Feliciano Lopez

Vom ­Profi zum Turnier­chef: Feliciano Lopez ist heute Turnierdirektor in Madrid.Bild: Imago

Feliciano Lopez: „Die Stars spielen heute weniger Turniere als früher”

Feliciano Lopez, die frühere Nummer zwölf der Welt, über Belastungen auf der Tour, seine Rolle als Turnierdirektor, Alcaraz, Sinner sowie das eigene Spiel.

Senor Lopez, wie oft spielen Sie selbst noch Tennis? 

Nicht mehr so oft, seit ich vor zwei Jahren auf Mallorca meine Karriere beendet habe. In Barcelona und Valencia gibt es viele Möglichkeiten, in den Akademien mit jungen Spielern Bälle zu schlagen. In Madrid, wo ich mit meiner Familie lebe, ist das nicht der Fall. Manchmal spiele ich mit meinem früheren Trainer „Pepo“ Clavet, aber er war zuletzt viel als Tourcoach auf Reisen.

Ihr Paradeschlag, die einhändige Rückhand, verschwindet mehr und mehr auf der Tour. Schmerzt Sie das? 

Es ist traurig. Heute spielen fast alle Profis gleich. Ich sehe kaum eine Strategie. Wer voll Power spielt, muss nicht viel nachdenken. Schwere Bälle und die Courts, die sich alle ähnlich spielen, begünstigen das.

Klingt nostalgisch. 

Ja, ich vermisse die alten Zeiten. Für die Fans braucht es unterschiedliche Persönlichkeiten und Spielstile. Carlos Alcaraz ist die Ausnahme. Er geht ans Netz, bringt Unvorhersehbares ins Spiel. Seine Rivalität mit Jannik Sinner ist ein Segen. Abgesehen von diesen beiden sehe ich in den nächsten zwei, drei Jahren niemanden auf diesem Niveau.

Sie waren schon zu Ihrer aktiven Zeit Turnierchef von Madrid. Wie kam das?

Ion Tiriac und der heutige CEO der Mutua Madrid Open, Gerard Tsobanian, sprachen mich an. Ich war damals Top 50-Spieler und es war eine schwierige Entscheidung. Heute bin ich froh, dass es so kam. Es war ein sanfter Übergang von der aktiven Karriere. Madrid war mein erstes Profiturnier. Als Jugendlicher bekam ich eine Wildcard und verlor knapp gegen Andre Agassi.

Als Turnierchef wirken Sie aktiv an der Architektur der Tour mit. Was entgegnen Sie den Spielern, die sich über den vollen Kalender beschweren?

Die Topspieler spielen heute weniger als vor 15 oder 20 Jahren. Der Plan der ATP ist, dass sie hauptsächlich Grand Slams, Masters und ein paar andere Turniere spielen. Deshalb haben wird Masters-Events zu zwei Wochen-Veranstaltungen gemacht. Der Kalender insgesamt ist lang. Aber niemand zwingt einen, alles zu spielen.

Verstehen Sie die Beschwerden?

Ja, ich verstehe sie gut, weil ich selbst lange Spieler war. Manche Dinge sehe ich anders, aber ich bin immer offen für Gespräche. Tennis steht heute so gut wie nie da – auch für Top 100-Spieler. Im Vergleich zu vor zehn Jahren verdienen Sie ein Vielfaches mehr.

Sie halten den Rekord für die meisten Grand Slams in Serie, 79. Was bedeutet Ihnen das?

Darauf bin ich stolz. Es zeigt, dass ich 20 Jahre lang auf höchstem Niveau gespielt habe.