mit den Korbsesseln verweilen lässt, wenn das Bälleschlagen längst beendet ist. Dann sitzt man etwa mit „Weizen-Michi“ da, sieht wie die Sonne als großer, blutorangener Ball untergeht und plaudert über alte Boris Becker-Zeiten. „Weizen-Michi“ trinkt gerne nach den Matches ein – Sie wissen schon. Aber er trifft vor allem die Kugel richtig gut, reist zu Seniorenturnieren und kommt immer wieder ins Jandia Playa – für Doppelmatches und aus alter Verbundenheit. 

In der Tennisszene sind die Soysals berühmt und das hat eine Menge mit „Wetten, dass…?“ zu tun. Dort trat bereits Vater Ali Anfang der 80er-Jahre auf. Er schaffte es, 26 Bälle in einer Hand zu halten. Rund 20 Jahre später fing Erkan bei einer Wette in einer Stierkampfarena in der Türkei einen Ball per Schläger auf, der aus 150 Meter von einem Hügel serviert wurde. Da schalteten beim ZDF zwölf Millionen Menschen ein. „Die Wette ist übrigens hier entstanden“, sagt Tony und deutet auf den Torre. 

Robinson Club Jandia Playa

Fun-Doppel: Zur Einweihung des Clubs spielten Nicolas Kiefer (vorne) und Gerald Asamoah ein Doppel gegen Marc-Kevin Goellner und Bernd Flessner (16-facher deutscher Meister im Windsurfen).

Torre? So heißt das zehn Stockwerke hohe Gebäude mitten im Robinson Club Jandia Playa. Normalerweise stellt man sich unter einem Torre, einem Turm, etwas Höheres vor. Aber zum einen ist der Torre für kanarische Verhältnisse wirklich hoch. Zum anderen wurde er in den 60er-Jahren gebaut, als hier noch nichts anderes stand und der Tourismus in diesem südlichen Flecken der zweitgrößten Kanareninsel nicht existent war.

Im Dezember 2018 wurde der Torre und der ganze Club Jandia Playa nach elf Monaten Bauphase neu eröffnet. Den alten Torre riss man ab, der neue ist ein Designtempel aus Beton, Stahl, Glas und Holz. Fährt man per Lift nach ganz oben, bietet sich einem ein phänomenaler Ausblick direkt aufs Meer bei chilliger Musik, die von der gediegenen Bar herüberschallt. Wandert man mit den Augen nach rechts, sieht man grüne Kleckse unter Palmen – die Tennisplätze!

Robinson Club Jandia Playa

Hat Spaß gemacht: Tony (li.) und Erkan
Soysal tragen tM-Chefredakteur Andrej Antic auf Händen.