Swiss Club Singapur

Serve & Drive: Tag 2 – Nur Federer fehlt noch im Swiss Club

Ein Road Trip durch Singapur – auch wenn die Wege auf der Halbinsel kurz sind. tennis MAGAZIN steuert rund um die Damen-WM im Singapur Stadium verschiedene Ziele an: die Hotspots der City, Public Courts und Private Clubs. Am zweiten Tag sind wir im Swiss Club zu Gast.

8 Uhr morgens in der Downtown von Singapur. Die Sonne lässt sich sehen, was in diesen Tagen eher selten ist. Und schon fühlen sich die 31 Grad noch etwas heißer an. Die erste Jetlag-geplagte Nacht liegt hinter dem Reporterteam von tennis MAGAZIN. Heute heißt das Ziel: Swiss Club.

Zunächst geht es mit dem Taxi zum lokalen Porsche-Händler. Wir holen den Wagen ab, der uns in den nächsten Tagen bei der Entdeckung der 5,8-Millionen-Metropole als fahrbarer Untersatz dient – ein 718 Boxter S Cabrio. Farbe: graphitblaumetallic. 350 PS wummern unter der Haube. In 4,2 Sekunden beschleunigt der Flitzer auf 100 km/h. 285 Kilometer pro Stunde ist die maximale Geschwindigkeit.

Singapur im Blick: Chefredakteur Andrej Antic im Porsche 718 Boxter S Cabrio.

Aber das ist Utopie. Wir sind in der City. Auf den größeren Straßen beträgt die Höchstgeschwindigkeit 70 km/h, auf den Teilen der Stadtautobahn, auf denen wir unterwegs sind, 90 km/h. Daran sollte man sich halten. Die Gesetze im Stadtstaat sind strikt. Legendär ist das Kaugummi-Verbot. In ganz Singapur kann man keins kaufen – verrückt. Wer es theoretisch auf den Boden spuckt, zahlt rund 500 Singapur Dollar.

Wir fahren vorsichtig. Denn: In der ehemaligen britischen Kolonie gilt Linksverkehr. Man steigt auch gerne mal auf der falschen Seite ein.

Singapur ist flächenmäßig der kleinste Staat in Südost-Asien.

Das Navi bringt uns durch den dichten Verkehr ans Ziel. Der Swiss Club liegt auf einem Hügel, dicht an einem tropischen Wald. „Wir bekommen manchmal Besuch von Affen und Schlangen”, sagt General Manager Carsten Kjeldmann und grinst.

Der Däne erzählt uns die Geschichte des Clubs, der in ein paar Jahren seinen 150. Geburtstag feiert. Der Swiss Club ist einer der größeren Private Clubs in Singapur, hat rund 1.300 Mitglieder, von denen etwa 350 auf fünf Kunstrasenplätzen Tennis spielen. „Tennis ist eine unserer Hauptsportarten”, sagt Kjeldmann. Seit 25 Jahren lebt er in Südost-Asien, seit rund zwei Jahren ist er Clubchef. Neben Tennis gibt es ein Schwimmprogramm, Fitness, Karate, Fußball und andere Aktivitäten.

Klassische Tennisclubs wie in Deutschland existieren in Singapur nicht. Es gibt öffentliche Anlagen – Public Courts – und die privaten Clubs, die in der Regel sogenannte Social-Clubs sind, in denen die Mitglieder und ihre Familien das Clubleben und die diversen Aktivitäten genießen. In der Nähe gibt es auch den British Club und den Dutch Club, die ähnlich funktionieren.

Clubteams spielen in Singapur nicht gegeneinander – die ambitionierteren Spieler sind in in der Singapore Tennis Association organisiert. Dort gibt es Ranglisten, Turniere, Ligen. Die Damen beispielsweise spielen ihre Matches in der WITS – Women’s International Tennis Singapore. Meist auf Hartplatz, rote Asche wie in Europa gibt es kaum.

Im Swiss Club sind kurz vor der Mittagspause alle Courts besetzt. Coach Pierre, ein Franzose, trainiert gerade ein paar Jugendliche, während uns Kjeldmann über die schmucke Anlage mit der üppigen Vegetation führt. Vor dem Clubhaus im Kolionalstil stehen einige weiß-schwarze Kuhattrappen – fast in Originalgröße. Klar, wir sind im Swiss Club. An allen Gebäuden prangt auch das rot-weiße Wappen.

Elitär: Wer Mitglied im Swiss Club werden möchte, muss tief in die Tasche greifen.

„Allerdings ist die Zahl der Schweizer im Laufe der Zeit immer weiter zurückgegangen. Früher waren es hundert Prozent”, sagt Kjeldmann. Mittlerweile stammen die Mitglieder aus rund 20 Nationen. Die meisten – je rund 20 Prozent – sind Schweizer und Deutsche. Die schweizer Schule liegt direkt hinter dem Pool, die deutsche einige hundert Meter weiter.

Das Paradies für Kinder und Erwachsenehat auch seinen Preis. Die Aufnahmegebühr startet bei rund 6.400 Singapur Dollar, etwa 4.000 Euro. Dazu kommt der Monatsbeitrag und andere Fees. Wer bei Pierre eine Tennisstunde bucht, zahlt 95 Singapur Dollar.

Wohlgemerkt, wenn er Mitglied ist. Wer das nicht ist, hat keinen Zutritt zu dem Gelände, vor dem ein Wärterhäuschen mit Schranken steht.

Als Martina Hingis vor zwei Jahren den Club besuchte, war sie natürlich herzlich willkommen. Die Schweizerin spielte zu der Zeit beim Saisonfinale im etwa 30 Autominuten entfernten Stadion ihr allerletztes Turnier – im Swiss Club zelebrierte sie Show-Tennis. „Sie wollte eigentlich nur kurz kommen, blieb aber dann drei Stunden”, erzählt Kjeldmann.

Sein Wunsch: einmal Roger Federer im Swiss Club begrüßen zu können. „Vielleicht schaffen wir es, unsere Kontakte zur schweizer Botschaft sind gut”, sagt der Däne.

Affen, Schlangen, eine malerische Anlage am Rande eines tropischen Regenwalds, Hingis, Federer – der Besuch im Swiss Club hat sich gelohnt.

Es ist 16 Uhr, wir haben noch ein paar Bälle geschlagen – auf geht es zur Damen-WM! Das Gute: Man kann tagsüber viel erleben in Singapur und sich am Abend die Matches von Muguruza & Co. im Singapore Tennis Stadium ansehen. Die beginnt gerade, während der Autor diese Zeilen schreibt, ihr Match gegen Venus Williams – die Siegerin wird am Samstag im Halbfinale stehen.