Angelique Kerber

Mail aus Melbourne: Geburtstagskind Kerber wieder ganz bei sich

In brütender Hitze machten Andrea Petkovic und Angelique Kerber an Tag vier der Australian Open den Anfang aus deutscher Sicht. Nach gänzlich unterschiedlichem Ausgang hatte unser Reporter vor Ort dennoch das Gefühl, dass beide aus dem ehemaligen Fräulein-Wunderteam wieder näher bei sich sind. Das Geburtstagskind nähert sich sogar wieder dem Gefühl von 2016 an!

Vor ihrem Zweitrundenmatch gegen die von ihrem Ex-Coach Torben Beltz gecoachte Kroatin Donna Vekic ging es für Angelique Kerber und ihrem immer noch brandneuen Trainer Wim Fissette zum morgendlichen Einschlagen. Den Platz teilten sie sich, nicht abgesprochen, ausgerechnet mit den Gegnern.

So schlugen sich die Kontrahenten vor einer Grand Slam-Hauptrunde quasi miteinander ein. Beltz mit Vekic, der Belgier Fissette mit Kerber. Nicht nur für frühaufstehende Beobachter irgendwie irritierend.

„Das war schon ein sehr komisches Gefühl“, berichtete Kerber Stunden später auf ihrer Sieger-Pressekonferenz und konnte darüber schon wieder schmunzeln. Vor zwei Tagen hatte sie noch jeglichen Einfluss der Trainerkonstellation auf dieses Match dementiert. Ganz kalt lassen, konnte das aber auch einen Profi wie Kerber nicht.

Gelöst erklärte sie, dass Beltz ihr nach dem Spiel bereits gratuliert habe: „Wir haben aber immer kommuniziert, auch bevor unsere neuen Weggefährten offiziell wurden, haben wir es dem anderen mitgeteilt.“ Beltz, das wird in diesen Tagen deutlich, freut sich seinerseits aufrichtig über den rasanten Aufschwung, zu dem Wim Fissette seinem ehemaligen Schützling verhelfen konnte.

Ein Aufschwung, der heute den Unterschied ausmachte. Kerber, schien, wie so häufig auf dieser ausgeglichenen WTA-Tour wie die fittere Spielerin, die aber auch spielerisch schnell zum Erfolgsrezept fand. Das zeigten einige Passierschläge zu Beginn des Matches. Satzübergreifend breakte sie die Kroatin gleich viermal und ließ selbst, trotz nur 55 Prozent erster Aufschläge im Feld, lediglich ein Break zu. Sie ist wieder früher an den Bällen dran, schaufelt nicht nur. Ein ums andere Mal ging sie selbstbewusst in der Schlagbewegung durch den Ball durch. Kerber ist spielerisch und mental wieder mehr bei sich, wieder mehr im Gefühl aus 2016 angelangt. Und wie fast jedes Jahr sangen ihr die Zuschauer ein Geburtstagsständchen.

Mit gutem Gefühl in den 30er-Club

Daher durften die Antworten zur nächsten Gegnerin, eine gewisse Maria Sharapova aus Russland, nicht verwundern. „Wir hatten eine Reihe taffer Matches, keine Frage. Ich erinnere mich zum Beispiel gerade an die engen drei Sätze in Wimbledon. Dennoch versuche ich, wie schon seit dem Start dieses Jahres, nur auf mich zu schauen.“

Kerber ist seit dem heutigen Donnerstag dem 30er-Club angehörig. Vor dem Einschlagen sei sie mit dem Gefühl aufgewacht. „So Angie, das war es jetzt.“ Ernstgemeinter fügte sie hinzu: „Ich freue mich auf meine Dreißiger. Und auch spielerisch gibt es auf beiden Seiten genug Beispiele von fitten Spielern, die große Erfolge feiern können. Das hat sich ja in den vergangenen Jahren geändert.“

Die Hitze jedenfalls schien sie anders wie einige andere Spieler an diesem Tag zwar deutlich gespürt, aber nicht an den vollen 100 Prozent Leistungsbereitschaft gehindert zu haben. Mehrere Liter habe sie vor dem Spiel getrunken. Kerber gilt nicht erst seit 2018 als eine, wenn nicht die fitteste Spielerin der Tour, wenn sie es denn will. Was in diesen Tagen aber genauso zu passen scheint, ist die spielerische und mentale Umkehrung des Vorjahres.

„Klar hilft es, wenn ich jetzt Spiele, und vor allem gewonnene Spiele im Rücken habe. Meine spielerischen Qualitäten, wie die Variation, der Spin, die Stoppbälle, hängen aber nicht davon ab. Das sind zwei verschiedene Dinge.“ Außenstehende können da getrost anderer Auffassung sein. Fakt ist: Vor dem Popcorntennis-Match gegen Sharapova kann sie diese Qualitäten gut gebrauchen.

Petkovic bricht ein

Um die fehlende Variation ging es am Mittag nach Andrea Petkovics Niederlage gegen die Amerikanerin Lauren Davis. Die hatte mit ihrem Konterspiel die Sätze zwei und drei zu Null für sich entschieden: „Ich war in der Hitze relativ schnell, relativ platt. Es war ja kein normales Erstrundenspiel“, erklärte sie den Journalisten. Vielleicht sei sie nicht egoistisch genug gewesen, das Doppel abzusagen, um sich zu schonen, aber spielerisch habe sie heute nicht mehr machen können.

Wirklich? Einen einzigen Slice hatte sie im gegen sich laufenden zweiten Durchgang angesetzt – den die Amerikanerin prompt ins Netz setzte. Fehlte da nicht mehr davon?

„Stimmt, damit habe ich viel zu spät angefangen. Ich finde zwar auch, dass viele junge Spieler nicht wirklich ein B-Spiel haben, aber ich muss mich zu Spin, Slice und solchen Dingen früher und regelmäßiger trauen. Das ist ein guter Punkt.“ Trotz dem ernüchternden Ende Down Under kann Petkovic erhobenen Hauptes weiterreisen. Auch sie, wirkt, zu recht, wieder selbstbewusster.

„Ich weiß noch nicht, ob ich erst Challenger spiele oder nicht“, ließ sie an ihren Überlegungen teilhaben. Auch eine Fed Cup-Teilnahme sei offen. „Bisher gab es nur ein freundliches, aber abtastendes Kennenlerngespräch“ mit Jens Gerlach, dem neuen Fed Cup-Chef. Nach den bewussten Absagen von Kerber und Julia Görges täte etwas Erfahrung bei der schweren Aufgabe in Weißrussland durchaus gut. Mit einer Entscheidung ist aber nicht vor Mitte kommender Woche zu rechnen. Wenn es besonders gut läuft, weilt Angelique Kerber dann noch hier in Melbourne.

Spiel, Satz, Sieg – großes Tennis hier bei uns im Livescore! Verpasst kein Match! Klickt Euch rein: http://www.tennismagazin.de/livescore/