Mutua Madrid Open – Day Five

Madrid: Kerber gibt gegen Bouchard auf

Die topgesetzte Angelique Kerber hat beim WTA-Premierturnier in Madrid im Achtelfinale gegen die Kanadierin Eugenie Bouchard einen bitteren Rückschlag kassiert. Die zweimalige Grand-Slam-Siegerin gab beim Stand von 3:6, 0:5 gegen die Nummer 60 der Welt auf. Offenbar litt Kerber an Oberschenkelproblemen. Für die Kielerin war es im sechsten Duell mit Bouchard bereits die vierte Niederlage.



Kerber gewinnt kein eigenes Aufschlagspiel

Kerber, die kommende Woche wieder die Führung in der Weltrangliste von der schwangeren Serena Williams (USA) übernehmen wird, gab schon im ersten Satz viermal ihren Aufschlag ab. Auch im zweiten Durchgang kassierte die 29-Jährige sofort ein Break und fand nie richtig in das Match. Nach 57 Minuten gab sie schließlich auf.


Für Kerber und Bouchard war es das erste Duell seit den Olympischen Spielen in Rio, als die Deutsche in der zweiten Runde in zwei Sätzen gewonnen hatte. (SID)


  1. Stefan Höfel

    Damit ist Kerber ab Montag die Nr. 1 der Weltrangliste, obwohl sie nur einen Turniersieg in der Wertung hat. Da ist sicher einmalig, aber eher eine Kritik an der Weltrangliste bzw. deren Berechnung und Aussagekraft. Die Weltrangliste wird nicht unbedingt von der besten Spielerin angeführt. Sinn der Weltrangliste ist es, eine Basis für die Setzliste bei Turnieren zu sein. Das beweist die WTA-Weltrangliste jetzt eindeutig. Kerber hat nach ihrer ersten Übernahme der Nr.1 keinen Titel gewonnen. Zur „Beruhigung“: Boris Becker gewann als Nr.1 auch keinen Titel und konnte erst ein Dreiviertel Jahr nach Übernahme der Nr.1 den nächsten Titel gewinnen, denn nach dem Sieg bei den Australian Open 1991 war er erst wieder im Herbst in Stockholm erfolgreich.

  2. Will Robins

    Ich halte es mit John McEnroes Kommentar: Frl. Kerber ist keine wahre Nummer 1 im Welttennis – sie kann ihr Niveau nicht wieter stabilisieren und wird abfallen.
    Sie wird einfach überschätzt – basta. Mimosenhaft ist sie auch.

  3. Christian Eissing

    Weltrangliste hin, Weltrangliste her. Sie wird nun einmal so berechnet, wie es derzeit der Fall ist: Punkte der letzten 12 Monate, fertig. Wer dann die meisten Punkte hat, ist Nummer 1.
    Natürlich kann man trefflich darüber diskutieren, andere Systeme einzuführen, dies macht die Sache aber meist komplizierter und für den Normalsterblichen noch weniger nachvollziehbar, es sei denn man nimmt das Race, sprich die Punkte seit Anfang des Jahres. Dies ist dann aber in den ersten Wochen wenig aussagekräftig und kann Überraschungssieger zu stark bevorzugen. Das Race wird zwar auch immer veröffentlicht, kann aber gerade am Anfang des Jahres kaum als Rangliste zur Setzung herangezogen werden.

    Dort stehen im übrigen derzeit Karolina Pliskova, Caroline Woznicakci und Johanna Konto vor Serena Williams und Kerber auf Platz 12 (eine aus meiner Sicht derzeit realistische Position). Lassen wir Serena Williams einmal außen vor, frage ich mich aber auch, wer denn von denen derzeit die wahre Nummer 1 ist? Pliskova war am Anfang der Saison sehr gut, wird es in der jetzt laufenden Sandplatzsaison – siehe Madrid – aber auch schwer haben. Dies gilt ähnlich für Konta. Wozniacki war zwar schon mal Nummer eins, mit ihrem Konterspiel kommt sie nach meiner Auffassung vom Spiel her eher in Richtung Kerber, ist derzeit nur einiges konstanter.

    Manchmal gibt es halt Phasen, in der keine Spielerin so dominant ist, wie es Williams war/ist. Ich denke ein solche Phase tritt nun, spätestens, wenn Williams abtritt, wieder ein. Dies halte ich aber auch gar nicht für schlimm. Eine solche Phase gab es auch vor etlichen Jahren, als z.B Dinara Safina mal Nummer eins war.
    Woran das liegt: aus meiner Sicht an der immer stärkeren Eindimensionalität des Spiels – harte Grundschläge von hinten, den Gegner bewegen, wenn ein kurzer Ball kommt, den Winner schlagen – Volley meist Fehlanzeige. Auch die Konterspielerinnen spielen den Ball ja nicht nur lang und hoch rein, wie seinzeit eine Tracy Austin, sondern machen auch Druck, spielen vielleicht ein wenig mehr Winkel, aber so sehr wie noch vor 20 bis 30 Jahren unterscheiden sich die Spielertypen nicht.
    Das bedeutet, solange nicht eine Spielerin mit extremen Vorteilen wie z.B. Power (Williams), Mentalität, Selbstbewusstsein oder Konstanz (Kerber in 2016) gepaart mit anderen Attributen aufläuft, wird es nach meiner Einschätzung in den nächsten Jahren unterschiedliche Grand-Slam-Siegerinnen geben. Das kann auch wieder eine Kerber sein, halte ich momentan aber auch für eher unrealistisch, auch wenn ich es ihr von Herzen gönnen würde. Hier spielt dann die Konstanz eine wichtige Rolle, die ich derzeit bei keiner Spielerin sehe. Das kann sich durch einen großen Sieg aber auch schnell ändern. Wie lange so etwas anhält, steht dann auf einem anderen Blatt.

  4. Stefan Höfel

    Natürlich ist die aktuelle Berechnung momentan so und nicht anders. Aber es zeigt sich, dass ein Grand-Slam-Titel immer noch mehr wert ist als die Nr. 1-Position. Ich finde ja das Durchschnittsystem besser. Unabhängig davon ist es immer noch unverständlich, dass Guillermo Vilas nie die Nr. 1 war, obwohl er 1977 die US-Open und die French Open und 14 (!) weitere Turniere gewann. Damals galt übrigens das Durchschnittsystem.


Schreibe einen neuen Kommentar