Justin Engel: Suche nach einem neuen Trainer
Der Vertrag mit Philipp Kohlschreiber ist ausgelaufen. Das heißt aber nicht, dass Justin Engel ihn künftig nicht als Trainer einsetzen wird. Nur wird dieses Engagement nicht reichen. Die Suche nach einem neuen Trainer läuft bereits. Getestet wird auch ein Coach, der in der deutschen Trainerszene kein Unbekannter ist.
Sardinien ist eine wunderschöne Insel. Justin Engel, gerade 18 Jahre alt gewordener deutscher Senkrechtstarter, weilt momentan dort. Um genau zu sein: Er spielt ein Challenger in Olbia, im Norden der Mittelmehrinsel. Das Wetter ist allerdings durchwachsen, viel Regen dieser Tage. Richtung Wochenende soll es wieder sonnig und warm werden.
Ulf Fischer: Ein bekannter Name in der deutschen Szene
Der Mann, der Engel bei dem 180.000-Dollar-Challenger begleitet, heißt Ulf Fischer. Der 60-Jährige ist kein Unbekannter im deutschen Tennis. Zwischen 2007 und 2011 war er Co-Trainer des deutschen Davis Cup-Teams unter Patrik Kühnen. In den 90er-Jahren hat der gebürtige Göttinger Hendrik Dreekmann und Alex Radulescu trainiert. Beide brachte er in die Viertelfinals von Grand Slam-Turnieren; Dreekmann in Paris (1994), Radulescu in Wimbledon (1996). Später trainierte der „Trainer des Jahres 2014” Benjamin Becker und Florian Mayer. Auch Tommy Haas vertraute ihm für einen kurzen Zeitraum.
Jetzt also Engel, von dem viele glauben, dass er eine große Karriere haben könnte. Der Kontakt kam über Justins Vater Horst zustande. Horst Engel und Ulf Fischer kennen sich schon lange. Was gut passt: Fischer lebt in Monte Carlo. Der Umzug von Engel nach Monaco steht bevor. Drei Gründe sind für die Wahlheimat entscheidend: das angenehme Wetter, die vielen Trainingspartner (dutzende von ATP-Profis leben dort) und – ja auch das ist ein Grund – in Monaco zahlt man keine Einkommenssteuer.
Justin Engel: 100-Tage-Verabredung mit Kohlschreiber ist abgelaufen
Bisher ist eine lose Trainer-Schüler-Liaison verabredet. Fischer begleitete ihn auch letzte Woche in Roanne, wo er gegen die Nummer 328 Mika Brunold aus der Schweiz 4:6, 4:6 in der ersten Runde verlor. Olbia liegt übrigens parallel zum ATP-Turnier in Almaty, wo Engel letztes Jahr sein erstes Match auf ATP-Level gewonnen hatte.
Was bedeutet Fischers Engagement für den bisherigen Coach Philipp Kohlschreiber? Jedenfalls nicht, dass sich Justin und „Kohli“ getrennt haben. Allerdings ist die Verabredung der beiden über die vergangenen 100 Tage abgelaufen. Gut möglich, dass sie trotzdem noch gelegentlich trainieren. Nur: Es ist fraglich, wie oft Engel noch in der Tennis Base in Oberhaching, seiner bisherigen sportlichen Heimat, sein wird. Kohlschreiber wiederum, der auch viele TV-Engagements hat, wird eher nicht häufig nach Monte Carlo reisen.
Was bleibt: Der DTB und der BTV, der bayerische Verband, werden auch künftig auf der bisherigen 100 Tage-Basis ihren Teil zur Finanzierung der Karriere des 18-Jährigen beitragen.
Justin Engel: Führerschein muss noch warten
Apropos 18: Einen Führerschein hat Engel noch nicht. Dafür wurde er gerade in der Kategorie „Herausragender Nachwuchsspieler“ mit dem Bayerischen Sportpreis ausgezeichnet – inklusive Laudatio und Video. Das Auto muss noch etwas waren, wobei es sich gut machen würde, wenn er den „Lappen“ schnell in den Händen halten würde. Denn: Ein möglicher neuen Sponsor aus dem Automobilbereich würde das wohl voraussetzen.
Zunächst geht es sportlich weiter: Nach Olbia folgt das Challenger in Hamburg mit Vater Horst als Trainer. Eine Woche später, in Bratislava, ist wieder Ulf Fischer gebucht. Helsinki und Lyon stehen ebenfalls noch auf dem Terminkalender 2025. Und – wenn es denn klappt – die Next Gen-Finals in Saudi-Arabien (17. bis 21. Dezember). Aktuell ist Engel die Nummer elf im Next Gen-Race.
Erst Davis Cup, dann Saudi-Arabien?
Bei einigen Turnieren kann er sich über die „NG“-Funktion, eine Art Wildcard für Challenger und ausgewählte ATP-Turniere, noch für Hauptfelder qualifizieren. Grundsätzlich gibt es auf der Tour acht „NGs“ (steht für Next Generation), zwei davon können für ATP-Turniere genutzt werden, allerdings nicht für alle. Aktuell liegen im „Race to Jeddah“ Jakob Mensik, Joao Fonseca und Learner Tien in Führung. Gut möglich, dass diese inzwischen etablierten Profis nicht bei den „Next Gen-Finals“ 2025 antreten werden. Das würde die Chancen auf eine Teilnahme für Justin Engel natürlich stark erhöhen.
Und dann gibt es ja noch den Davis Cup in Bologna (18. bis 23. November) mit kleinen Chancen auf eine Teilnahme für Engel. Es würde perfekt passen: Parallel dazu gibt es ein Challenger-Turnier in Bergamo. Da wäre er schon ganz in der Nähe.
