Angelique Kerber – Frank Molter

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Angelique Kerber: Mit dem Zweiten sieht man nicht besser

Die Matches von Angelique Kerber bei der WM in Singapur laufen auf ARD und ZDF. Ist der Zuschauer jetzt endlich optimal versorgt?

Es war phasenweise richtig gut, was Kerber am Sonntag in Singapur ablieferte bei ihrem Dreisatz-Klassiker gegen Dominika Cibulkova. 940.000 Zuschauer schalteten nachmittags beim ZDF ein. Macht 6,3 Prozent Marktanteil. Der Tages-Durchschnitt von allen Sendungen lag bei 9,4 Prozent. Ist das gut? Man weiß es nicht so recht. Wahrscheinlich eher nicht. Die Kollegen von der ARD, die morgen (Dienstag) Kerbers Match gegen Simona Halep übertragen sollten, zogen jedenfalls die Konsequenz: keine Kerber im Ersten, Verbannung auf den ARD-Spartensender One.

Dabei schien das Kalkül der Öffentlich-Rechtlichen vor der WM klar zu sein: Wir zeigen Kerber, die den Fans in diesem Jahr so viel Spaß gemacht hat – in Melbourne, Wimbledon, Rio und New York – und die reaktivierten Tennisfans werden sich das schon angucken. Immerhin spielt da die Nummer eins, die erste seit Steffi Graf vor 19 Jahren.

Die Weltranglistenerste Angelique Kerber während ihres Auftakteinzels gegen Dominika Cibulkova bei den WTA Finals 2016 in Singapur / Tennis / Damen /2016 / Saisonabschluss / Singapur / Südostasien / Halle / Indoor / Hartplatz / SPO / Singapore Indoor Stadium / Weltmeisterschaft / Masters / Match

Start geglückt: Angelique Kerber besiegte Dominika Cibulkova zum Auftakt in Singapur. (c) Frank Molter

So einfach ist die Rechnung nicht. Klar ist Kerber inzwischen auch in den Köpfen von nicht tennisaffinen Menschen angekommen. Klar ist aber auch: Selbst eingefleischte Tennisfans haben nicht mitbekommen, dass die Deutsche an prominenter Stelle auf der Fernbedienung Bälle schlägt. Das liegt zum einen daran, dass sich die Öffentlich-Rechtlichen spät entschieden haben, bewegte Bilder aus Ostasien zu senden.

Zum anderen passiert das, wenn man denn zuguckt, worüber man sich in der Vergangenheit schon oft geärgert hat: Kerber führte bereits 4:2 – da ging es erst los. Als das Match zuende war, gingen die Mainzer vor Kerbers Interview schon raus. Was komplett fehlte: Einordnung des Turniers, Informationen vom zweiten Spiel (Keys gegen Halep), Erklärung des Modus’. So aufwendig von Skispringen oder Ski alpin berichtet wird, so lieblos wirkte das Bemühen, den gelben Ball einzufangen. Die Reporter vor Ort sind da, belauern Kerber auf Schritt und Tritt. Aber man sah sie nicht.

Es braucht Zeit, um Tennis wieder zu etablieren

ARD und ZDF sehen die Kerber-Spiele in Singapur als Versuchsballon (alle Gruppenspiele werden übertragen, Halbfinale (ARD) und Finale (ZDF) ebenfalls, sofern Kerber bis zum Ende dabei ist). Nach dem Motto: Falls das klappt, können wir auch über künftige Übertragungen nachdenken. Das ist leider Unsinn. Es kann nicht klappen, weil man sehr viel Zeit braucht, um Tennis bei den Öffentlich-Rechtlichen in die Köpfe der Leute zurückzubringen. Diese Zeit gibt es nicht. Und die Frage ist: Sollte man nicht Eurosport als den Tennissender schlechthin belassen? Auch weil es dort zurzeit die kompetenteste Kommentatoren-Riege gibt?  Ein deutscher oder europäischer Tennis Channel existiert ja leider nicht.

So aber lautet die erste TV-Zwischenbilanz: Mit dem Zweiten sieht man nicht besser.