Germany v France – Davis Cup

Niki Pilic: „Zverev muss für Deutschland spielen“

Der ehemalige Davis Cup-Coach Niki Pilic (78) über die Rolle des Davis Cup-Kapitäns Michael Kohlmann, die Verpflichtung von Boris Becker und das Fernbleiben Alexander Zverevs in Portugal.



Er ist eine lebende Legende – Niki Pilic. Dreimal gewann er mit Deutschland den berühmten Mannschaftswettbewerb (1988, 1989, 1993), einmal mit Kroatien (2005) und einmal mit Serbien (2010). 2015 fungierte er als Berater für das von Michael Kohlmann geführte deutsche Davis Cup-Team. In seiner aktiven Zeit zählte der French Open-Finalist von 1973 zu den besten fünf Spielern der Welt. Heute lebt er mit seiner Frau Mia im kroatischen Opatija und steht immer noch jeden Tag auf dem Platz. Im Interview mit tennismagazin.de bewertet er die aktuellen Ereignisse im Davis Cup-Team.

Herr Pilic, gerade wird über die Zukunft von Michael Kohlmann diskutiert. Ist ein Davis Cup-Kapitän heute nicht mehr zu beneiden?

Pilic: Es ist abhängig von der Person. Hat er Autorität? Hat er einen großen Namen? Verfügt er über Erfahrung? Ich denke, Michael Kohlmann ist kein schlechter Mann. Die Frage ist, ob ihm die Spieler den nötigen Respekt entgegen bringen. Es sieht so aus, dass er keine Chance hat, Alexander Zverev zu sagen, er solle Davis Cup spielen. Aber das wäre auch bei Boris Becker der Fall. Ich sehe keine Alternative zu Kohlmann.

Tommy Haas soll hoch im Kurs stehen.

Ich weiß es nicht, er pendelt zwischen Deutschland und den USA. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er sich von den Zverevs oder Philipp Kohlschreiber etwas sagen lässt. Die Rolle des Kapitäns ist sehr schwierig. Wahrscheinlich schwieriger als zu meiner Zeit, als ich vor allem dafür sorgen musste, dass das Training läuft, die ganze Logistik stimmt und alle gut in Form sind. Aber für mich gilt auch heute noch: Wenn man diese Position hat, muss man eine Linie haben, sonst hat man keine Autorität.

Früherer Davis Cup Coach mit seinem Kapitän Michael Kohlmann

IM GESPRÄCH: Niki Pilic mit Davis Cup – Kapitän Michael Kohlmann.

Boris Becker ist als „Head of Men’s Tennis“ zum DTB zurückgekehrt. Wie finden Sie das?

Das ist eine positive Sache. Boris Becker ist ein großer Name. Er hat Gewicht. Er kann ein paar gute Tipps geben. Von ihm kann der DTB nur profitieren.

Der Davis Cup hat einen geringeren Stellenwert als zu Ihrer Zeit. Bedauern Sie das?

Ja natürlich. Für meine Spieler war es damals sehr wichtig, für Deutschland zu spielen. Alle haben mit Seele gespielt, der Teamgeist war fantastisch. Dieses Gefühl ist verlorengegangen. Die Zeiten haben sich geändert. Nicht nur in Deutschland, sondern überall. Es gibt zu viele Turniere. Die ITF muss Druck auf die ATP ausüben. Der Davis Cup braucht Weltranglistenpunkte und die Spieler müssen Geld verdienen. Wenn das nicht passiert, stirbt der Davis Cup.

Niki Pilic mit Boris Becker 1996

GEMEINSAME SACHE:
Niki Pilic mit Boris Becker (re.) beim Davis Cup 1996.

War die Absage von Alexander Zverev für das Abstiegsmatch in Portugal nachvollziehbar?

Nein. Ich bin enttäuscht, dass Zverev nicht angetreten ist. Normalerweise muss er spielen. Er wurde als junger Spieler mit Wildcards unterstützt. Warum spielt er parallel in Prag ein Showturnier, den Laver Cup? Er hat genug Geld verdient. Es muss jemanden beim DTB geben, der ihm erklärt, dass es wichtig ist, für Deutschland zu spielen. Sein Vater müsste ihm das auch sagen. Die Medien müssten ihn dafür viel härter kritisieren. Wenn du als Spieler Grand Slams gewinnst und die Nummer eins bist, ist das fantastisch, aber ein Held wirst du nur im Davis Cup. Als Djokovic 2010 den Davis Cup gewonnen hat, war es das Größte überhaupt.

Ein Argument lautet immer, der Wechsel von Hartplatz auf Asche passe nicht in den Turnierplan.

Das ist kein gutes Argument. Marin Cilic hat in Kolumbien auf Asche gespielt. Zverev hat nicht das Finale bei den US Open gespielt. Da war genug Zeit.

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