Jo-Wilfried Tsonga

Cooler Typ: Jo-Wilfried Tsonga, früher die Nummer 5 der Welt, betreibt eine Tennisakademie mit Standorten in Lyon und Südfrankreich.Bild: Imago

Jo-Wilfried Tsonga: „Als Profi ist man wie in einer Waschmaschine”

Jo-Wilfried Tsonga, der Australian Open-Finalist von 2008, über den Stress auf der Tour, die eigenen Kinder, die ihn auf Trab halten und seine Tennisakademie.

Herr Tsonga, 2022 beendeten Sie Ihre Karriere. Was machen Sie heute? 

Vieles dreht sich aktuell um meine Familie. Ich habe drei Kinder. Sugar ist acht, Lilo vier und Po Ivy ist gerade geboren. Ich kriege wenig Schlaf, bin aber überglücklich, dass der Nachwuchs gesund ist.

Ganz dem Tennis abgeschworen haben Sie aber nicht. Sie sind Turnierdirektor beim ATP-Event in Lyon und Eigentümer einer Tennisakademie. 

Stimmt. In Lyon bin ich auch Eigentümer. In meinen Tennisschulen in Südfrankreich und ebenfalls in Lyon, die ich seit fünf Jahren betreibe, habe ich fast 100 Schüler. Wir bauen auch Padel-Anlagen und haben eine eigene Padel-Akademie. Meistens bin ich ein- bis zweimal die Woche in Lyon vor Ort. Ich wohne in der Schweiz. Mit dem Auto sind das rund eineinhalb Stunden Fahrt.

Was sind das für Spieler bei Ihnen? 

Jedes Alter, jedes Spielniveau. Einige versuchen, Profi oder gut genug fürs College in den USA zu werden. Wir haben acht Spieler, die zwischen Platz 100 und 500 der Weltrangliste stehen. Kyrian Jacquet zum Beispiel hat sich letztes Jahr für Roland Garros qualifiziert. Ugo Blanchet war in der dritten Runde der US Open.  

Wie ist Ihre Coaching-Philosophie?

Ich mag das Wort Philosophie nicht so sehr. Coaching ist individuell. Wichtig ist Neugier und ein Bewusstsein für das eigene Spiel sowie Verständnis für das Drumherum – Fitness, Ernährung, Mentales, Medizin.

Spielen Sie selbst noch Tennis? 

Ja, ungefähr einmal die Woche. Ich bin verrückt nach Sport. Ich spiele Basketball und Fußball. Ich schwimme, fahre Rad und Ski. Vieles mach ich zusammen mit meinen Kindern.

Haben sich Ihre Kids schon auf eine Sportart festgelegt? 

Nein. Im Moment sind sie vor allem darauf spezialisiert, mich nachts zu wecken.  

Wie sehr hat Ihr Körper unter der Profikarriere gelitten?

Ich hatte früh einen doppelten Leistenbruch und Operationen an beiden Knien. Heute versuche ich einfach, meinen Körper gut zu managen, um aktiv zu bleiben. 

Kann Tennis eine Schule fürs Leben sein? 

Absolut. Ich lerne heute noch viel, wenn ich anderen zuschaue oder mit Kindern auf dem Platz stehe.   

Bereuen Sie etwas?

Abgesehen davon, dass man als Profi wie in einer Waschmaschine lebt, weil sich alles so schnell dreht, habe ich die Momente mit meinem Team und Freunden am meisten genossen.  

Wann gewinnt ein Franzose Roland Garros?

Ich hoffe bald. Yannick Noah, dem ich viel zu verdanken habe, war 1983 der letzte. Unsere jungen Spieler arbeiten hart. Irgendwann wird es passieren.