Zeynep Sönmez

Zeynep Sönmez ist die bestplatzierte türkischer Spielerin in der Geschichte der WTA-Tour.Bild: Imago

Zeynep Sönmez bringt die Türkei auf die Tennis-Landkarte

Zeynep Sönmez ist derzeit der große Tennisstolz der Türkei. Die 24-Jährige bringt viel mit, um ein neuer Star auf der WTA-Tour zu werden. Voraussetzung dafür sind weitere Erfolge.

Zeynep Sönmez ist die bisher erfolgreichste Tennisspielerin der Türkei in der WTA-Geschichte. Immer wieder betont die 24-Jährige, wie viel es ihr bedeutet, die türkische Flagge während ihrer Reise um die Welt zu vertreten und von der türkischen Community bei Turnieren unterstützt zu werden.

Sönmez wurde am 30. April 2002 in der Türkei, in Istanbul, geboren und wuchs dort auf. Im Alter von sechs Jahren begann sie, durch Zufall, Tennis zu spielen. In einem Sommercamp, in dem sie eigentlich zum Basketball spielen und Schwimmen angemeldet war, hielt sie sich vermehrt auf den benachbarten Tennisplätzen auf. Eigenständig machte sie erste Versuche, ehe sie von einem Trainer angesprochen wurde, der ihr vorschlug, beim Tennis einzusteigen. Die volle Kontrolle über die eigene Entwicklung in einem Einzelsport gefiel Sönmez.

Der Wunsch, Tennisprofi zu werden, festigte sich im Alter zwischen elf und zwölf. Zwischen den Jahren 2011 und 2013 besuchte sie die WTA-Finals in Isstanbul und verfolgte Stars wie Victoria Azarenka, Li Na, Serena Williams und Maria Sharapova live. „Ich habe versucht, mir jedes Match anzusehen“, sagte Sönmez gegenüber der WTA.

Cagla Buyukakcay ebnete den Weg

Beim WTA-Turnier in Istanbul stand sie in ihrer Jugend als Ballmädchen auf dem Court. Dort verfolgte sie den Sieg der türkischen Spielerin Cagla Buyukakcay, die das Turnier 2016 gewinnen konnte und somit Geschichte für ihr Land schrieb, als erste Spielerin der Türkei, die ein WTA-Turnier gewinnen und kurz darauf als erste Türkin, die die Top 100 der Weltrangliste erreichen konnte. Ihr höchster Rang war die Nummer 60 der Welt – eine Inspiration für Sönmez. So schilderte die 24-Jährige es selbst gegenüber der WTA: „Es war sehr emotional für mich. Es war eine gute Inspiration für mich und für alle türkischen Spieler.“

Mittlerweile hat Sonmez ihre Vorgängerin Buyukakcay als erfolgreichste türkische Spielerin abgelöst. Die 1,70 Meter große Spielerin erreichte weitere Meilensteine in der Tennisgeschichte der Türkei. Aktuell steht Sönmez auf Rang 58 der Weltrangliste. Ihr höchstes Ranking, Rang 48, erreichte sie im Juli 2026.

Im Doppel steht sie aktuell auf Rang 153. Das höchste Ranking war die 148. Doppel-Partnerinnen waren unter anderem Donna Vekic, mit der sie zuletzt bei den China Open gemeinsam auf dem Court stand, Alexandra Eala, die sie selbst, als eine ihrer besten Freundinnen bezeichnet und die deutsche Nummer zwei, Tatjana Maria. Gemeinsam mit Maria startete sie bei den diesjährigen French Open und US Open. In New York erreichte das Duo das Achtelfinale.

Ihren ersten und bisher einzigen WTA-Titel gewann Sönmez im November 2024 bei den Merida Open in Mexiko. Bei dem WTA-250-Turnier setzte sie sich gegen die US-Amerikanerin Ann Li durch. Durch ihren Sieg konnte sie ihr Ranking von Rang 127 auf Rang 91 verbessern – als zweite türkische Spielerin schaffte sie den Sprung unter die Top 100.

Zeynep Sönmez: Als erste Türkin in einer dritten Grand-Slam-Runde

Erstmals stand die Türkin im Mai 2024 in einem Grand-Slam-Hauptfeld bei den French Open. Über die Qualifikation schaffte sie es damals ins Hauptfeld. Bisher gelang es ihr in Paris nicht, über die erste Runde hinauszukommen. In New York bei den US Open erreichte sie im vergangenen Jahr die zweite Runde. 2025 schrieb Sönmez türkische Tennis-Geschichte in Wimbledon. Als erste türkische Spielerin der Open Era erreichte sie die dritte Runde eines Grand-Slam-Turniers.

Zeynep Sönmez

Stolze Türkin: Die Matches von Zeynep Sönmez sind stets gut besucht.

Auch in diesem Jahr schrieb Sönmez Geschichte bei den Australian Open. Über die Qualifikation spielte sie sich ins Hauptfeld und erreichte mit der dritten Runde einen Meilenstein in Melbourne. Sönmez zeigte sich begeistert von der Unterstützung, die sie aus dem Publikum – einem Meer aus türkischen Flaggen und Trikots – erhalten hatte. „Ich habe mich wie zu Hause gefühlt, fast wie in Istanbul. Ich hatte das Gefühl, als spielten wir alle zusammen“, sagte sie. Die türkische Community ist in Melbourne mit etwa 18.000 Menschen sehr groß.

Sönmez ist eine Pionierin der Nation. Ihr Bekanntheitsgrad stieg nach ihrem Australian-Open-Erfolg deutlich. Sie löste durch ihre historischen Erfolge eine Tennis-Euphorie in ihrer Heimat aus, einen gewissen Boom. „Es gibt einige junge Spieler und ich denke, in den kommenden Jahren wird die Türkei im Tennis noch deutlich bekannter“, sagte Sönmez über die Zukunft des türkischen Tennissports.

Zeynep Sönmez: „Ich musste viele Dinge im Vorbeigehen lernen”

Sie selbst wolle dazu beitragen und hoffe, mit ihren Erfolgen, Kinder dazu zu ermutigen, den Schläger in die Hand zu nehmen. Über ihre eigenen Ziele sagte sie in Melbourne: „Es ist ein Traum, mal einen Grand Slam zu gewinnen, aber ich fokussiere mich nicht darauf. Ich möchte es genießen auf dem Platz zu stehen und bei den Grand Slams zu spielen.“

Obwohl es in der Türkei professionelle Turniere der WTA-Tour, mittlerweile auf der Challenger- und WTA-125-Ebene sowie kleinere ITF-Turniere, gibt, gilt die Türkei nicht als Tennis-Nation. Im Gespräch mit dem türkischen Magazin Bee Haber, sprach die Nummer 58 der Welt über die Herausforderungen der fehlenden Tennis-Tradition in ihrer Heimat: „Ich komme nicht aus einem Land, in dem Tennis sehr populär ist. Ich bin nicht in einer Umgebung aufgewachsen, die von Tennis-Kultur geprägt ist. Deshalb musste ich viele Dinge im Vorbeigehen lernen.“

Ebenfalls Pionierin ihres Landes, Tunesiens, sowie der gesamten arabischen Welt und des afrikanischen Kontinents ist Ons Jabeur, die ehemalige Nummer zwei der Welt und dreifache Grand Slam-Finalistin. Aktuell wird Sönmez von dem langjährigen Coach von Jabeur, die im April Mutter eines Sohnes geworden ist, trainiert. Die Zusammenarbeit mit Issam Jellali besteht seit November 2025. Teil ihres Teams ist zudem ihr Fitness- sowie Mentaltrainer Mehmet Bayraktar. Einen Teil der Off-Season vor Saisonstart 2026 verbrachte Sönmez in Jabeurs Akademie in Dubai, die unter der Leitung von Jellali steht.

Ons Jabeur als Mentorin für Sönmez

„Wenn ich jemanden kennenlerne oder von etwas überzeugt bin – es fällt mir nicht leicht, mich von etwas überzeugen zu lassen –, aber sobald ich überzeugt bin, bin ich zu 100 Prozent dabei“, sagte Sonmez bei den Madrid Open gegenüber der WTA. „Ich denke, in den ersten paar Monaten haben wir uns kennengelernt, und ich vertraue meinem Team zu 100 Prozent“, so Sönmez über ihr Team. Ons Jabeur ist kein aktiver Teil des Teams, unterstützt die Hoffnung aus der Türkei dennoch als eine Art Mentorin. Während der Australian Open im Januar sagte Sönmez über Jabeur: „Als es mir zu viel wurde, habe ich sie angerufen und wir haben etwa eine Stunde telefoniert.“

Ebenso wie mit Jabeur, verfolgt Jallali auch mit Sönmez anspruchsvolle Ziele.„Wir haben große Erwartungen. Wir haben große Ziele, aber wir arbeiten Woche für Woche daran“, sagte Jellali in Madrid. „Es gibt noch einiges, was wir verbessern müssen. Unser Hauptziel – ich weiß nicht, wie es bei ihr aussieht –, aber ich kann sagen, dass sie auf jeden Fall unter die Top 10 kommen will und warum nicht sogar die Nummer 1 der Welt? Wann? Wie? Wie lange wird es dauern? Ich weiß es nicht, aber ich denke, das ist das Ziel für jede Spielerin, die hier auf der Tour ist.“

Sönmez, deren gute Platzabdeckung und Beinarbeit auf dem Court von Experten immer wieder als eine der besten auf der Tour hervorgehoben wird, habe vor allem daran gearbeitet, aggressiver zu spielen. Sie habe an ihrem „eindimensionalen Tennis“ gearbeitet und sei nun in der Lage, sowohl offensiv als auch defensiv zu spielen. „Wenn im Spiel etwas nicht läuft, wie es soll, kann ich jederzeit umstellen. Ich habe das Gefühl, dass ich jetzt mehr Vielfalt habe, auf die ich zurückgreifen kann“, so Sönmez über die Entwicklung ihres Spiels. Trotz großen Zielen sei es für die türkische Hoffnungsträgerin wichtig, ihre Zeit auf dem Court zu genießen – sei es beim Training oder bei Wettkämpfen.

Zeynep Sönmez: Bekannt für ihre Fairness

Sönmez gilt als eine ausgesprochen faire Spielerin der WTA-Tour und genießt einen Ruf für Fairness und Respekt auf dem Platz. Bei den Australian Open half sie beispielsweise während dem Match einem Ballkind, das zu viel Sonne abbekommen hatte oder korrigierte im Match gegen Eva Lys eine falsche Linienentscheidung zugunsten ihrer Gegnerin. Lys zählt unter anderem zum Freundeskreis der türkischen Rekordhalterin, ebenso wie Alexandra Eala und Iva Jovic.

Auch bei Tennis-Fans ist Sönmez beliebt. Fans schätzen ihr Fairplay und ihren mutigen und mitreißenden Spielstil. Auch in den Sozialen Medien erfährt die 24-Jährige Zuspruch. Auf Instagram hat sie fast 460 Tausend Follower. Gleichzeitig bietet Social Media Raum für anonymen Online-Hass. Im Love All-Podcast von Kim Clijsters betonte die Türkin die Bedeutung einer starken mentalen Einstellung, um sich von der digitalen Toxizität auf Social Media die Freude am Sport nicht nehmen zu lassen.

Fans, vor allem aus ihrer Heimat, verfolgen währenddessen gespannt die Reise der türkischen Nummer eins und hoffen auf weitere Meilensteine in der Geschichte des türkischen Tennissports.

Text: Anna Sophia Antic. Sie studiert Journalismus an der IU-Akademie.