2015 U.S. Open – Day 1

Mail aus New York: Tommy Haas – Wie lange noch?

Court Nummer fünf ist im USTA Tenniscenter ein Platz, den man sich nicht unbedingt wünscht für ein möglicherweise letztes Match. Eingerahmt wie ein Sandwich ist er, von den Courts 4 und 6. Das allein ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass die Lautsprecher so eingestellt sind, dass man meistens nicht weiß, von welchem Platz der Schiedsrichterruf kommt. Das führt zu so bizarren Situationen, dass ein lautes „Let“ bei einem Aufschlag ertönt, man den Ball nicht spielt, weil er offenbar die Netzkante berührt hat. Es aber dann doch heißt: Punkt für den Gegner.



Der Gegner hieß am Montag in der ersten Runde der US Open Fernando Verdasco. Den Punkt verlor Tommy Haas. Am Ende verlor Haas auch das gesamte Match – 6:3, 1:6, 7:6, 3:6, 1:6. Spielzeit: 2:44 Stunden.

Haas ist zu lange dabei, um sich über Court 5 aufzuregen. Und die Schiedsrichter-Rufe von den Nachbarplätzen waren auch nicht der Grund für die Niederlage. Aber einen Seitenhieb konnte sich Haas dann doch nicht verkneifen: „Man fragt sich schon, wie so etwas bei einem so bedeutenden Turnier passieren kann. Da fehlen mir die Worte.“ Dilettanten, diese Amis.

„Nach zwei Stunden kommt nichts mehr aus der Schulter“

Zum Match: Haas („Wenn es über drei Sätze gegangen wäre, hätte ich gewonnen“) spielte bei rund 30 Grad und auf einem mit rund 2.000 Zuschauern vollbepackten Platz phasenweise ausgezeichnet. Aber das Problem, das es ja auch schon bei den vorherigen Turnieren gab: Der Aufschlag ist zwar oft clever gespielt, aber nicht druckvoll genug. Und: „Nach zwei Stunden kommt nichts mehr raus aus der Schulter“, sagt Haas. Als Verdasco Satz vier holte, war klar: Haas würde das Match nicht gewinnen können. Der letzte Akt verlief im Schnelldurchgang.

Waren es seine letzten US Open? Eigentlich spricht alles dafür. Aber Haas wollte sich noch nicht festlegen. Die europäische Hallensaison wolle er noch spielen, ausgewählte Turniere im ersten Halbjahr 2016, die deutschen Turniere. Bis Juni könnte der Mix aus Protected Ranking und Wild Card halten, dann müsste er, wenn die Ranglistenposition nicht stimmt, Challengerturniere und Qualis spielen.

Haas wird das nicht tun. Demnächst wird er zum zweiten Mal Vater – „Keine Ahnung, ob ich dann noch reisen will“, sagt er. Ansonsten geriet seine wohl letzte Pressekonferenz im Bauch des Arthur Ashe Stadiums zur Tour d’Horizon. Es hatte fast etwas Staatstragendes. Und das Abschiedsgefühl waberte so sehr durch den Raum, dass man es fast mit der Hand greifen konnte.

Als beispielsweise Haas erzählte, wie es war, als er 1996 in der ersten Runde gegen Michael Stich spielte. Da war der Deutsche, der sich in knapp 20 Jahren gar nicht so sehr vom Äußeren verändert hat, ganz der erfahrene Tour-Veteran. Damals seien Bälle und Plätze schneller gewesen, Power und „heavy Spin“ noch nicht so so bedeutend.

Der größte Spieler gegen den er je gespielt hat? Roger Federer. – Der beste Aufschläger? Pete Sampras. – Der, gegen den es physisch am schwersten war? Rafael Nadal. – Einer, der am genialsten den Ball traf? Andre Agassi.

Tommy Haas steht nicht in dieser Reihe. Ein Grand Slam-Turnier konnte der 37-Jährige nie gewinnen. Aber eins steht fest, egal, wie lange er noch spielt: Vor seiner Karriereleistung und seinen Arbeits-Ethos kann man sich nur verneigen.

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