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Mein Feindbild Endrunde: Fed Cup – bleib, wie du bist!

Die Halbfinals und Relegationspartien im Fed Cup mit klassischer Heim- und Auswärtsspielatmosphäre haben die Tennisfans weltweit emotionalisiert. Unser Redakteur hofft mehr denn je, dass der Teamwettbewerb der Frauen sein Alleinstellungsmerkmal behält und es keine Endrunde à la Davis Cup geben wird.

„Der Körper fühlt sich schlecht an. Ich wollte diesen Fed Cup so sehr gewinnen. Ich war die vergangenen zwei Tage sehr traurig. Ich muss mich mental und physisch erst erholen und dann von Neuem starten.“ Simona Halep hatte gerade erst bei der Pressekonferenz des Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart am heutigen Dienstag Platz genommen. Und sagte enttäuscht und unter Hüftschmerzen eines der nach den Grand Slams prestigeträchtigsten Turniere der WTA-Tour ab; nicht mal zwei Tage nachdem sich die rumänische Nationalheldin im Fed Cup-Halbfinale in Rouen gegen Frankreich (3:2 für Frankreich) körperlich und mental komplett verausgabt hatte.

Ausgerechnet eine der besten Spielerinnen der Tour zog die Anstrengungen des Teamwettbewerbs einer Erholungspause vor – einfach, weil sie es von ganzen Herzen wollte – und musste dann als Einzelspielerin ihren Tribut zollen. Es war im Nachgang ein – wenn auch aus Spielersicht negativ behaftet – emotionales I-Tüpfelchen auf ein ohnehin dramatisches Fed Cup-Wochenende. An dem Stars und unbekanntere Spielerinnen gleichberechtigt für ihre Länder um den Finaleinzug, aber auch um Auf- oder Abstieg in der Weltgruppe kämpften. Angekurbelt in teils frenetischer Heim- und Auswärtsatmosphäre. Unter den Eindrücken des Wochenendes gilt: Fed Cup, bitte bleib so wie du bist!

Der Davis Cup hat sich verändert. ITF-Präsident David Haggerty mit seinem Geschäftspartner Gerard Pique und dessen Investorengruppe Kosmos hat die umstrittene Davis Cup-Reform 2018 in Orlando mit der notwendigen Zweidrittelmehrheit durchgeboxt – umweht von Korruptionsvorwürfen. Ende 2019 findet daher erstmals eine Davis Cup-Endrunde in Madrid statt. Heim- und Auswärtsspiele gibt es nur noch in Runde eins. Damit haben die weiteren K.o.-Partien im Fed Cup mit der Heim- und Auswärtsspielatmosphäre – aus allgemeiner Tennissicht leider – Alleinstellungsmerkmal im Länderkampf. Wenn man einmal von der ersten Davis Cup-Runde absieht, was allerdings ein schwacher Trost ist.

Dass viele Fans den Modus im Davis Cup jetzt schon vermissen, war in den Stadien und in den sozialen Netzwerken am Wochenende spürbar. Die Emotionen auf den Courts von den Spielerinnen und auf den Rängen von den Fans waren toll mitanzusehen. Es wurde gefightet, geschrien, getanzt, gesungen und angefeuert – teils auch wie aus Ländervergleichen gewohnt grenzwertig. Frankreichs Fed Cup-Coach Julien Benneteau etwa jubelte nach einem Doppelfehler Haleps bei Breakball, als hätte er gerade ein Grand Slam-Turnier gewonnen. Über letzteres lässt sich naturgemäß streiten. Es ist aber schwer- bis gar nicht vorstellbar, dass ein neutraler Austragungsort ähnliche Emotionen transportieren kann.

Ich habe 2018 in Brisbane trotz der australischen Davis Cup-Niederlage gegen Deutschland miterleben dürfen, wie begeistert und fair australische Sportfans agieren. An gleicher Stelle machten die australischen Damen vor ausverkauftem Haus gegen Weißrussland mit ihrem 3:2-Erfolg den ersten Finaleinzug seit 26 Jahren möglich. Australiens Spielerin der Stunde, Asleigh Barty, war an allen drei Punkten beteiligt.

An der Seite der routinierten Sam Stosur holte sie im entscheidenden Doppel den dritten Punkt. Die Herzen der Fans hatte sie schon im Einzel erobert, als sie mit ihrer Nichte in das Stadion einlief. „Es fühlt sich unwirklich an, im Endspiel zu stehen. Ich kann mich glücklich schätzen, Teil eines solch tollen Teams zu sein“, sagte Barty, die schon beim Auftaktsieg gegen die USA (3:2) alle drei Punkte geholt hatte.

Noch dramatischer ging es im französischen Rouen zu. Acht Stunden dauerte es, bis Frankreich den Finaleinzug feiern durfte. Im abschließenden Doppel besiegten Caroline Garcia und Kristina Mladenovic das rumänische Duo Halep und Monica Niculescu 5:7, 6:3, 6:4. Halep hatte Rumänien mit ihren Einzelsiegen zuvor im Rennen gehalten. Am Ende gab es frenetischen Jubel bei den Französinnen und bittere Tränen bei Halep & Co.

Leider scheint es wahrscheinlicher, dass wir solche Emotionen in der Zukunft nicht mehr zu Gesicht bekommen. Genau wie der traditionsreiche Davis Cup könnte auch der Fed Cup künftig in einem Finalturnier ausgespielt werden. Der Präsident des Deutschen Tennis Bundes, Ulrich Klaus, bestätigte tennis MAGAZIN im März, dass ein entsprechender Reformvorschlag für den Nationenwettbewerb diskutiert werde. Gespielt werden soll die Endrunde mit zwölf Teams im April, eine Qualifikation im alten Modus mit Heim- und Auswärtsspielen im Februar.

Die Investmentfirma Kosmos, die bereits das im November erstmals ausgetragene Davis Cup-Finalturnier in Madrid organisiert, hat ein entsprechendes Angebot gemacht. „Tschechien, Weißrussland und wir haben darum gebeten, uns das neue Format des Davis Cups in diesem Jahr erst einmal anzuschauen und zu warten, bevor man den Fed Cup angleicht“, sagte Klaus: „Letztendlich sind wir aber machtlos.“ Barbara Rittner in ihrer Funktion als Head of Women’s Tennis des DTB plädiert ohnehin schon lange für eine Verdopplung der Weltgruppe von acht auf 16 Länder und einen Verbleib beim jetzigen Modus.

Leider wäre es naiv, anzunehmen, dass sich die Verantwortlichen von den Emotionen des Wochenendes verleiten lassen. Anregungen gäbe es genug. Großer Jubel herrschte ebenfalls in Riga. Dort verhinderte ein von Julia Görges angeführtes deutsches Team den Abstieg aus der Weltgruppe. Die gegen Lettlands Nummer eins Jelena Ostapenko siegreiche Andrea Petkovic untermauerte noch in Stuttgart ihren Standpunkt pro Heim- und Auswärtsspielatmosphäre. Trotz der Strapazen seien es auch die kulturellen Erfahrungen an neuen Orten außerhalb der WTA-Tour und der Zusammenhalt, die den Wettbewerb so besonders machten.

Und wer den grenzenlosen Jubel auf der Insel beobachtete, der auf Großbritanniens Rückkehr in die Weltgruppe seit 26 Jahren zurückzuführen ist, der kann nur zu dem Schluss kommen. Lasst den Modus so. Oder noch besser: Baut ihn aus. Judy Murray etwa gab an, ihre Kontakte nutzen zu wollen, damit die kommenden Matches wieder auf BBC gezeigt werden. Der britische Sender hatte Abstand von der Übertragung gegen Kasachstan genommen.

Am Ende sollte der Teamfaktor im Tennis nicht unterschätzt werden. Es fällt naturgemäß leichter, Emotionen für ein Team, für ein (Heimat)land zu zeigen, als nur für einen einzelnen Sportler. Stimmungen wie bei einem Fußballspiel wollen nicht alle Traditionalisten haben. Gleichzeitig erinnern sich auch diese Damen und Herren an glorreiche Davis Cup- und Fed Cup-Schlachten sehr gerne. Und da ging es mitunter ebenfalls heiß her. Wir benötigen den Fed Cup so wie er ist. Das Wochenende war eine tolle Werbung für den Tennissport. Es gab massig Reaktionen in den sozialen Netzwerken. Angeführt von den größten Spielerinnen.

Simona Halep war nun die Leidtragende im doppelten Sinne. Sie muss die Enttäuschung der Länderspielniederlage verkraften und ist verletzt. Die finanziellen Einbußen sind ein weiterer Aspekt, den der Superstar verkraften wird können. Es wäre wünschenswert, die Rumänin 2020 im gleichen Modus wieder aufschlagen zu sehen.