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Kinofilm Battle of the Sexes: Powerfrau gegen Machotyp

Am 23. November kommt der nächste Tennisfilm in deutsche Kinos: „Battle of the Sexes“. In der Hauptrolle: Emma Stone als Billie Jean King. tennismagazin.de sah den Film im Preview – hier unsere Kritik:

1973 wird die Damenmode lockerer, Günter Netzer wechselt sich im DFB-Pokalfinale selbst ein und die Bosporus-Brücke wird eröffnet. In diesem Jahr wird auch der Baustein für eine andere Brücke gelegt: Billie Jean King fordert Bobby Riggs im Battle of the Sexes und erringt elementare Veränderungen in Damentennis und öffentlicher Wahrnehmung. Die beiden Regisseure Valerie Faris und Jonathan Dayton bringen diesen Meilenstein der Gleichberechtigung mit dem Film Battle of the Sexes auf die Leinwand.

Ein Feuer der Überzeugung

Die Filmbiographie läuft ab dem 23. November in den deutschen Kinos und ist bereits seit dem 22. September in den USA zu sehen. In 121 Minuten Spielzeit wird die Geschichte rund um das Spiel erzählt, das eigentliche Tennismatch steht nicht so sehr im Fokus. Das ist beim anderen großen Tennisfilm der letzten Wochen, bei „Borg/McEnroe“ ganz anders. Dort läuft alles auf das legendäre Finale in Wimbledon 1980 hinaus. Bei „Battle of the Sexes“ steht dagegen im Vordergrund, wofür auf dem Court und daneben vehement gekämpft wird: die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen.

Billie Jean King, die von Emma Stone herausragend gespielt wird, verfolgt nur ein Ziel: Sie will, dass sie Profispielerinnen genauso viel Preisgeld erhalten wie ihre männlichen Kollegen. Auf ihrem Weg dorthin scheut sie keine kritischen Gegner. Einer ihrer Widersacher etwa ist der britische Ex-Profi und Kommentator Jack Kramer, gespielt von Bill Pullman, den sie mit diplomatischem Geschick in seine Schranken weist. Die Gründung einer Frauentennisorganisation ist einer von Kings Schritten, kommt jedoch im Film etwas zu kurz. Wer sich nicht mit der Historie des Tennis auskennt, dem erschließt sich die Bedeutung dieser geschichtsträchtigen Stunde nicht ganz. Sehr schön dargestellt ist jedoch die Tatsache, dass jede Spielerin zur Gründung einen symbolischen Dollar erhält. Billie Jean King, die Powerfrau, nutzt diesen Aspekt, um Kramer bei weiteren Auseinandersetzungen seine Grenzen aufzuzeigen.

Battle of the Sexes - Filmkritik tennisMAGAZIN

ZWEI STARKE FRAUEN: Emma Stone (links) beeindruckt in der Rolle von Billie Jean King.

Riggs als sympathischer Anti-Held

Auf der anderen Seite steht mit Bobby Riggs ein konservativer Machotyp mit Hang zum Glücksspiel. Der Wimbledon-Champion von 1939 hat mit 55 Jahren nicht nur sportlich, sondern auch im sozialen Umfeld schon bessere Zeiten durchlebt. Seine laute, zuweilen respektlose und frauenfeindliche Art („Ich liebe alle Frauen – im Bett und in der Küche!“) belustigt die Leute. Die Idee, in Serie gegen weibliche Tennisprofis zu spielen, unterhält das Volk und zeigt auf, dass Frauen in den Siebziger Jahren vor allem ein schmückendes Beiwerk waren – und keine ernstzunehmende Gegnerinnen.

Riggs ist der Antiheld dieser Geschichte. Trotzdem schafft es Darsteller Steve Carell den Ex-Profi sympathisch aussehen zu lassen, der Zuschauer fühlt mit dem Amerikaner mit. Für unterhaltende Abwechslung zur ernsten Kernthematik des Films sorgen die Wettspielchen des Altmeisters genauso wie seine lockere und spaßige Spielvorbereitung.

Die Spekulationen, dass Riggs das Spiel für Geld der Wettmafia absichtlich verloren habe, werden im Film nicht thematisiert, stattdessen setzt Riggs auf sich selber. Regisseurin Valerie Faris hat eng mit Riggs‘ Freund und damaligem Coach Lornie Kuhle (gespielt von Eric Christian Olsen) zusammengearbeitet. Er verrät, dass Riggs mit einem Sieg über King seine Matches gegen andere Profispielerinnen fortgesetzt hätte und für ihn ein Preisgeld von einer Million Dollar möglich gewesen wäre. Eine Verschiebung wäre demnach also eher sinnlos gewesen.

Battle of the Sexes Filmkritik tennisMAGAZIN

IM ORIGINAL: Billie Jean King und Bobby Riggs bei einer Pressekonferenz vor dem Match 1973.

Die Bedeutung von Hillary Clinton

Die Geschichte setzt vorwiegend auf die emotionale Ader des Zuschauers. Kings problematische Liebesbeziehung zu der Friseurin Marylin Barnett (Andrea Riseborough) zieht den Rezipienten in seinen Bann. Auch der sich stets fortführende Kampf um Gerechtigkeit ist emotional aufwühlend. Schön hierbei ist, dass sich die Frauen trotz ihres gemeinsamen Zieles nicht immer als Einheit präsentieren. Margaret Smith Court (Jessica McNamee) etwa passt als konservative Frau nicht in die aufbegehrende Gruppe junger Tennisspielerinnen, mit der sie auf Tour ist.

Welche Bedeutung das Thema Gleichberechtigung für das Regisseuren-Ehepaar Faris/Dayton hat, wird in der ursprünglichen Intention deutlich: Der Film sollte eigentlich zu Ehren von Hillary Clinton als US-Präsidentin im Weißen Haus gezeigt werden – nur machte Donald Trump diesem Vorhaben bekanntlich einen Strich durch die Rechnung.

Ein feines und stimmiges Detail ist die prägende Rolle von Kings Designer Ted Tinling (Alan Cumming). Tinling ist ein enger Freund des Tennisstars und offen schwul. Er ermutigt King immer wieder zu ihrer zu diesem Zeitpunkt „anderen Sexualität“ zu stehen.

30.000 Fans im Stadion

LEGENDÄRE SZENE: Billie Jean King wurde zum Geschlechterkampf auf einer Sänfte auf den Platz getragen. Natürlich kommt das auch im Film „Batte of the Sexes“ vor.

Ebenfalls  treffend dargestellt ist der mediale Hype um dieses Spiel. 30.000 Stadionzuschauer im Astrodome von Houston sind noch immer amerikanischer Rekord, insgesamt wurden rund 90 Millionen Menschen weltweit über das Fernsehen erreicht. Bis heute wurde kein Match in der Geschichte des Tennissports von so vielen Menschen live verfolgt. Starke Szene: Wie Riggs nach einem schlechten Start ins Match von Coach Kuhle gebeten wird, seine knallgelbe Jacke mit der Aufschrift „Sugar Daddy“ abzulegen. Riggs entgegnet, dass er dafür 20.000 Dollar bekäme.

Bemerkenswert ist die Machart des Filmes: Die Regisseure haben mit analoger Technik gearbeitet und Filmrollen verwendet. Bei genauer Betrachtung des Bildes fällt der Retrolook auf; es ist tatsächlich ganz angenehm fürs Auge, wenn man nicht jede Pore sieht. Die Atmosphäre einer vergangenen Zeit wird somit erfolgreich transportiert.

Fazit

Der Zeitgeist wird perfekt getroffen. Die Musik passt gut in die Szenerie und spiegelt die herrschende Aufbruchstimmung wieder. Das in den USA und England produzierte Biopic thematisiert Billie Jeans Kampf für Gerechtigkeit sehr ausführlich und ergreifend. Der Zuschauer wird schnell emotionalisiert. Die Story rund um Kings Beziehung zu Marylin Barnett veranschaulicht die Problematik zusätzlich. Die handelnden Personen ordnen dem Tennis alles unter, worauf der Film glücklicherweise verzichtet, indem er nur so viele Tennisszenen wie nötig zeigt. So nimmt das Engagement der weiblichen Tennisprofis zurecht eine Menge Platz ein. In einigen Szenen rutscht die Geschichte in einen Hollywood-typischen Kitsch ab, was die eigentlich starke Thematik etwas verwässert.

Insgesamt ist es ein packender Streifen, der eher dem gesellschaftskritischen Genre zuzuordnen ist als dem des Sportfilms. Jedem Liebhaber von emotionalen Geschichten sei ‚Battle of the Sexes‘ ans Herz gelegt.