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Mail aus Frankfurt: Eine Klatsche zum Debüt!

Man sollte vorsichtig sein mit frühzeitigen Fazits an einem Davis Cup-Wochenende. Auch dann, wenn eine Partie entschieden ist. Das ist seit dem Eklat von Frankfurt im letzten Jahr allen bekannt. Damals waren sämtliche Jubelarien nach einer grandiosen 3:0-Führung des deutschen Davis Cup-Teams gegen Spanien und einer hollywoodreifen Pressekonferenz der gesamten Mannschaft am nächsten Tag vergessen. Weil weder Philipp Kohlschreiber, noch Tommy Haas oder Florian Mayer zum letzten Einzel antraten und tausende Fans in der Arena pfiffen und pöbelten. Die Story ist bekannt und es würde längst alles darüber geschrieben – rauf und runter, immer wieder.

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Chancenlos im Doppel: Andre Begemann (li.) und Benjamin Becker.

In diesem Jahr liegen die Dinge anders. Nach dem zweiten Tag der Erstrundenbegegnung gegen Frankreich ist die DTB-Auswahl bereits mit 0:3 geschlagen. Die Doppelniederlage von Benjamin Becker und Andre Begemann gegen das französische Duo Julien Benneteau/Nicolas Mahut: der sportliche Tiefpunkt an diesem Wochenende. 4:6, 3:6, 2:6 – keine Chance. Beide waren so unterlegen, dass selbst die größten Optimisten spätestens nach dem ersten Satz jede Hoffnung auf ein „Wunder von Frankfurt“ aufgaben. Teamchef Michael Kohlmann analysierte im Anschluss ein grundlegendes Problem im deutschen Team: Es gibt kein funktionierendes und eingespieltes Doppel. Während Benneteau und Mahut zum einen auf der Tour mit wechselnden Partnern regelmäßig erfolgreich spielen und zum anderen in der gesamten Vorbereitungswoche täglich miteinander trainierten, konzentrierten sich die deutschen Spieler in ihren Einheiten vor allem auf die Einzel. Team-Berater Niki Pilic, der am Vormittag die Chancen auf einen Sieg im Doppel bereits als äußerst gering prognostizierte, erklärte schon zu diesem Zeitpunkt treffend: „Bei anderen Nationen hat das Doppel eine größere Bedeutung. Das ist eine Frage der Einstellung.“ Eine versteckte Kritik, die durchaus gerechtfertigt ist. Auch, wenn das verlorene Doppel am Samstag natürlich nicht der Knackpunkt an diesem Wochenende war.

Struff das einzige Highlight

Keine Spur von Euphorie also und damit auch keine Gefahr, zu früh zu jubeln. Schließlich gibt es nichts zu feiern. Gleichgültig wie die unbedeutenden Einzel am Sonntag enden werden: Ein grandios kämpfender Jan-Lennard Struff, der bei seinem Davis Cup-Debüt trotz der Fünfsatz-Niederlage gegen Gilles Simon begeisterte, wird als einziges Highlight aus deutscher Sicht im Gedächtnis bleiben. Und die Tatsache, dass Philipp Kohlschreiber keine negativen Schlagzeilen lieferte, sich bei seiner Rückkehr ins Team problemlos integrierte und von den Frankfurter Fans fair behandelt wurde. Seine Niederlage am Freitagabend gegen einen starken Gael Monfils konnte ihm niemand übel nehmen.

Für Teamchef Michael Kohlmann bleibt nach dieser Klatsche bei seinem Debüt eine bittere Erkenntnis: Gegen eine Top-Mannschaft wie die aus Frankreich ist das deutsche Davis Cup-Team derzeit – zumindest ohne die Langzeit-Verletzten Tommy Haas und Florian Mayer – so unterlegen wie sämtliche Fußball-Bundesligisten dem FC Bayern München.