Michael Lammer

Michael Lammer ist Headcoach Nachwuchsförderung bei Swiss Tennis.Bild: Freshfocus

Karriere im Doppel – mehr als nur Plan B?

Das Beispiel von Jakub Paul zeigt, auch eine Karriere als Doppelspieler kann interessant sein. Der 27-jährige Bündner schaffte auf diesem Weg den Sprung an die Grand-Slam-Turniere und damit auf die ganz grosse Tennisbühne. Wie interessant ist dieser Karriereweg für junge Talente? Ein Gespräch mit Michael Lammer, Headcoach Nachwuchsförderung bei Swiss Tennis.

Erschienen in der Smash 2/2026

Nicht zuletzt dank seinen Qualitäten im Doppel ist Jakub Paul mittlerweile Teil des Schweizer Davis-Cup-Teams. Diesem gehörte lange auch Michael Lammer an. Der Zürcher ist heute Headcoach Nachwuchsförderung bei Swiss Tennis. Mit ihm haben wir über den Stellenwert des Doppels beim Verband gesprochen.

Michael Lammer, was macht einen guten Doppelspieler oder eine gute Doppelspielerin aus?

Noch mehr als im Einzel, sind Aufschlag, Return und Volley im Doppel essenziell. Diese Schläge sollte man also definitiv beherrschen. Darüber hinaus zeichnen sich gute Doppelspieler oft durch eine gute, positive Energie aus, mit der sie ihren Partner mitreissen können. Sie sind Teamplayer und lassen sich von Fehlern des Partners nicht aus dem Konzept bringen. Weiter ist eine gewisse Flexibilität gefragt, da im Doppel oft mit wechselnden Partnern gespielt wird. 

Wie stark wird das Doppel-Spiel im Training mit den Nachwuchskadern gewichtet?

Wir versuchen speziell bei Zusammenzügen der U12- und U15-Kadern das Doppel-Spiel zu forcieren. In diesen Wochen haben wir mehr Zeit dafür als im normalen Trainingsalltag, wo der Fokus klar auf dem Einzel liegt. Das Spielen im Team macht den Juniorinnen und Junioren grossen Spass, das sehen wir immer wieder. Es entsteht dabei eine etwas andere Dynamik, die schön zu beobachten ist. 

Inwiefern kann das Doppel-Training das Spiel grundlegend verbessern?

Grundsätzlich gilt es festzuhalten, dass wir beim Einzel von der selben Sportart reden wie beim Doppel. Aufschlag, Return, Vorhand, Rückhand, Volley – die Schläge bleiben die gleichen. Und so profitiert ein Spieler immer für beide Disziplinen, wenn er ein bestimmtes Element trainiert. Im Doppel geht es aber wohl noch etwas mehr darum, kreative Lösungen zu finden, um einen Punkt abzuschliessen. Daraus kann sich ein Spielwitz entwickeln, der wiederum auch im Einzel zur Stärke werden kann. 

Im Juniorenalter spielen die Talente oft auch bei den Turnieren gemeinsam Doppel.

Das bietet sich an. Einerseits sind unsere Juniorinnen und Junioren oft gemeinsam in Delegationen unterwegs, sprich sie bestreiten die selben Turniere. Andererseits können etwa bei ITF-Juniorenturnieren auch im Doppel wichtige Punkte für die Einzel-Weltrangliste gewonnen werden. Das System fördert so gesehen das Doppel-Spielen. 

Warum wird später bei den Profis nicht mehr so oft gemeinsam Doppel gespielt?

Dafür gibt es verschiedene Gründe. Die Profis gestalten ihre Turnierplanung komplett individuell. Das führt dazu, dass sie oft gar nicht die selben Turniere bestreiten. Ausserdem nimmt bei den Profis die Belastung stark zu. Dadurch ist es nicht mehr so einfach, Woche für Woche sowohl im Einzel als auch im Doppel anzutreten. Bei den meisten Spielerinnen und Spielern geniesst das Doppel dann keine Priorität. Sie träumen in erster Linie von einer erfolgreichen Karriere im Einzel. 

Kann der Karriereweg von Jakub Paul, der es über das Doppel an die Grand-Slam-Turniere geschafft hat, als Vorbild für aktuelle Talente dienen?

Wie ich eben gesagt habe, träumen die meisten Talente von Erfolgen im Einzel. Manchmal zeichnet sich aber im Laufe einer Karriere ab, dass der Weg übers Doppel eher zu den grossen Turnieren führt. Und dahin wollen am Ende alle, nicht zuletzt, weil es dort auch finanziell interessant wird. Der Karriereweg von Jakub Paul ist so gesehen vielleicht nicht direkt ein Vorbild für die jungen Talente, er zeigt ihnen aber auf, dass es interessante Alternativen zur ganz grossen Karriere im Einzel gibt.