Televesion remote control in the hand, zapping

Watching a tennis match in the television, with a tv remote control in the hand

Davis Cup bei DAZN: Verschwunden im Aufmerksamkeits-Nirwana

Die Sandplatzgötter sind etwas verunsichert. Nein, nicht weil Roger Federer sich entgegen unserer Prognosen den Australian-Open-Titel geschnappt hat. Damit können wir sehr gut leben, zumal unsere Selbsthilfegruppe „sogenannte Tennisexperten“ (montags von 18.00 -20.00 Uhr) jetzt endlich richtig Zulauf hat. Nein, was uns aktuell ein wenig verwirrt, ist der Davis-Cup. Speziell die Partie von Deutschland gegen Belgien in Frankfurt. Noch spezieller: Unsere Möglichkeiten, die Matches am Freitag, Samstag und Sonntag zu verfolgen.

Mühsam haben wir uns in den letzten Jahren vor Davis-Cup- und Fed-Cup-Wochenenden immer wieder neu ins Gedächtnis gerufen, hinter welcher Nummernkombination unserer Fernbedienung sich Sat1. Gold denn nun verbirgt. Wurde man dort, was zuletzt häufiger vorkam, dann doch nur über ältere Damen, deren Hobby Mord und ältere Herren, deren Diagnose Mord ist, informiert, konnte man sich darauf verlassen, trotzdem bei ran.de die deutschen Nationalmannschaften im Tennis ausführlich im Livestream verfolgen zu können.

Klassisches TV oder Livestream? Ist doch egal

Dem auf zehn Jahre angelegten Kooperations-Vertrag zwischen DTB und der Pro7Sat.1-Gruppe sei Dank. Dessen Intention, dem deutschen Publikum mehr Live-Tennis als in den vergangen Jahren frei zugänglich zu machen, konnten wir eigentlich nur positive Seiten abgewinnen. Ob das jetzt im klassischen TV oder im Livestream geschah, war uns spätestens in letzter Zeit eigentlich relativ schnuppe geworden.

Denn das Wort „nur“ verkneifen wir uns mittlerweile in direkter Nachbarschafft zu „Livestream“ ganz erfolgreich. In Zeiten von Smart-TV, Mediatheken, Netflix & Co. ist es uns eigentlich herzlich egal, wie die bewegten Bilder nun genau auf unsere Bildschirme kommen. Hauptsache, die Tennis-Ereignisse, die uns interessieren, werden uns überhaupt legal angeboten – möglichst natürlich in einer technischen und inhaltlich/redaktionellen Aufbereitung, die den heutigen Standards für Bildschirm-Sport entspricht. Und sehr gerne natürlich auch – wie bei ran.de – ohne Bezahlschranke.

Keine Rechte mehr für die DTB/Pro7Sat1-Kombo

Mit Ende der Saison 2016 hat die DTB/Pro7Sat1-Kombo allerdings ein großes Problem: Ihr sind die Rechte abhanden gekommen, die die Umsetzung des hehren Vorhabens „mehr Tennis für noppes“ erst möglich machen. Nicht nur die für die WTA-Tour, sondern auch diejenigen für die Übertragung der internationalen Mannschafts-Wettbewerbe. Bedeutet: Auch wenn man auf ran.de immer noch eher  irreführende Hinweise darauf finden kann, dass der Davis- und auch Fed-Cup hier live zu sehen sind, schauen wir dort ab Freitagmittag in die Röhre. Und zwar in keine, die Tennis aus Frankfurt zeigt.

Die Rechte für diese Übertragung hat sich bis 2019 nämlich jetzt das kostenpflichtige Sport-Livestream-Portal DAZN für Deutschland, die Schweiz und für Österreich gesichert. Aus Sicht des relativ neu am Markt operierenden Anbieters ist der Davis Cup bei DAZN ein nachvollziehbarer Schritt, wird so dass eigene Portfolio im Bereich Tennis doch mit direktem nationalen Bezug zum Zielpublikum gestärkt. Und das zu einem Zeitpunkt, zu dem gerade in Deutschland die Davis-Cup-Mannschaft erstmals seit Jahren wieder über die reine Verhinderung des Abstiegs hinaus erfolgversprechend aufgestellt zu sein scheint.

Der Salto Mortale von Dirk Hordorff

Aus Sicht des DTB dagegen eine eher unglückliche Neukonstellation, die den Verband in Person seines Vizes Dirk Hordorff zu einem echten verbalen Salto Mortale nötigte. Beschrieb er die Situation Ende letzter Woche in unserer Facebook-Kommentarspalte noch als „schade für den DTB, schade für die deutschen Tennisfans, schade fürs Tennis“, freute er sich Anfang der Davis-Cup Woche plötzlich, „dass durch DAZN für alle Tennisfans in Deutschland sichergestellt ist, dass sie langfristig sämtliche Spiele des deutschen Davis Cup- und Fed Cup-Teams live verfolgen können.“ Wir nennen das mal eine gesunde Anpassungsfähigkeit an neue Situationen und Partner.

Und die Sicht der Sandplatzgötter? Nun, richtige Tennis-Nerds wie wir, werden sich jetzt halt bei DAZN registrieren (falls sie das nicht schon getan haben), den Probemonat mitnehmen und später für den Davis-Cup bei DAZN in die fällige Monatsgebühr investieren. Für größere Teile der nicht ganz so extrem Tennis-interessierten Öffentlichkeit werden Davis-Cup und Fed-Cup allerdings mindestens für die nahe Zukunft im kompletten Aufmerksamkeits-Nirwana verschwinden. Ausgenommen sind die, die am Samstag das Doppel (aber auch NUR das samstägliche Doppel mit Andrea Petkovic als Co-Kommentatorin) aus Frankfurt live im Fernsehen des hessischen Rundfunks verfolgen.

Das kann man nämlich. Wenn man es weiß. Und wenn man es schafft, nach Sat.1 Gold jetzt auch noch den Sendeplatz des HR herauszufinden.