Lars Noll

Tennistrainer Lars Noll: „Es ging von 100 auf 0 runter“

Foto: Claudio Gärtner

Lars Noll, Tennistrainer beim TC Blau-Weiss Berlin, im Gespräch über die Auswirkungen der Corona-Krise auf seinen Berufsstand.

Herr Noll, wann wurde die Corona-Krise erstmals spürbar für Sie?

Es gab zunächst ein paar Maßnahmen Anfang März, um Kontakte zu vermeiden. Dann wurde bei uns im TC Blau-Weiss Berlin das Jugendtraining eingestellt. Am 13. März wurden schließlich alle Berliner Sportstätten geschlossen, darunter auch die Tennisvereine. Im Prinzip ging es von 100 auf 0 runter. In unserem Club gibt es Festangestellte und Freiberufler. Ich bin ein Honorartrainer, so dass erst mal die große Ungewissheit entstand, wie es weitergeht.

Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf Sie?

Ich bin seit den Schließungen arbeitslos. Zunächst war mir unklar, was ich nun zu tun habe. Ich bin der Facebook-Gruppe „Tennistrainer in Zeiten von Corona“ beigetreten und tausche mich dort mit Trainerkollegen aus, wie diese die Krise überstehen. Nun hat sich herauskristallisiert, dass wir über die Investitionsbank in Berlin Zuschüsse beantragen können, um Soforthilfe von 5.000 Euro zu bekommen. Ich habe einen Antrag gestellt und warte derzeit auf Antwort.

Welche finanziellen Einbußen haben Sie wegen Corona?

Wie schon gesagt: Es ging für mich von 100 auf null runter. Ich habe kein Einkommen mehr. Zuvor hatte ich eine 40-Stunden-Woche und teilweise habe ich auch mehr gearbeitet. Seit dem 13. März verdiene ich nichts mehr. Was hinzukommt ist, dass es derzeit unglaublich schwierig ist zu planen. Man weiß nicht, wann und wie es weitergeht. Kann man in absehbarer Zeit Gruppen unterrichten? Oder ist nur Einzeltraining erlaubt? Wie wird das Prozedere sein? Darf man Bälle anfassen wegen der Übertragung des Virus? Darf man nur mit Handschutz und Mundschutz spielen? Das sind alles noch Fragen, auf die es noch keine Antworten gibt. Die gesamte Situation ist unsicher. Die meisten Trainer werden sicherlich in der Lage sein, zwei Monate finanziell zu überbrücken, auch wenn es keine Hilfen gibt. Danach geht es schon an die Substanz, vor allem für diejenige, die kommerzielle Schulen oder Anlagen betreiben.

Was erwarten Sie in den nächsten Wochen und Monaten?

Ich gehe davon aus, dass es erst mal in Richtung Einzelunterricht gehen wird. Tennis ist keine Kontaktsportart und prädestiniert dafür, dass man spielen kann, wenn die Beschränkungen gelockert werden. Die Ansteckungsgefahr ist im Tennis, wenn man die nötigen Vorkehrungen trifft, relativ gering. Wir müssen sehen, ob es nach dem 20. April zeitnah weitergeht.

Gibt es die Möglichkeit für Online-Kurse im Tennis, beispielsweise der Taktikschulung?

Solche Dinge sind immer möglich. Einige Kollegen bieten das derzeit an. Mit meinen Schülern bin ich regelmäßig in Kontakt. Ich habe ein paar WhatsApp-Gruppen, in denen ich wöchentlich Tennistipps gebe und ein Video hochlade – zu einem bestimmten Schlag, zur Taktik oder zur Psychologie. Das kann man als kleine Ergänzung machen, aber es ersetzt nicht die Arbeit auf dem Platz. Online-Kurse wären nur eine kurzweilige Lösung, aber keine dauerhafte.

Haben Sie Tipps für alle Tennisspieler, die nun zu Hause sind?

Wer einen eigenen Garten hat, ist derzeit gesegnet. In dem Fall würde ich mir als erstes ein Kleinfeldnetz bestellen. Im Kleinfeld kann unglaublich viel am Ballgefühl arbeiten. Eine Hauswand bietet auch die Chance, um Schläge zu machen. Schattentennis vor dem Spiel wäre ebenfalls eine Möglichkeit. Für Leistungsspieler empfiehlt es sich, in der derzeitigen Phase an der Kondition zu arbeiten.

Wie nutzen Sie die freie Zeit? Nehmen Sie die Krise auch als Chance wahr?

Ich verbringe viel Zeit mit meinem Sohn, der ebenfalls Tennistrainer ist. Wir machen derzeit täglich Konditionstraining im Wald. Wenn die Krise etwas Gutes hat, dann, dass man mehr Zeit für das Privatleben hat. Ich sehe meine Freundin öfter als vorher und kann mich um Dinge kümmern, die liegengeblieben sind. Aber generell ist es so, dass jeder möchte, dass es schnellstmöglich zurückgeht auf den Platz.

Welche Folgen hat Corona für Ihren Verein Blau-Weiß Berlin?

Unser großer Traditionsverein hat sicherlich bessere Möglichkeiten, die Krise zu bewältigen als kleinere Vereine, vor allem in sozialen Brennpunkten. Allerdings hat Blau-Weiß Berlin mit mehr als 40 festangestellten Mitarbeitern größere Kosten, um den Verein am Laufen zu halten. Für die Trainer stellt sich die große Frage, wie es weitergeht, ob die Kunden nach der Krise noch den kostenintensiveren Einzelunterricht buchen werden. Wenn die Leute sparen müssen, spart man am ehesten an Dingen in der Freizeit.

Sie haben schon angesprochen, dass Tennis keine Kontaktsport ist. Sollten die Beschränkungen für eine Sportart wie Tennis anders ein, gerade beim Spielen im Freien? 

Ich kann die Politiker verstehen, dass sie als erste Maßnahme beschlossen haben, alle Freizeiteinrichtungen zu schließen. Damit waren auch alle einverstanden, wenn es für wenige Wochen so ist. Wenn es weitergehen sollte mit den Einschränkungen für die Bürger, sollte man genauer hingucken. Es ist ein Unterschied, ob ich ein Judo- oder Boxtraining mache, als wenn ich Tennistraining gebe. Man sollte differenzieren, ob es eine Mannschaftsportart mit Körperkontakt ist oder eine Einzelsportart mit wenig Kontakt. Dennoch sollten alle Tennisvereine dazu aufgefordert sein, alle nötigen Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. So blauäugig, dass am 20. April alles vorbei sein wird, ist sicherlich keiner.

Vita Lars Noll

Der gebürtige Rheinland-Pfälzer wurde 2012 zum DTB-Vereinstrainer des Jahres ausgezeichnet und leitet seit mehr als zwei Jahren Honorartrainer beim TC Blau-Weiss Berlin (mehr als 4.000 Mitglieder). Noll besitzt die DTB A-Lizenz und ist staatlich geprüfter VDT-Tennislehrer.