(SP)AUSTRALIA-MELBOURNE-AUSTRALIAN OPEN-OPENING CEREMONY-EXHIBITION MATCH

Gefeierter Star: FedererBild: Imago

Big, bigger, Australian Open – dank Federer

Die Australian Open haben gerade erst begonnen. Aber es sieht jetzt schon so aus, als dass Melbourne 2026 alle Rekorde bricht. Roger Federer hat daran einen großen Anteil.

Keine Tickets mehr. Nicht mal für Journalisten. Die Plätze, die normalerweise den Medien vorbehalten sind, gingen in den Verkauf. Die Fotografenplätze in der Rod Laver Arena wurden ebenfalls zusammengestrichen. Mit dem Showdoppel mit Roger Federer, Andre Agassi, Patrick Rafter und Lleyton Hewitt inklusive Eröffnungsfeier mit Lasershow am Abend vor Beginn des ersten Grand Slam-Turniers des Jahres haben die Veranstalter die Latte hochgehängt für die folgenden Grand Slams in Paris, Wimbledon und New York – zumindest in Sachen Kommerz und Show. Der sportliche Wert war überschaubar.

Die Stars trugen Mikrofone am Hals, scherzten miteinander, produzierten den ein oder anderen Tweener, aber auch jede Menge Fehler. Die 15.000 Zuschauer jubelten trotzdem. Auch wenn das Entertainment auf dem Platz im Vergleich etwa zu einer Mansour Bahrami-Show bescheiden war.

Aber Bahrami war auch nie die Nummer eins. Die Akteure auf dem Platz an diesem lauen Sommerabend waren es alle. Und als auch noch die frühere australische Weltranglistenerste, Ash Barty, gegen Ende der Vorstellung auf den Court lief und an der Seite von Federer einsprang, johlte die Menge.

Tickets ab 150 Dollar

Ab 150 australische Dollar kosteten die Tickets, die VIP-Karten mit Hospitality bis zu 5.000 Dollar. Andererseits mussten die Antrittsgagen auch bezahlt werden. Hinter vorgehaltener Hand hieß es, Federer habe sich sein Melbourne-Engagement mit mehreren Millionen bezahlen lassen. So sehr die Show eine Art vorgezogener Australia Day war, der Star der ersten Woche – die Quali-Woche mit Einlagen wie dem One-Point-Slam, gehört inzwischen fest zum Event, sodass sich das Major in Down Under quasi über drei Wochen streckt – hieß Roger Federer.

Seit seinem Abschied 2020 war der 44-Jährige nicht mehr in Australien. Diesmal kam er mit voller Entourage, Familie plus Eltern, und wurde gefeiert wie ein Messias. Er gab eine launige Pressekonferenz, wo er gestand, als Spieler viel gelogen zu haben. Er habe vor der Presse gesagt, es gehe ihm gut, auch wenn es ihm nicht gut ging. Der Druck ist längst abgefallen.

Federer genießt die Früchte seiner außergewöhnlichen Karriere, die ihn zum Milliardär gemacht hat. Nach anfänglichem Fernbleiben vom Tenniszirkus taucht er mittlerweile immer öfter wieder auf. Damit wird Federer, der Galaktische, wie viele seiner Kollegen zum ganz normalen Ex-Profi, der von der Droge Tennis nicht loskommt und den es immer wieder an die Stätte alter Erfolge zurückzieht.

Zeremonie bei der Eröffnungsfeier

Zeremonie bei der Eröffnungsfeier. Copyright:Dubreuil Corinne/ABACA

Warum auch nicht? Er spielt immer noch geschmeidig. Bei einem Training mit Casper Ruud – auch da war die Rod Laver-Arena vollbesetzt – begeisterte er alle, als er den Norweger, immerhin die Nummer 13 der Welt, in einem Tiebreak 7:2 schlug.

Der Geschäftsmann Federer ist mindestens genauso gut. Seinen Laver Cup hat er zur Erfolgsstory gemacht. Es war auch kein Zufall, dass Agassi und Rafter dabei waren, der Kapitän und sein Stellvertreter vom Team World. Ach ja, die Galionsfigur des Laver Cups gab sich ebenfalls die Ehre. Rod Laver saß auf der Tribüne des nach ihm benannten Stadions. Tennis Australia – und hier schließt sich der Kreis – ist ebenfalls Teil der Laver Cup-Familie. Man hilft sich gegenseitig in diesem hohen Sphären des Tennis-Kosmos.

Der Federer-Effekt

Die Australian Open sind jetzt schon dabei, den Zuschauerrekord zu pulverisieren. Und Federer hat enormen Anteil daran. Die Zahlen, die Tennis Australia um den Globus beamte, lauteten so: 42.408 Zuschauer am „Day 6“ der „Opening Week“. Vor einem Jahr waren es 19.987. Damit hat sich der Wert vor allem dank des Federer-Effektes mehr als verdoppelt. Kumuliert sieht es so aus. In der Quali-Woche strömten 217.999 Menschen auf die Anlage am Yarra River. Und letztes Jahr: Da waren es „nur“ 116.528. Vor allem: Das eigentliche Turnier hat noch gar nicht richtig angefangen.