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Peter Gojowczyk exklusiv: „Ich mache mein eigenes Ding“

Mit seinem Erstrundenerfolg gegen den an zwölf gesetzten Sam Querrey hat sich Peter Gojowczyk erfolgreich nach einer kürzerer Schwächephase auf der ATP-Tour zurückmeldet. Der 28-Jährige hat sich trotz zum Teil großer Verletzungsprobleme mit großer Beharrlichkeit zur deutschen Nummer drei gemausert. tennis MAGAZIN hat exklusiv mit ihm über seinen Aufstieg und seinen besonderen Weg samt Trainingsumstellung, Fitness a la Andy Murray und sein großes Hobby Kochen gesprochen.

tennis MAGAZIN: Herr Gojowczyk, Sie waren eine Weile von der Bildfläche verschwunden, bevor Sie sich nach guten Leistungen im vergangenem Jahr und zu Beginn dieses Jahres zum ersten Mal in Ihrer Karriere in die Top 50 spielten. Wie erklären Sie sich die Leistungssteigerung?

Peter Gojowczyk: Ich hatte mich Ende 2016 von der TennisBase in Oberhaching getrennt, weil ich dort nicht so richtig klarkam. Ich wollte eine persönliche Betreuung haben und habe dann Alex Satschko (früherer Doppelspieler auf der Tour, d. Red.) gefragt, ob es möglich wäre, dass er mein Coach wird. Wir haben Anfang 2017 begonnen zusammen zu arbeiten und dann langsam mein Spiel umgestellt. Ich fühle mich jetzt vorne am Netz deutlich wohler. Auch wenn ich noch häufiger ans Netz gehen könnte, als ich es derzeit tue. Wir arbeiten jetzt daran, dass ich diese Situationen besser wahrnehme, um mein Spiel noch kompletter zu machen. Früher habe ich viel Grundlinientennis gespielt. Jeder hat meistens schon gewusst, dass ich gar nicht nach vorne komme. Jetzt versuche ich, mehr zu mixen und mache dadurch auch mal ein paar einfache Punkte. Ich denke, das ist ein Schlüssel zum Erfolg.

tennis MAGAZIN: Richtig auf Sie aufmerksam wurde man, als Sie im vergangenen Jahr in Metz Ihren ersten Titel holten.

Gojowczyk: Ja, obwohl ich aus der Qualifikation kam. Im ganzen Turnier habe ich nur einen Satz abgegeben. Das hat mir sehr viel Selbstvertrauen gegeben. Die Kunst ist es, jede Woche dieses Level abzurufen. Anfang dieses Jahres habe ich sehr gut gespielt und bin in Doha bis ins Viertelfinale gekommen. Da habe ich leider knapp gegen Gael Monfils verloren. In Auckland habe ich Jack Sock geschlagen. In Delray Beach erreichte ich das Finale und schlug John Isner 7:6, 6:7, 7:6. Das war eines der besten Matches in meiner Karriere. Das Beste ist aber immer noch das Tsonga-Match beim Davis Cup-Debüt 2014.

tennis MAGAZIN: War der Titel in Delray Beach drin?

Gojowczyk: Definitiv. Ich war körperlich nicht ganz fit. Im Halbfinale gegen Steve Johnson hatte ich im dritten Satz einen leichten Stich im Oberschenkel. Danach haben wir kurz überlegt, ob ich das Finale überhaupt spielen soll. Aber natürlich willst du spielen, wenn du bis ins Finale gekommen bist. Die Woche davor musste ich in New York schon aufgeben, weil ich an beiden Füßen Blutblasen hatte. Deshalb hatte ich vorher überhaupt nicht gedacht, dass ich in Delray Beach so weit komme.

tennis MAGAZIN: Wo ist Ihr Trainingsmittelpunkt?

Gojowczyk: Ich trainiere wieder bei der SportScheck Pro Base in Unterföhring. Dort habe ich früher schon mit Lars Uebel gearbeitet, der jetzt in Oberhaching ist. Damals waren auch Matthias Bachinger und Tim Pütz noch mit dabei.

tennis MAGAZIN: Sie hatten schon ein paar Verletzungen. Wie gelingt es Ihnen, insgesamt stabiler zu werden?

Gojowczyk: Ich habe in München einen Physiotherapeuten, Christian Speckmeier, mit dem ich viel zusammenarbeite. Wir arbeiten an der Beweglichkeit der Gelenke, um die Verletzungsgefahr zu verringern. Ab und zu kommt er auch mit auf Tour. Aber nicht überall hin, weil er gerade eine schwangere Frau zuhause hat. Bei der Turnierplanung ist es auch wichtig, sich mal Pausen zu gönnen. Wenn man sechs Wochen am Stück spielt, ist das schon eine hohe Belastung. Ich musste wegen eines Morton Neuroms (eine Nervenschwellung im Vorfuß, d. Red.) schon an beiden Füßen operiert werden. Mit konservativer Behandlung konnte man da leider nichts machen. Vor vier Jahren fiel ich damit relativ lange aus. Im vergangenen Jahr hatte ich dann das gleiche Problem mit dem anderen Fuß. Da wusste ich dann aber direkt, was es ist und was auf mich zukommt. Ich habe mich nach Miami operieren lassen und war bei den French Open schon wieder auf dem Platz.

tennis MAGAZIN: Sie waren beim Davis Cup in Brisbane dabei und hätten vermutlich auch das fünfte Match gespielt. Sind Sie ein Spieler, der sagt „das Team soll gewinnen“ oder ein Spieler, der unbedingt spielen will?

Gojowczyk: Man möchte immer spielen. Aber dabei sein ist auch schon gut, weil du dein Land vertrittst. Ich bin immer stolz, wenn ich den Adler auf der Brust habe. Die Nominierung war auch eine Honorierung meiner Leistungen in den letzten Monaten.

tennis MAGAZIN: Wie würden Sie das Teamgefüge im Davis Cup beschreiben? Gibt es deutsche Spieler, mit denen Sie befreundet sind?

Gojowczyk: Die Stimmung ist sehr gut. Mit Tim Pütz bin ich befreundet. Als er in München lebte, haben wir viel gemeinsam unternommen, sind öfter mal Essen gegangen. Mit Tobias Kamke verstehe ich mich sehr gut. Matthias Bachinger ist fast mein Nachbar.

tennis MAGAZIN: Was sind Ihre Ziele?


Gojowczyk: Mich in den Top 50 zu etablieren und möglichst konstant da vorne dabei zu sein. Turniersiege sind natürlich auch immer cool.

tennis MAGAZIN: Sind Sie jemand, der eher bescheiden im Hintergrund auftritt und auch sehr auf seine Privatsphäre achtet?

Gojowczyk: Ich mache da mein eigenes Ding und dabei fühle ich mich auch sehr wohl. Das war schon immer so und das werde ich auch in Zukunft nicht anders machen. Ganz klar: Was privat ist, ist privat.

tennis MAGAZIN: Heutzutage sind alle Spieler unglaublich durchtrainiert. Wie hart arbeiten Sie dafür?

Gojowczyk: Tennisspielen können in der Weltspitze alle. Aber im Fitnessbereich macht man häufig den nächsten Schritt. Ich arbeite jeden Tag zwei bis drei Stunden an meiner Fitness. Es kommt aber auch viel drauf an, in welcher Phase man gerade ist. In der Vorbereitung macht man deutlich mehr Fitness, während des Turniers weniger.

tennis MAGAZIN: Man kennt diese Geschichten von Andy Murray, der achtmal hintereinander 400 Meter sprintet oder in der Sauna Liegestütze macht. Machen Sie sowas auch?

Gojowczyk: Wir machen auch gerne 300 Metersprints. In der Regel dann mit sechs bis acht Wiederholungen und ungefähr 45 Sekunden Pause. Sowas macht man aber auch nur in der Vorbereitung. Während eines Turniers natürlich nicht.

tennis MAGAZIN: Wie sieht es im mentalen Bereich aus? Werden Sie bei engen Spielständen nervös?

Gojowczyk: Man bekommt eine gewisse Routine, wenn man viele Matches spielt. Auf großen Plätzen, wo man noch nie war, ist man natürlich nervöser. Als ich im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit langem in Stuttgart auf einem Centre Court spielte, war ich doch unruhig. Aber ich profitiere davon, dass ich mittlerweile eine gewisse Erfahrung habe.

tennis MAGAZIN: Sie sollen ein leidenschaftlicher Koch sein. Wie sind Sie auf dieses Hobby gekommen?

Gojowczyk: Ich habe mir viel von meiner Mutter und meiner Oma abgeguckt. Als ich ausgezogen bin und meine eigene Küche hatte, habe ich dann viel ausprobiert. Mir gefällt das Kochen, weil ich da mental abschalten kann. Wenn ich beispielsweise Fleisch, die Soßen, die Nachspeisen zubereite, komme ich zur Ruhe. Ich habe kein Problem damit, stundenlang Zeit in der Küche zu stehen.