TENNIS-FRA-OPEN

Mail aus Hamburg: „Was für ein geiles Match“

So hatte sich Michael Stich den Abschluss „seines“ Rothenbaumturniers gewünscht. Ein mit 7.500 Zuschauern ausverkaufter Centre Court, strahlender Sonnenschein und Topstar Rafael Nadal als Sieger nach einem über weite Strecken hochklassigen Endspiel.

„Was für ein geiles Finale“ platzte es bei der Siegerehrung aus dem Turnierdirektor heraus. Michael Stich war noch immer angetan, von dem was er in den zweineinhalb Stunden zuvor von Rafael Nadal und Fabio Fognini an diesem Sonntag gesehen hatte. Das Publikum goutierte Stichs Aussage mit lautem Applaus, auch ihm hatte das Gebotene offenbar gefallen. Der Italiener verlangte dem Sandplatzkönig alles ab, war phasenweise sogar der druckvollere und bessere Spieler.

Der Hamburg-Sieger von 2013 zeigte großartige Schläge, traf die Linien teils nach Belieben, agierte präzise wie ein Chirurg. Dann allerdings übertrieb es der Mann aus Sanremo, der die beiden letzten Begegnungen mit Nadal gewann, wieder mit zu viel Schnörkel und unüberlegt gespielten Bällen. Fognini mal fabelhaft, mal fahrig. Und so setzte sich am Ende der Favorit mit 7:5, 7:5 durch.

Wieviel Kraft Nadal dieses Match nach einer anstrengenden Woche gekostet hatte, zeigte sich bei der Siegerrede des Spaniers. Die gerät leicht ins Stocken, als plötzlich ein Krampf in die Oberschenkel-Muskulatur des 29-Jährigen schießt und er seine Ansprache mit dem Mikrofon in der einen und dem angewinkelten rechten Fuß (zum Dehnen des Oberschenkels) in der anderen Hand zu Ende bringt. Das Publikum feiert seinen Liebling.

Mail aus Hamburg

Siegerzeremonie: Rafael Nadal (blau-weiße Jacke) mit dem Pokal.

Symbolhaft könnte man diese Szene für Nadals Woche am Rothenbaum nehmen. Er wankte zwar zwischendurch, fiel aber nicht. Vor allem seine Schwäche bei eigenem Aufschlag blieb auch im Finale nicht verborgen. Er gab Fognini 14 Chancen auf ein Break, wovon der Italiener fünf nutzte. Aufschläge mit weniger als 150 km/h – keine Seltenheit beim Mallorquiner.

In der Gunst des Publikums lag der Spanier hörbar vor Fognini. Umso mehr als es zu einem lautstarken Disput der beiden bei einem Seitenwechsel in der Endphase des zweiten Satzes kam, den Nadal nicht weiter kommentieren wollte:  „Das kommt manchmal vor, aber was da vorgefallen ist, sollte auch auf dem Platz bleiben.“

Klar, dass ihn die Fans in Hambug im nächsten Jahr wiedersehen wollen. „Man sollte einfach den Augenblick genießen“, sagte Nadal vielsagend und schob nach: „Also ich sollte das tun.“ Dennoch: Die Fans sollten es wohl auch tun. Nadal wird diesen 67. Turniersieg seiner Karriere, der so wichtig für sein Selbstvertrauen war, jedenfalls auf Mallorca genießen. „Ein paar Tage in meiner Heimat, das ist meine Belohnung.“ Die hat er sich verdient.