Keine Angst auf dem Tennisplatz

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Angst vor Erfolg? Das gibt es! Muss aber nicht sein, meint unser Kolumnist Michael Berrer. 

Nikephobia. Schon mal gehört? Es ist die Angst, etwas zu tun oder zu erreichen, was man wirklich will. Klingt schizophren, ist aber weit verbreitet. Einfach ausgedrückt heißt der wissenschaftliche Begriff Nikephobia – bestehend aus den Wörtern Nike (Siegesgöttin) und Phobia (Angst) – Angst vor dem Siegen. Es gibt auch die Angst vor dem Verlieren. Die kennt wahrscheinlich jeder. Dann fräsen sich Sätze wie „Oh nein, wenn ich verliere, steige ich ab“ ins Gehirn. Bei der Angst vor Erfolg liegen die Dinge etwas anders. Ein 400-Meter-Läufer etwa zeigt nur 90 Prozent Einsatz. Oder ein Tennisspieler setzt seinen besten Schlag, volles Vorhand-Brett, nicht ein. Warum ist das so? Es ist nicht der Erfolg selbst, der hemmt. Denn Erfolg will jeder. Es sind die Konsequenzen, die durch den Erfolg entstehen. 

Um das zu verstehen, hilft ein Beispiel aus dem prallen Leben. Eine Person hat Angst, sich zu verlieben. Die Liebe ist etwas Wunderschönes, jeder will sie. Aber die Person zieht sich vorher zurück, weil sie oder er nicht verletzt werden will. Schließlich muss man sich öffnen. Anders ausgedrückt: Es ist die neue Situation, die einem Angst macht. Man muss aus seiner Komfortzone.

Druck ist ein Privileg

Gerade im Profitennis ist Erfolg sehr verlockend. Die Konsequenzen lauten: Geld, Ruhm, Anerkennung. Das öffentliche Interesse, das entsteht, kann schon wieder negativ sein. Einige lieben die Bühne, andere fühlen sich nicht wohl, wenn sie im Rampenlicht stehen. Rainer Schüttler und Angelique Kerber sind dafür Beispiele, obwohl sie in ihrer Zunft zu den Besten der Welt gehörten oder gehören. In der Medenrunde gibt es Spieler, die auf den hinteren Plätzen fleißig Punkte sammeln. Aber wenn sich die LK verbessert und auf Platz eins oder zwei plötzlich viele Menschen zugucken, lähmt sie das. In der Jugend heißt die Schattenseite oft emotionale und soziale Isolation. Die Freunde werden abgehängt. Man trainiert mit den Besseren, steigt in den Bezirkskader auf, Neid entsteht. Hat man Erfolg, steigt die Erwartungshaltung, der Druck nimmt zu. „The bar has been raised“, sagen die Amerikaner. Und wenn die Messlatte höher liegt, erhöhen sich Zeitaufwand und Verpflichtungen. Das Privatleben leidet. Da kann man schon mal Angst vor dem Erfolg haben.

Was tun? Stellen Sie sich die Frage: Was ist das Schlimmste, das mir passieren könnte? Sie werden merken: Die Sonne scheint auch am nächsten Tag, Sie haben zu essen und ein Dach über dem Kopf. Akzeptieren Sie die neue Ausgangspositon. Druck ist ein Privileg, wie Djokovic sagt. Sie haben sich durch Ihre Leistung den Aufstieg verdient! Mein Tipp lautet: Tauschen Sie sich mit Ihrem Umfeld aus, sprechen Sie über Ihre Gefühle. Das hilft. Sie halten das für eine Schwäche? Das Gegenteil ist der Fall!

Michael Berrer

Michael Berrer: Der Stuttgarter war die Nummer 42 der Welt, studierte Sportpsychologie. Arbeitet heute als Unternehmens- und Sportcoach.