BMW Open by FWU 2018 – Day 5

Hanfmann exklusiv nach Zverev-Fight: „Muss mir mein Standing hart erarbeiten“

Yannick Hanfmann hat die Zuschauer im Achtelfinale der BMW Open in München mit einer couragierten Leistung gegen Alexander Zverev trotz der knappen Niederlage begeistert. Im exklusiven Interview mit tennis MAGAZIN sprach er danach über die vielen Lobeshymnen – auch von Zverev selbst –, seine eigene Weiterentwicklung und gab einen Ausblick darauf, wie er nun weniger prominente Aufgaben lösen möchte.

tennis MAGAZIN: Herr Hanfmann, Sie haben ein sehr gutes Match gegen Alexander Zverev gespielt. Am Ende reisen sie hier aber mit dem Bewusstsein ab, Punkte für die Weltrangliste verloren zu haben. Wie gehen Sie damit um?

Yannick Hanfmann: Im Hinterkopf habe ich das schon noch ein bisschen, aber langfristig darf mich das nicht beschäftigen. Klar verliere ich hier Punkte, aber ich werde mit dem Gefühl abreisen: Hier in München stimmte ja wieder alles mit meinem Spiel. Das Tennis hat sich gut angefühlt und wenn ich das fortsetzen kann, dann ist der natürliche Verlauf hoffentlich, dass die Punkte bald wieder reinkommen. Blöd ist es jetzt gerade ein bisschen, aber die letzten Tage hatte ich mich nur auf das Match gefreut. Ich fühle mich hier in München super wohl, wie ja auch 2017 gezeigt hat. Ich habe hier keinen Druck verspürt.

tennis MAGAZIN: Sie waren letztes Jahr hier im Viertelfinale, in Gstaad gar im Finale. Was funktioniert an Ihrem Spiel bei den etwas höher gelegenen Turnieren besonders gut?

Hanfmann: Zunächst einmal trainiere ich ja regelmäßig hier in der Region. Die TennisBase in Oberhaching ist meine sportliche Heimat, das ist schon mal ein Vorteil. Dann funktioniert mein Aufschlag in der Höhe und speziell hier in München außerordentlich gut, gerade der Kickaufschlag springt extrem hoch ab. Das war selbst für Alexander Zverev sehr unangenehm. Er hat es dann in den Sätzen zwei und drei besser gemacht, weil es kälter und etwas feuchter wurde und der Absprung flacher wurde. Aber generell mag ich die schnelleren Plätze. Ich spiele ja auch gerne Serve-and-Volley.

tennis MAGAZIN: Das sollte dann ja auch auf Rasen funktionieren, Wimbledon ist allerdings nicht so hochgelegen.

Hanfmann: Das stimmt, aber auch auf Gras gibt es ja große Unterschiede, was die Schnelligkeit angeht. Wimbledon ist ja mittlerweile gar nicht mehr so schnell.

tennis MAGAZIN: Zunächst geht es ohnehin auf Asche weiter. Sie haben am Mittwoch enorm viel Lob für ihren couragierten Auftritt erhalten. Auch Alexander Zverev hat Ihnen am Netz direkt ein paar Worte mit auf den Weg gegeben. Was hat er gesagt?

Hanfmann: Ich war zwar am Netz so kurz nach Matchball nicht voll da vom Kopf her, aber er hat mir gesagt, ich solle mir gar keinen Kopf machen. Mit so einer Leistung gehöre ich klar unter die ersten 50 der Welt und würde das bestimmt bald erreichen. Darüber freue ich mich natürlich, dass die Nummer drei der Welt so etwas sagt und ich glaube auch, dass das Match so ein Niveau hatte.

tennis MAGAZIN: Alexander Zverev hat später sogar von einem Top-20-Match gesprochen.

Hanfmann: Ja, das habe ich ebenfalls vernommen, wie gesagt: Das ist wirklich toll zu hören. Aber die Fakten sind: Er steht auf Rang drei, ich auf Rang 118. Ich bin mir deshalb nicht sicher, wie viel mir das bringt, das von ihm zu hören. Es gibt mir definitiv Selbstvertrauen, aber im Endeffekt muss ich mir mein Standing auf der Tour hart erarbeiten. Und nur, weil ich am Mittwoch so ein gutes Match gespielt habe, heißt es nicht, dass es nächste Woche auf einem Challenger gegen jeden anderen vor 20 Zuschauer und ohne Trainer genauso läuft.

tennis MAGAZIN: Sie sprechen es an: Nächste Woche spielen Sie ein Challenger im portugiesischen Braga vor viel kleinerer Kulisse: Schwer für den Kopf?

Hanfmann: Gegen Zverev war es einfach zu spielen für mich. Ich hatte nichts zu verlieren und konnte munter drauflosspielen. Ich muss jetzt unbedingt mitnehmen, dass ich dieses Potential habe, genau so zu spielen auch auf einem Challenger, wo mir die Bedingungen vielleicht nicht ganz so gut liegen. Ich habe noch viel Potential, aber dass ich mir momentan gar keine Sorgen machen soll, wie Sascha sagte, das kann ich so nicht annehmen. (schmunzelt).

tennis MAGAZIN: Haben die durchwachsenen Ergebnisse 2018 etwas Selbstvertrauen gekostet? Waren Sie Vor München vielleicht sogar negativ eingestellt?

Hanfmann: Negativ nicht. Ich kann schon verstehen, dass viele Leute sagen: ,Mensch, der Hanfmann, der kann richtig gut spielen und müsste doch eigentlich schon höher stehen.‘ Aber Tennis ist nun mal nicht so ganz einfach (lacht). Überall lauern gute Spieler, die es einem nicht einfach machen. Die Unterstützung von außen hilft, aber es garantiert gar nichts, aber. Das Wissen, dass ich mehr kann, das habe ich länger. Aber 2018 habe ich zum Beispiel viele größere Turniere zum ersten Mal gespielt gegen dementsprechend bessere Gegner. Ein paar Erstrundenniederlagen haben wehgetan, aber da gilt es, sich anzupassen und durchzubeißen.

Ein ausführliches Interview über Hanfmanns Weg am amerikanischen College, Schwierigkeiten, auf der Tour mit Freunden umzugehen, Ziele und Vor und Nachteile seiner Hörbehinderung lesen Sie bald im tennis MAGAZIN.

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