Mandy Minella

Mandy Minella im Interview: „Ich bekomme viele Komplimente”

Die Luxemburgerin Mandy Minella, Nummer 147 der Welt, über ihre Rolle und ihr Leben als Mutter auf der WTA-Tour.

Erschienen in den tennis MAGAZIN-Ausgabe 4/2020

Frau Minella, warum gibt es mittlerweile so viele Mütter auf der WTA-Tour?

Es werden immer mehr, weil wir Frauen immer länger spielen und uns fit halten. Es gibt mehr Geld im Tennis zu verdienen. Man braucht nicht mehr mit Anfang 20 aufzuhören, um eine Familie zu gründen. Damals hat es nicht so viel Sinn ergeben, weil nur die Topspielerinnen gut verdient haben. Jetzt haben einige Spielerinnen gezeigt, dass sich Tennisprofi und Muttersein nicht ausschließen. 

Wie ist Ihr Leben auf der Tour als Mutter? 

Man benötigt Hilfe, vor allem die Unterstützung von der Familie, weil das alles sonst alleine nicht möglich wäre. Für mich ist es einfacher geworden, weil ich Tennis relativiere. Es ist mir nicht mehr so wichtig wie früher. Ich gehe viel unemotionaler ans Tennis heran. Es ist meine Arbeit. Ich habe sehr viel Spaß dabei, deshalb mache ich das noch. Aber es ist nicht mehr das Allerwichtigste in meinem Leben. Wenn ich vom Platz komme und meine Tochter sehe, dann vergesse ich alles. Ich verliere meine Zeit nicht mit negativen Gedanken. Ich bin eine ganz normale Mama außerhalb vom Platz.

Trainieren Sie als Mutter anders als vorher?

Ich trainiere mittlerweile weniger. Ich konnte bei meiner Rückkehr noch mehr trainieren, da mein Kind noch sehr viel geschlafen hat. Das war etwas einfacher. Nun ist es so, dass sie mehr Aufmerksamkeit braucht und ich das Training manchmal vernachlässigen muss. 

Was ist das Schwerste als Tennismutter?

Die Herausforderung ist sicherlich, die Physis beizubehalten, dass man jeden Tag fit ist, um harte Matches durchzustehen und im dritten Satz nicht plötzlich kaputt ist. 

Bekommen Sie genügend Schlaf?

Ja, mittlerweile geht es. Meine Tochter Emma schläft nun gut, wird aber häufig auch wach. Mein Mann kümmert sich dann um sie. Wenn sie um sechs Uhr wach ist, geht er mit ihr aus dem Zimmer, sodass ich noch bis acht Uhr weiterschlafen kann. Das hilft mir viel. Manchmal habe ich schlechte Nächte. Am Anfang habe ich das gut weggesteckt mit weniger Schlaf. Jetzt fängt es an, ein bisschen schwieriger zu werden. Dann habe ich das Gefühl, dass ich selber wieder mehr Schlaf brauche.

Ihr Mann Tim Sommer ist gleichzeitig Ihr Trainer. Eine schwierige Konstellation?

Schwierig ist es in dem Sinne, dass er nicht mehr als Trainer bei mir auf dem Platz sein kann. Wir können noch miteinander trainieren, wenn wir zu Hause sind, weil die Großeltern uns unterstützen. Wir können dann ein ganz normales Trainingsprogramm durchführen. Wenn wir auf Turnieren sind, kann er beim Training mit Emma zuschauen, wenn sie gut drauf ist. Bei den Matches ist er nicht dabei. Das ist aber nicht immer schlimm. Mit der Erfahrung, die ich über die vielen Jahre habe, tut es auch mal ganz gut, alleine zu spielen. Effektiv hat mein Mann mir schon oft geholfen. Vielleicht könnte er mir helfen, ein Match zu drehen, wenn er dabei ist. Wir versuchen es mit den Mitteln, die wir haben.

Wie sieht die Kinderbetreuung auf Turnieren aus?

Es gibt keine. Bei den Grand Slam-Turnieren haben wir es schon, aber erst ab dem Hauptfeld. Logisch ist das nicht. Denn Spielerinnen in der Qualifikation haben ja auch Kinder. 

Gibt es einen Austausch zwischen den ­Müttern auf der WTA-Tour?

Tatjana Maria hat mir sehr viele Tipps gegeben. Sie ist auch diejenige Mutter, mit der ich mich am besten verstehe. Serena Williams und Victoria Azarenka sind eine andere Welt. Die beiden haben mehr Möglichkeiten. Serena hat ein Team, das mit ihr reist. Wir reisen zu dritt,  mein Mann Tim, Emma und ich. Meine Mama kommt manchmal mit und entlastet uns. 

Fühlen Sie sich benachteiligt gegenüber den Vätern auf der Tour? 

Man muss akzeptieren, dass die Frauen die Kinder bekommen. Für mich ist Muttersein das Schönste. Es ist belastender für mein Tennis, weil ich auf einmal zwei Vollzeitjobs habe: Tennis­profi und Mutter. 

Werden Sie als Mutter anders wahrgenommen von Ihren Kolleginnen auf der Tour?

Ich bekomme nur positives Feedback und viele Komplimente, weil sie die Leistung gut einschätzen können, dass ich zurückgekommen bin in die Top 100. Meine Kolleginnen stellen mir viele Fragen. Es sind bestimmt einige dabei, die im Hinterkopf haben, auch eine Familie zu gründen und danach wieder zurück auf die Tour zu kommen. 

Sie haben während der Schwangerschaft lange gespielt auf der WTA-Tour und nach der Geburt Ihrer Tochter wieder angefangen. War das immer der Plan?

Nein, das war gar nicht der Plan. Wir haben die ganze Zeit improvisiert. Ich wollte eigentlich meine Karriere beenden und dann Kinder bekommen. Aber dann bin ich schwanger geworden und stand auf meiner besten Ranglistenplatzierung. Wir haben entschieden, das Ranking einzufrieren, weil ich dann die Möglichkeit hatte, mit acht Turnieren durch das Protected Ranking auf die Tour zurückzukommen. Ich wollte wieder fit werden und wieder Tennis spielen. Aber gleichzeitig dachte ich auch, dass ich vielleicht nur noch ein Jahr spiele und es dann gewesen ist. Es ist wirklich besser gelaufen als erwartet.

Es gibt nicht allzu viele Profisportler in Luxemburg. 2011 wurden Sie zur Sportlerin des Jahres gewählt. Wie werden Sie in Luxemburg wahrgenommen?

Ein Star bin ich nicht in Luxemburg, weil der Sport in Luxemburg nicht den großen Stellenwert besitzt wie beispielsweise in den USA. Man hört oft die Frage: „Ah, du spielst Tennis, aber was hast du denn studiert?“ Es wird nicht so wahrgenommen, dass es Leute gibt, die Risiken eingehen und etwas anderes tun. Wenn man für den Staat arbeitet oder studieren geht, dann findet man sicher einen guten Job in Luxemburg. Man hat dadurch eine riesen große Sicherheit, die man als Sportler nicht hat.

Mandy Minella

tM-Redakteur Christian Albrecht Barschel sprach beim WTA-Turnier in Stuttgart im April 2019 mit Mandy Minella.

Vita Mandy Minella

Die Luxemburgerin (34) gewann bislang 15 Profiturniere im Einzel, vier davon als Mutter und erreichte ihr bestes Ranking mit Platz 66. 2018 schaffte sie es in Gstaad in ihr erstes Finale auf der WTA-Tour. Mit 14 Jahren gab sie ihr Debüt für das luxemburgische Fed Cup-Team und hat in 52 Partien führ ihr Land gespielt. 2011 wurde Minella zu Luxemburgs Sportlerin des Jahres gewählt. 2014 heiratete sie ihren Trainer, den Deutschen Tim Sommer. Im Oktober 2017 kam Tochter Emma Lina zur Welt. Anfang Februar 2018 kehrte sie bereits auf die Tour zurück.