French Open Tennis Championship

Die fünf denkwürdigsten Davis Cup-Spiele gegen Spanien

Zum 17. Mal treffen Deutschland und Spanien dieses Wochenende im Davis Cup aufeinander. Zehn Mal ging die deutsche Mannschaft dabei siegreich vom Platz. Wir blicken auf fünf denkwürdige Matches aus der 90-jährigen Davis Cup-Geschichte zwischen Deutschland und Spanien zurück.

1970: Die Regenschlacht von Düsseldorf

Anfang der 1970er Jahre befand sich die Tennisszene im Umbruch. Mit dem Beginn der Open Era 1968 waren erstmals professionelle Spieler bei Grand Slam-Turnieren zugelassen. Doch im Davis Cup durften bis 1973 weiterhin nur Amateure spielen. Traditionell starke Tennisnationen wie Australien traten daher nicht mit ihren besten Spielern an. Das deutsche Davis Cup-Team nutzte die Gelegenheit und hatte nach Siegen über Dänemark, Ägypten, Belgien und Indien im Intercontinental-Finale gegen Spanien die Chance, zum ersten Mal ins Davis Cup-Finale einzuziehen.

Bei der Begegnung, die im Düsseldorfer Rheinstadion stattfand, spielte ein Mann groß auf: Christian Kuhnke siegte im ersten Einzel gegen Manuel Santana und im Doppel mit Wilhelm Bungert. Am Sonntag hatte er dadurch die Möglichkeit, auch den entscheidenden dritten Punkt für die deutsche Mannschaft zu erzielen. Das  Spiel gegen den spanischen Spitzenspieler Manuel Orantes war jedoch von ständigen Regenschauern geprägt. Mehrmals wurde die Partie vom Stuhlschiedsrichter unterbrochen. Die Pausen verbrachten die beiden Spieler damals noch nicht in einer Kabine, sondern in Wohnwagen.

Als die Partie beim Stand von 6:3, 6:4 und 6:5 für den Deutschen zum vierten Mal unterbrochen wurde, verlegte der Schiedsrichter die Fortsetzung der Partie wegen Dauerregens auf den folgenden Tag. Am nächsten Tag schlug Kuhnke noch vier Mal auf und machte alle vier Punkte. Damit sicherte er dem deutschen Team den allerersten Einzug ins Davis Cup-Finale. Gegen den Titelverteidiger USA, die mit Spitzenspieler Arthur Ashe antraten, war die deutsche Mannschaft allerdings chancenlos und verlor 0:5.

1987: Beckers Alptraum Casal

Boris Becker gilt als der vielleicht beste Davis Cup-Spieler aller Zeiten. Mit 38 Siegen aus 41 Spielen hat der Leimener eine nahezu perfekte Bilanz. Dabei besiegte er in wichtigen Matches Spieler wie John McEnroe, Stefan Edberg oder Mats Wilander. Doch der Spanier Sergio Casal wurde für Becker zum Angstgegner. Im Davis 1985 fügte Casal Becker die allererste Einzelniederlage im Davis Cup zu. Damals lag das deutsche Team allerdings schon uneinholbar mit 3:0 in Führung. Zwei Jahre später trafen Deutschland und Spanien in der ersten Runde des Davis Cups erneut aufeinander. Diesmal spielten Becker und Casal das entscheidende fünfte Spiel.

Trotz der Niederlage zwei Jahre zuvor war Becker der klare Favorit. Bei den US Open 1986 und im Finale von Paris-Bercy hatte der Deutsche Casal zwei Mal deutlich besiegt. Nur wenige Wochen vorher hatte der Deutsche das Turnier in Indian Wells gewonnen und war auf Position zwei in der Welt geklettert. Doch in Casals Heimatstadt Barcelona bereitete der Weltranglisten-52. Becker erneut große Probleme. Angefeuert von 5000 spanischen Fans nahm Casal ihm schon im ersten Satz drei Mal den Aufschlag ab und ließ sich auch von einem schwachen zweiten Satz nicht aus der Ruhe bringen. Der Spanier siegte deutlich mit 6:2, 0:6, 6:2, 6:3.

In der Nachbetrachtung ermöglichte Beckers Niederlage gegen Casal eines der legendärsten Matches der Tennisgeschichte. In der Relegation traf die deutsche Davis Cup-Mannschaft auf die USA und Becker besiegte John McEnroe in der „Schlacht von Hartford“ nach mehr als Stunden Spielzeit.

2008: Das Rekorddoppel

Im Viertelfinale 2008 hatten sich die Vorzeichen grundlegend geändert. Spanien trat mit Rafael Nadal und David Ferrer an. Beide standen zum Zeitpunkt des Spiels in den Top 5 der Weltrangliste. Die deutsche Mannschaft trat ersatzgeschwächt ohne Tommy Haas an, der seine bereits drei Mal operierte Schulter schonte.

Philipp Kohlschreiber und Philipp Petzschner spielten gegen Feliciano Lopez und Fernando Verdasco das längste Doppel der deutschen Davis Cup-Geschichte.

Philipp Kohlschreiber und Philipp Petzschner spielten gegen Feliciano Lopez und Fernando Verdasco das längste Doppel der deutschen Davis Cup-Geschichte.

Erwartungsgemäß lag die deutsche Mannschaft nach Niederlagen von Philipp Kohlschreiber und Nicolas Kiefer an Tag eins mit 0:2 zurück. Das Doppel am Samstag lieferte dann aber alles, was der Davis Cup zu bieten hat: ein Auf und Ab der Emotionen mit spannenden Tiebreaks, vergebenen Chancen und vor allem einem furiosen fünften Satz.  Mit 7:6 (7:3), 6:7 (1:7), 4:6, 6:2, 10:12 zogen Kohlschreiber und Philipp Petzschner gegen Fernando Verdasco und Feliciano Lopez knapp den Kürzeren. Dabei standen sie 4:45 Stunden auf dem Platz – so lange, wie noch nie ein deutsche Doppel vor ihnen.

Trotz einer guten kämpferischen Leistung unterlag die deutsche Mannschaft insgesamt mit 1:4. Nicolas Kiefer holte am zweiten Tag gegen Feliciano Lopez noch den Ehrenpunkt.

2009: Die Hitzeschlacht von Marbella

Ein Jahr später galt die deutsche Mannschaft erneut als Außenseiter und das obwohl die Spanier ohne Superstar Rafael Nadal antraten. In der Stierkampfarena von Marbella lieferte sich Kohlschreiber ein hitziges Duell mit Fernando Verdasco.

Nach dem zweiten Tag lag die deutsche Mannschaft erwartungsgemäß mit 1:2 zurück. Andreas Beck verlor trotz starker Leistung in fünf Sätzen gegen den Weltranglisten-Neunten Fernando Verdasco. Auch das Doppel mit Nicolas Kiefer und Mischa Zverev musste eine Niederlage einstecken. Für Kohlschreiber galt es deshalb, nach seinem Auftaktsieg gegen Tommy Robredo nachzulegen, um die Spanier ins entscheidende fünfte Spiel zu zwingen.

Bei Temperaturen über 30 Grad lieferten sich der Augsburger und der Madrilene ein hart umkämpftes Match. Nachdem Kohlschreiber gut in die Partie reingekommen und die ersten beiden Sätze gewonnen hatte, verlor er völlig den Faden. Immer mehr gewann Verdasco die Kontrolle über das Spiel und entschied die Sätze drei und vier für sich. Im fünften Durchgang entwickelte sich ein enger Schlagabtausch, den Kohlschreiber nach vier Stunden Spielzeit mit 8:6 für sich entschied.

Dennoch verpasste das deutsche Davis Cup-Team die Sensation. Andreas Beck unterlag im entscheidenden fünften Spiel klar in drei Sätzen gegen Juan Carlos Ferrero.

2014: Überraschungssieg und Skandal

Das letzte Mal traf die deutsche Mannschaft 2014 in der ersten Runde auf Spanien. Nach Siegen von Philipp Kohlschreiber und Florian Mayer führte das deutsche Davis Cup Team vor dem Doppel mit 2:0. Teamchef Carsten Arriens änderte die Doppelaufstellung kurzfristig und ließ Tommy Haas und Kohlschreiber antreten.

Die beiden Deutschen, die noch nie gemeinsam ein Doppel gespielt hatten, trafen auf Fernando Verdasco und David Marrero. Das spanische Doppel galt damals als eines der besten der Welt. Nur wenige Monate zuvor hatten sie bei den World Tour Finals den Doppel-Titel geholt und im Finale die Bryan-Brüder geschlagen.

Davis Cup 2014

Betretene Gesichter am dritten Tag in Frankfurt. Mayer, Haas und Kohlschreiber wollten alle nur auf der Bank Platz nehmen. (Photo by Dennis Grombkowski/Bongarts/Getty Images)

Doch Haas und Kohlschreiber, dessen Verhältnis damals als angespannt galt, fanden auf dem Platz sehr gut zusammen und hielten in einem hochklassigen Spiel von Anfang an dagegen. Die ersten drei Sätze wurden alle im Tiebreak entschieden, wovon die Deutschen zwei gewannen. Nach einem Break im vierten Satz schlug Haas beim Stand von 5:3 zum Matchgewinn auf. Beide zeigten keine Nerven, machten die ersten drei Punkte und fielen sich, nach einem weiteren Servicewinner von Haas, in die Arme. Die Überraschung war perfekt.

Deutlich getrübt wurde die Siegesfreude jedoch am folgenden Tag. Da Florian Mayer mit einer Schulterverletzung ausfiel, hätte einer der beiden Doppelsieger eigentlich im Einzel noch einmal antreten müssen. Sowohl Haas als auch Kohlschreiber weigerten sich jedoch zu dem unbedeutenden Einzel anzutreten. Angeblich ließ Teamchef Arriens die beiden daraufhin Strohhalme ziehen. Kohlschreiber zog den Kürzeren, trat aber dennoch nicht an. Am zweiten Tag fand deshalb nur noch ein Spiel von Daniel Brands gegen Roberto Batista Agut statt. Die 5000 Zuschauer, die durchschnittlich 60 Euro für die Tickets bezahlt hatten, pfiffen das deutsche Davis Cup Team in Frankfurt aus.

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