Mutua Madrid Open – Day Three

Kurzer Auftritt in Madrid: Eva Lys verlor dort in der ersten Runde gegen Zhang Shuai aus China. Bild: IMAGO

Becker über Lys: „Wenn das Kritik sein soll, dann wurde sie noch nie kritisiert“

Boris Becker spricht in seinem Podcast über die Medienschelte von Eva Lys und wirft ihr eine falsche Erwartungshaltung vor.

Das Spiel mit den Medien beherrschen vermutlich nur Wenige so gut Boris Becker, was auch daran liegt, dass er in seiner unvergleichlichen Karriere alle Phasen einer medial öffentlichen Person durchgemacht hat: erst die frühe Heroisierung, dann die Skandalisierung und schließlich die späte Einordnung und Neubewertung.

Becker hat längst verstanden, dass Medien nicht nur Informationen transportieren, sondern Geschichten erzählen wollen. Er liefert gerne den Stoff dafür. Mit kommunikativer Direktheit, manchmal impulsiv, aber ohne die glattgebügelte Rhetorik vieler heutiger Sportler. Genau das macht ihn medial so anschlussfähig.

In seinem Podcast „Becker Petkovic“ hat er jüngst der deutschen Aufsteigerin Eva Lys eine kleine Nachhilfestunde in Sachen Medienschelte gegeben. Lys hatte sich in einer Instagram-Story nach der Erstrunden-Niederlage in Madrid über „die durchgehend negative Grundhaltung vieler Schlagzeilen und Kommentare“ beklagt. Dazu postete sie ausgewählte Schlagzeilen wie „Lys steckt weiter in der Krise“ oder „Lys kommt aus ihrem Loch nicht hinaus“.

Lys: „Mehr abwertend als konstruktiv“

„Kritik gehört selbstverständlich dazu. Doch die Art und Weise, wie sie formuliert wird, wirkt vielmehr abwertend als konstruktiv“, hatte die 24 Jahre alte Hamburgerin geschrieben. Es sollte doch möglich sein, über die Folgen ihrer verletzungsbedingten Auszeit nach den Australian Open „sachlich und fair zu sprechen“, forderte Lys. Im eigenen Land sollten Unterstützung und Einordnung im Vordergrund stehen – und „nicht pauschale Negativität.“

Boris Becker gab ihr dazu folgenden Rat: „Liebe Eva, wenn du das als Kritik empfindest, dann wurdest du noch nie kritisiert – bei allem Respekt!“ Natürlich sei es klar, dass man nach einer längeren Verletzungspause langsam zurückkomme, aber dass sie 2026 nur sechs von acht Matches gewonnen hätte, stehe nun einmal fest.

Becker: „Was ist denn die Erwartungshaltung?“

„Sie ist der deutsche Shooting-Star, hat gute Verträge und ist transparent im Netz. Aber wenn die Leistung auf dem Platz – aus welchem Grund auch immer – nicht passt, dann wirst du natürlich kritisiert. Was sollen die Sportjournalisten denn schreiben? Dass du gewonnen hast, wenn du verlierst? Was ist denn die Erwartungshaltung?“, fragte Becker in der neuesten Podcast-Folge.

Sein Podcast-Co-Host Andrea Petkovic stimmte ihm zu. „Ihr, die wirklich an der Spitze unseres Sports standen, wurdet so hart in die Mangel genommen. Das war nicht mehr feierlich. Das, was Eva erlebt hat, ist nicht mal 0,1 Prozent von dem, was du, Steffi oder Angie durchgemacht haben“, verglich die ehemalige Top 10-Spielerin.

Und weiter: „Das, was Eva erlebt hat, war keine Kritik – sondern neutrale Berichterstattung. Ich habe ihr auf das Statement sogar geantwortet. Ich habe ihr erklärt, dass solche Überschriften nicht von klassischen Sportjournalisten stammen. Da sitzt ein Praktikant und der macht dann die Clickbait-Überschriften, damit die Leute den Artikel auch anklicken. Die Artikel selbst waren klassische Sport-Berichterstattung.“ Sie wies daraufhin, dass es bei Lys „drei Online-Leute“ gewesen seien, die „irgendwas auf der 20. Seite – hinter 19 Seiten Fußball“ – geschrieben hätten. Zu ihren Gesprächspartner Becker gewandt, fügte sie noch an: „Bei euch war es die Titelseite der BILD-Zeitung.“

„Für Sport-Deutschland etwas tun“

Becker aber war mit seinen Ratschlägen an Eva Lys noch nicht fertig. „Wenn Sport-Deutschland dich lieben und respektieren soll, dann muss du auch etwas für Sport-Deutschland tun“, mahnte er – und spielte auf den Billie Jean King Cup an. Bekanntlich waren die deutschen Damen – ohne Eva Lys – in der Woche vor dem Porsche Tennis Grand Prix von Stuttgart abgestiegen. Becker: „Ich weiß gar nicht, wie tief das deutsche Damentennis inzwischen gesunken ist.“

Sein eigentlicher Punkt war aber ein anderer: Lys hielt sich in Stuttgart auf, trainierte dort, während ihren Teamkolleginnen in Portugal um den Klassenerhalt kämpften. „So etwas wird wahrgenommen“, meinte Becker. „Entweder du spielst regelmäßig im Billie Jean King Cup für Deutschland und machst etwas für die deutschen Fans oder eben nicht. Das ist deine Entscheidung.“

Am Ende der neuesten „Becker-Petkovic“-Folge waren sich die beiden Gastgeber aber sicher, dass Eva Lys an dieser ganzen Geschichte wachsen würde. „Als ich so alt war wie sie, habe ich das alles auch nicht verstanden“, gestand Petkovic.