„Lasse mich nicht einschüchtern“: Ukrainische Tennisspielerin attackiert die WTA
Die ukrainische Tennisspielerin Oleksandra Oliynykova wirft der WTA Zensur vor. Nach ihrer Kritik an russischen und belarussischen Profis soll ihr die Damentour mit Geldstrafen und einer Sperre gedroht haben.
Die ukrainische Tennisspielerin Oleksandra Oliynykova erhebt schwere Vorwürfe gegen die WTA. Die Weltranglisten-68. sagt, sie sei wegen ihrer öffentlichen Kritik an russischen und belarussischen Spielern mit hohen Geldstrafen und sogar einer Sperre bedroht worden. Im Zentrum des Konflikts stehen Aussagen über die Weltranglisten-Erste Aryna Sabalenka aus Belarus sowie die russischen Profis Daniil Medvedev und Diana Shnaider.
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Oliynykova schilderte ihre Sicht der Dinge während des Turniers in Rom mit großer Emotionalität. „Ich bin ein Opfer dieses Krieges. Ich halte es nicht für fair, mich in irgendeiner Weise zu bestrafen oder meine Meinungsfreiheit einzuschränken“, sagte die 25-Jährige. Die Maßnahmen der WTA bezeichnete sie als „schrecklich“ und „nicht im Sinne der Werte des Sports und der Solidarität“.

Spielt ihr beste Saison: Oliynykova erreichte beim WTA 250er-Turnier im rumänischen Cluj-Napoca das Halbfinale.
Sabalenka und Medvedev: „Gefährliche Menschen“
Bereits bei den Australian Open 2026, als die Ukrainerin erstmals für Aufsehen sorgte, hatte Oliynykova in einem Interview mit der französischen Zeitung L’Équipe erklärt, Sabalenka, Medvedev und Shnaider würden „an russischer Propaganda teilnehmen“. Sie nannte die Spieler „gefährliche Menschen“ und forderte ihren Ausschluss von Grand-Slam-Turnieren sowie von ATP- und WTA-Events. An dieser Position hält sie weiterhin fest.
Die Ukrainerin begründet ihre öffentlichen Aussagen auch mit der anhaltenden Aufmerksamkeit für den Krieg in ihrer Heimat. „Jeder Wettbewerb ist wichtig, jede Gelegenheit, etwas über die Ukraine zu sagen“, erklärte sie. Zugleich beklagte sie, dass viele Menschen nach mehr als vier Jahren Krieg zunehmend abstumpften: „Es ist traurig, denn dieser Krieg dauert sehr lange und ich glaube, die Menschen verlieren die Aufmerksamkeit.“
🇺🇦 Oleksandra Oliynykova (№68 WTA) speaks out:
“The WTA arbitrarily interpreted its own rules behind closed doors, ignoring the fact that I myself live as a victim of aggression.”
Oliynykova revealed that she was pressured not to mention the name of a player who posted a… pic.twitter.com/kY7uGRSCrO
— Ukrainian Tennis • BTU (@ukrtennis_eng) May 6, 2026
Besonders schwer wiegen ihre Vorwürfe gegen die WTA selbst. In mehreren Instagram-Beiträgen schrieb Oliynykova, der Verband habe versucht, sie durch „Manipulation, Einschüchterung, Schweigen, Lügen und Entwertung“ unter Druck zu setzen: „Sie haben probiert, mir Angst zu machen – mit möglichen Strafen von etwa 50.000 oder 60.000 Dollar. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher. Ich habe es schon wieder vergessen, weil ich verstanden habe, dass das tatsächlich ihre Art ist, mir Angst zu machen und mich zu erpressen.“ Die psychischen Folgen seien massiv gewesen. Sie habe den Spaß am Tennis verloren, unter chronischem Schlafmangel gelitten und kaum noch Kraft gehabt, Nachrichten zu beantworten oder sich zu konzentrieren.
Oliynykova: „Habe das Recht, sie beim Namen zu nennen“
Dennoch kündigte sie an, weiter öffentlich Stellung zu beziehen: „Ich werde nicht zulassen, dass sie mich brechen oder zum Schweigen bringen.“ Und weiter: „Der Krieg findet statt. Es gibt Menschen, die ihn ausführen, unterstützen, finanzieren, normalisieren und fördern. Ich habe das Recht, sie beim Namen zu nennen.“
Auf Anfrage des US-Portals The Athletic antwortete die WTA schriftlich und betonte ihre Unterstützung für ukrainische Spielerinnen. Gleichzeitig verwies der Verband auf seinen Verhaltenskodex. Man erkenne an, dass der Krieg für viele Athletinnen „tief persönliche Auswirkungen“ habe, wolle aber zugleich „ein professionelles und respektvolles Umfeld für alle Spielerinnen unabhängig von ihrer Nationalität“ gewährleisten. Beschwerden würden über „vertrauliche interne Prozesse“ behandelt.
Im Hintergrund steht ein Grundkonflikt, der den Tennissport seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine begleitet. Russische und belarussische Spieler dürfen weiterhin an den meisten internationalen Turnieren teilnehmen – allerdings ohne Landesflagge. Nur in Wimbledon 2022 waren sie ausgeschlossen worden. Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris starteten sie als neutrale Athleten.
Oliynykova: „Meine Wohnung in Kiew bebt!“
Besonders sichtbar wird die Spannung regelmäßig bei Begegnungen zwischen ukrainischen und russischen Profis. So verweigerte die Ukrainerin Marta Kostyuk ihrer russischen Gegnerin Mirra Andreeva nach dem Finale den Madrid Open erneut den Handschlag – ein mittlerweile etabliertes Symbol des Protests der ukrainischen Spielerinnen.

In Shenzhen dabei: Das Billie Jean King Cup-Team aus der Ukraine hat sich für die Finals qualifiziert. Beim Auswärtssieg in Polen war auch Oleksandra Oliynykova dabei (ganz rechts).Bild: IMAGO
Oliynykova, die im April ihr Debüt im ukrainischen Billie Jean King Cup-Team gab, erlebt den Krieg nicht nur aus der Distanz. Ihr Vater dient in der ukrainischen Armee, ihre Wohnung in Kiew wurde von Drohnenangriffen erschüttert. „Wenn ich nach Hause komme, lebe ich unter Angriffen. Ich höre Explosionen in der Nacht. Meine Wohnung bebt“, sagte sie. Die Menschen, die sie liebe, seien „gerade jetzt im Krieg“.
Trotz der drohenden Konsequenzen will sie ihre Haltung nicht ändern. Vor ihrem Drittrunden-Match gegen Linda Noskova in Rom sagte Oliynykova: „Ich habe keine Angst vor einer Disqualifikation. Wenn ich nicht spreche, ergibt das alles ohnehin keinen Sinn mehr.“
